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24h-Rennen von Le Mans 2014

Audi-Doppelsieg in Le Mans

Impressionen - 24h-Rennen - Le Mans 2014 - Podest - Siegerehrung - Lotterer - Tréluyer - Fässler Foto: Audi 140 Bilder

Das 24h-Rennen in Le Mans hat immer Überraschungen parat: Das Audi-Werksteam Joest Racing nahm das größte Langstreckenrennen des Jahres von den Startplätzen fünf, sechs und sieben in Angriff, verlor ein Auto durch Unfall – und holte trotzdem einen Doppelsieg. André Lotterer, Benoît Tréluyer und Marcel Fässler schafften mit dem R18 e-tron quattro mit der Startnummer 2 ihren dritten Gesamtsieg in Le Mans.

15.06.2014 Marcus Schurig

Vor dem Rennen war Audi bestenfalls ein Geheimtipp: Die drei R18 e-tron quattro konnten im Zeittraining den Speed der LMP1-Gegner Toyota und Audi nicht mitgehen. Doch Audi hatte früher schon Rennen in Le Mans gewonnen, obwohl der zeitliche Rückstand noch größer ausfiel als 2014. Wenn man nicht mit purem Speed gewinnen kann, dann halt mit den Defensivwaffen des Motorsports: Zuverlässigkeit, Konstanz, Strategie. Das aber bedeutet auch: Man ist auf das Missgeschick der Gegner angewiesen.
 

Aufregendes 24h-Rennen von Le Mans 2014

Und genau so sollte es auch kommen: Die ersten drei Rennstunden sahen zwei heftige Regenschauer, die jeweils auch Safety-Car-Phasen auslösten. Toyota-Pilot Nicolas Lapierre entglitt sein TS040 Hybrid bei strömenden Regen auf Slick-Reifen, die Reparatur des Wracks dauerte 47 Minuten, damit war der erste Gegner aus dem Match. Allerdings auch ein Audi, denn Marco Bonanomi wurde zeitgleich unverschuldet in eine Auffahrkollision mit einem GT-Ferrari verwickelt, er konnte das Auto nicht mehr an die Box zurückbringen. "Das war sehr schade, denn das Nummer-3-Auto war bis zum Unfall unser schnellstes Auto und die Fahrer haben einen tollen Job gemacht“, so Joest-Technik-Direktor Ralf Jüttner. So hatte Audi nur noch zwei Eisen im Feuer.

Bis dahin war das Bild einigermaßen klar. Bei trockenenen Bedingungen konnte Toyota seinen überlegenen Speed in eine klare Führung ummünzen, dahinter stritten sich die beiden Porsche 919 Hybrid und die zwei verbliebenen Audi R18 e-tron quattro um die Verfolgerplätze. Der Toyota mit der Startnummer 7 von Alexander Wurz, Kazuki Nakajima und Stéphane Sarrazin hatte fast exakt 14 Stunden alles im Griff, der Vorsprung auf den später siegreichen Audi mit der Startnummer 2 betrug über zwei Minuten.

Toyota-Technikdirektor Pascal Vasselon gab zu bedenken: "Die Audi wurden in der Nacht immer schneller, während wir beim Speed gleich bleiben, das wäre noch spannend geworden." Ralf Jüttner sieht es genauso: "Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen für mich überhaupt noch nicht entschieden. Unser Auto ging immer besser, desto mehr Gummi auf der Strecke lag, die Gegner konnten sich nicht verbessern. Und der Vorsprung von zwei Minuten ist nicht die letzte Wahrheit, denn eine Minute davon ging auf das Konto eines Zeitverlustes bei der Safety-Car-Phase, netto hatten wir bis dahin nur eine Minute verloren, dann blieb der Abstand konstant."

Schadhafter Sensor sorgt für Kurzschluss im TS040 Hybrid

Doch gegen 5.00 Uhr am Sonntagmorgen rollte der TS040 in Arnage auf: ein schadhafter Sensor hat vermutlich einen Kurzschluss in der Elektrik ausgelöst, woraufhin das Motorsteuergerät in Brand geriet – Feierabend. "Das kam völlig überraschend und ohne Vorwarnung", so Pascal Vasselon.

Jetzt lief alles plötzlich für Audi, denn auch Porsche hatte in der Zwischenzeit Zeit verloren. Beim Auto mit der Startnummer 14 mussten zwei Mal die Teile der Kraftstoffversorgung getauscht werden, mit entsprechendem Zeitverlust, beim Schwesterauto mit der Startnummer 20 von Mark Webber, Brendon Hartley und Timo Bernhard gab es zwar keine größeren Probleme, die zu Reparaturen führten, doch man hatte nicht den Speed und nicht die Konstanz der Audi, die zum Beispiel in der Lage waren, den Reifen Vierfach-Stints zuzumuten, aber trotzdem schneller zu fahren als die Porsche. "Und mit Dreifachstints auf dem weicheren Reifen konnten wir uns sogar nochmal steigern", so Ralf Jüttner. So war der Fisch am Sonntagmorgen eigentlich geputzt, der Audi Nummer 2 führte mit drei Runden Vorsprung vor dem Porsche mit der Startnummer 20.

