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30 Jahre Ford Sierra

Nordschleifen-Treffen mit Ford Focus ST

Ford Focus ST, Ford Sierra XR4 Ti, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 27 Bilder

Ford Sierra XR4 Ti und Focus ST treffen sich an der Nordschleife und feiern 30 Jahre Sierra. Impressionen von einer Reise in die Motorsport-Vergangenheit des älteren und der Rennstreckenpremiere des jüngsten Ford-Sportlers.

03.09.2012 Stefan Cerchez

Unser Treffpunkt ist der Parkplatz an der Streckenzufahrt. Neben den Profifahrern, die auf der anspruchsvollen Nürburgring-Nordschleife für die Autoindustrie Testrunden mit Versuchsträgern drehen, tummeln sich hier am späten Nachmittag auch zahlreiche Hobby-Rennfahrer und Auto-Enthusiasten mit den unterschiedlichsten Vehikeln: Ein dezent dunkler Porsche 911 mit Schweizer Kennzeichen wartet Seite an Seite mit einem britischen VW Käfer im Rost-Look auf seine Runde, während sich nebenan ein älterer Lotus Elise knisternd vom gerade absolvierten Eifel-Törn erholt.

Etwas weiter hinten parkt unser Ford Focus ST, als Neuheit und mit seinem auffälligen Farbton eigentlich ein echter Hingucker. Doch die Aufmerksamkeit der anwesenden Autoexperten gilt nicht dem jüngsten Spross der Focus-Familie, sondern einem anderen, etwas älteren Wagen mit Ford-Logo – streng genommen einem Museumsstück. Mit seinem knallgelbem Lack und den zahlreichen Werbeschriftzügen wirkt er zwar nicht sehr dezent, hat sich aber trotzdem seinen Platz in der Ford-Ruhmeshalle redlich verdient. Die Rede ist vom 340 PS starken Ford Sierra XR4 Ti, der vor knapp 30 Jahren den Beginn der Turbo-Ära bei den Ford-Tourenwagen markierte und mit Piloten wie Frank Biela, Manuel Reuter oder Bernd Schneider am Steuer zahlreiche erfolgreiche Auftritte in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) absolvierte.

Ford Sierra war Marktführer in seinem Segment

Knapp 30 Jahre? Ja, so lange ist es bereits her, dass Ford das damals mutig geformte Nachfolgemodell des Taunus präsentierte und damit einen Verkaufserfolg landete. Als der Sierra 1982 auf den Markt kam, feierte Ford ihn als Aerodynamikwunder (cw-Wert: 0,34), obwohl der im selben Jahr präsentierte Audi 100 noch etwas strömungsgünstiger war (0,30). Gegenüber seinem kantigen und eckigen Vorgänger Taunus brach der Ford Sierra radikal mit dem bis dahin gängigen Stil in der Mittelklasse und trat zudem bis zum Facelift 1987 ausschließlich als Schrägheck- oder Kombimodell an. Nicht zum Schaden von Ford: Schon im zweiten Produktionsjahr wurde er Marktführer in seinem Segment, bis 1986 entschieden sich über 1,5 Millionen Kunden für den Sierra.

Zurück in die Eifel: Während der Ford Sierra XR4 Ti vorsichtig vom Transportanhänger bugsiert wird, machen wir uns mit dem Ford Focus ST vertraut. Was ist im Vorfeld seiner Premiere nicht gejammert worden: Ohne den 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbo des Vorgängers – ein Aggregat der damaligen Schwestermarke Volvo – sei das sportliche Flair dahin, sein charakteristischer Klang würde durch die Zylinderamputation verkümmern, die Leistungsentfaltung sowieso – kurz: Fans und vermeintliche Fachleute trugen schon einmal vorab Trauer.

Einen traurigen Eindruck vermittelt unser Exemplar aber ganz und gar nicht. Stattdessen empfängt uns ein in fröhlichem Sunset-Gelb-Metallic lackierter Freizeitsportler, der wie sein Vorgänger mit dezenter Verspoilerung, Sportsitzen und Zusatzinstrumenten schon vor dem Motorstart Lust auf die Ausfahrt macht – egal ob auf der Nordschleife oder der Nordumfahrung. Und als kleine Entschädigung für das Downsizing leistet der nun vierzylindrige Ford Focus ST jetzt 250 PS, 25 mehr als sein Vorgänger. Schon mal nicht schlecht.

Ford Focus ST sorgt für sportlichen Klänge

Auf Knopfdruck nimmt der Zweiliter-Turbo seine Arbeit auf und fällt in einen ruhigen Leerlauf, der zunächst nichts von seinen sportlichen (und klanglichen) Fähigkeiten ahnen lässt. Aber sobald der flotte Ford Focus ST auf dem Eifel-Rundkurs ein wenig Auslauf bekommt, räumt er mögliche Zweifel schnell aus: 360 Newtonmeter Drehmoment zerren ab 2.000 Touren an den Vorderrädern und bringen den ST so vehement in Schwung, dass ich bei der streng choreografierten Fotofahrt aufpassen muss, den Renn-Sierra nicht versehentlich zu überholen. Ein Resonanzrohr im Ansaugtrakt sorgt für die passenden sportlichen Klänge und dafür, dass ich öfter als nötig mit dem Gas spiele. Wolfgang Laufer im Ford Sierra XR4 Ti neben mir registriert es milde lächelnd. Denn der Leiter der Abteilung Classic Cars bei Ford weiß, dass der DTM-Wagen seinen jüngsten Cousin jederzeit hinter sich lassen könnte, wenn er wollte.

Seit gut 20 Jahren kümmert sich Laufer um die rollenden Schätze von Ford Deutschland – zunächst nur nach Feierabend und in provisorischen Räumlichkeiten, mittlerweile hauptamtlich und mit eigener Halle und Werkstatt. "Es begann damit, dass ein Vorstandsmitglied zu seiner Verabschiedung in einem Model T chauffiert werden wollte. Ein entsprechendes Auto hatten wir zwar – aber niemanden, der sich damit auskannte." Und so kam es, dass Laufer seinem damaligen Chef die Genehmigung abtrotzte, sich nebenbei um den Erhalt der Ford-Oldies kümmern zu dürfen. Heute ist er Herr über rund 110 Fahrzeuge, 85 Prozent davon einsatzfähig, wie er stolz betont.

Spärrlich möblierter Ford Sierra XR4 T

Dass der Ford Sierra XR4 Ti nicht für eine Kaffeefahrt gemacht ist, wird schon auf den ersten Blick klar. Der Innenraum ist komplett leergeräumt und mit Überrollkäfig, Schalensitz sowie Tank im Kofferraum nur spärlich möbliert. Das Cockpit erinnert eher an einen Maschinenraum, Servounterstützung und Bremskraftverstärker sucht man hier vergebens. "Die Fahrer haben damals wirklich etwas geleistet", sagt Laufer nach der Fotofahrt und doziert über das giftige Einsetzen des Garrett-Turboladers und die aggressive Fahrwerksabstimmung, die kaum Fahrfehler verzeiht: "Die Hinterachse führt ein Eigenleben – dieses Auto muss man festhalten!"

Der Ford Focus ST gibt sich da naturgemäß zahmer und wohnlicher, er unterscheidet sich in Einrichtung und Komfort weitaus weniger vom Standardmodell als der karge DTM-Sierra. Dabei kann auch der Focus richtig schnell: Tempo 100 in 6,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit knapp 250 km/h – damit lässt sich die Phalanx der dieselnden Dienstwagen auf der Autobahn prima ärgern. Sein Sportfahrwerk ist gegenüber dem des Serien-Focus um zehn Millimeter tiefer gelegt und lässt den ST die Eifel-Kurven gierig inhalieren, ohne dabei die unnachgiebige Härte seines Rennsport-Vorfahren an den Tag zu legen.

Während der Ford Sierra also den durchtrainierten Vollprofi gibt, der in Sachen Fahrwerk, Ausstattung und Bedienung kompromisslos auf Renneinsätze ausgelegt ist, zeigt uns der neue Ford Focus ST, wie sportlich heute selbst ein Alltagsauto sein kann, ohne darüber seine Praxistauglichkeit zu vernachlässigen.

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