Viele Wendungen im Rennen

Doch dann sollte sich das Rennen abermals drehen – diesmal gegen Audi: Um 07.00 Uhr morgens musste am führenden Audi mit der Nummer 2 der Turbolader gewechselt werden, was 22 Minuten dauerte und einen Rückstand auf die Spitze von drei Runden einbrachte, wo jetzt der Schwesterwagen mit der Startnummer 1 den Platz an der Sonne besetzte. Doch auch dessen Glück war schnell verbraucht: Vier Stunden später musste auch hier der Turbolader getauscht werden. Damit führte nach 20 Stunden völlig überraschend der Porsche mit der Startnummer 20, der zwar schon lange nicht mehr die schnellsten Rennrunden drehte, aber dank Konstanz und ohne allzu große Stopper durchfuhr.

Zwar mussten die Piloten auf das Auto aufpassen, weil das Highspeed-Bouncing immer stärker wurde, vermutlich auch wegen Aufhängungsproblemen. Von hinten stürmte aber schon wieder der Audi mit der Startnummer 2 von André Lotterer, Benoît Tréluyer und Marcel Fässler heran, der Rückstand betrug zu diesem Zeitpunkt nur noch drei Minuten – doch er schrumpfte rasend schnell dahin, so dass es schnell wieder zu einem echten Duell wurde, allerdings mit zwei unterschiedlich schnellen Fahrzeugen. "Porsche hat eine tolle Leistung gezeigt, aber sie hatten nicht unseren Speed, die hätten wir auf jeden Fall eingeholt", so Ralf Jüttner.

Mark Webber zuckelt langsam zur Box zurück

Doch das Schicksal drehte in Le Mans eine weitere Schleife. Nach 21 Stunden etablierte sich der Audi an der Spitze, Porsche schien Platz zwei (oder drei) auf sicher zu haben, da zuckelte Mark Webber um 13.15 Uhr langsam zur Box zurück. In der Garage wurde erst heftig geschraubt, dann ein Absperrband vors Auto gestellt – zu Deutsch: Ausfall. Es sollte noch bitterer für Porsche kommen, denen niemand zugetraut hätte, so lange an der Spitze des LMP1-Feldes mitzufahren.

In Runde 357 kriechte auch das Schwesterauto von Marc Lieb langsam an die Box, zurück, das Getriebe war im fünften Gang steckengeblieben. Porsche versuchte noch zu reparieren, um wenigstens ein Auto ins Ziel ins zu bringen – was man letztlich auch schaffte. Doch das war natürlich keine Entschädigung für die Probleme zu Rennende. "Wenn man so lange so weit vorne mitfährt, dann will man natürlich auch aufs Podium", so Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz. "Aber letztlich können wir das Schlachtfeld Le Mans mit erhobenem Haupt verlassen."

Audi mit dem zuverlässigsten Auto zum Sieg

Der dritte Platz des Toyotas mit der Nummer 8 konnte auch Toyota nicht aufmuntern. "Wir hatten insgesamt das schnellste Auto, auch wenn Audi zur Rennhalbzeit immer stärker wurde", so Pascal Vasselon. "Dann ist es natürlich bitter, nicht mehr um den Sieg kämpfen zu können. Jetzt müssen wir wieder 365 Tage warten und hart arbeiten." Damit kam Audi – trotz der Zuverlässigkeitsprobleme mit den Turboladern – zum Doppelsieg: André Lotterer, Benoît Tréluyer und Marcel Fässler siegten mit drei Runden Vorsprung auf den Schwesterwagen von Tom Kristensen, Marc Gene und Lucas di Grassi, auf Platz drei folgte der Toyota.

In der ebenfalls werksunterstützten GTE-Klasse siegte der einzige topbesetzte Ferrari F458 Italia von AF Corse mit Toni Vilander, Giancarlo Fisichella und Gianmaria Bruni. Über weite Teile des Rennens – exakt über 255 Runden – lieferten sich Ferrari ein packendes Sekundenduell mit dem Aston Martin Vantage von Stefan Mücke, darren Turner und Bruno Senna, bis am Aston Martin ein Leck der Servolenkung für Verzug sorgte. Die eigentlich leicht favorisierten Chevrolet Corvette und Porsche 911 RSR belegten die Plätze zwei und drei auf dem Podest. Bei Porsche war man mit dem Resultat nicht zufrieden, ein Teammitglied maulte: "Wir waren hier chancenlos und sind vorgeführt worden."

In der Tat waren Ferrari und Chevrolet deutlich schneller und Aston Martin hatte so viel Motorleistung, dass sie Rückstände mehrfach wieder zufahren konnten. "Die Piloten auf dem drittplatzierten 911 RSR sind 24 Stunden volle Lotte gefahren, trotzdem hatten wir keine Chance, hier aus eigener Kraft zu gewinnen", so Porsche-Teamchef Olaf Manthey.

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