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ACO-Boss Pierre Fillon im Interview

Das macht der ACO

WEC Bahrain Foto: © John Rourke - AdrenalMedia.com

Der ACO regiert als Veranstalter des 24h-Rennens von Le Mans und der Sportwagen-WM den globalen Langstreckensport. ACO-Präsident Pierre Fillon erklärt den Club und seine Zukunftspläne.

31.07.2015 Powered by
Der ACO regiert als Veranstalter der Sportwagen-WM und des 24h-Rennens in Le Mans den weltweiten Langstreckensport. Das ist aber nicht das einzige ACO-Betätigungsfeld, oder?

Fillon: Der Automobile Club de l’Ouest (ACO) ist in erster Linie ein klassischer Automobilclub, und zwar der größte in Frankreich. Unsere Aktivitäten beruhen auf zwei Grundsäulen: Einerseits ist da der Motorsport rund um das 24h-Rennen in Le Mans, und zweitens fungiert der ACO als Interessenvertretung für unsere autofahrenden Mitglieder.

Sie betreiben also klassische Lobbyarbeit für die Autofahrer?

Fillon: Der ACO vertritt die Interessen der Autofahrer, und zwar gegenüber der Politik und der Industrie. Dazu kümmern wir uns um Streitfälle mit Versicherungen, Autoherstellern, Werkstätten oder Zulieferern. Wir engagieren uns bei Themen wie Verkehrsinfrastruktur oder der politischen Reglementierung von Autobahnen, deren Benutzung in Frankreich ja über Gebühren stattfindet. All diese Tätigkeiten bilden einen großen Teil der Arbeit des ACO.

Wie hat es der ACO geschafft, als französischer Automobilclub die Deutungshoheit im internationalen Langstreckensport zu erlangen?

Fillon: Viel hat natürlich mit der Historie und dem Gewicht des 24h-Rennens zu tun, das ist unser sportliches Fundament. Dann haben wir es geschafft, eine internationale Pyramide im Langstreckensport aufzubauen: unsere drei kontinentalen Rennserien – die TUSC-Serie in Amerika sowie die europäische und die asiatische Le-Mans-Serie – bilden die Basis, das 24h-Rennen die Spitze. Die 2012 etablierte Sportwagen-WM fungiert als Verbindung zwischen den kontinentalen Serien und dem 24h-Rennen von Le Mans. Wir sind wahrscheinlich der einzige Automobilclub der Welt, der in der Lage ist, seine eigenen technischen Regularien zu schreiben. Bis zum Jahr 2012 haben wir alles alleine gemacht, seit der Einführung der Sportwagen-WM arbeiten wir hier natürlich eng mit der FIA zusammen.

Managt der ACO auch die gesamte Infrastruktur rund um die Strecke in Le Mans?

Fillon: Ja, wir steuern alle wirtschaftlichen Aspekte, die die Strecke betreffen, und treten bei den meisten Rennen auch als Veranstralter auf. Wir führen ja nicht nur das 24h-Rennen durch, sondern auch das MotoGP-Rennen, Truck- und GT-Rennen, dazu Gokart-Events, die sehr populären Le Mans Classics oder die französische Superbike-Meisterschaft. Wir haben auch mal ein DTM-Rennen ausgetragen, aber das war nicht so gut: Wir hatten nur 10.000 Zuschauer, das war eine ziemliche Enttäuschung.

Der ACO vergibt auch Rennlizenzen?

Fillon: Der ACO hat 4.000 Mitglieder, die eine Rennlizenz haben. In Frankreich muss man Mitglied in einem Automobilclub sein, wenn man eine Rennlizenz lösen will. Im Übrigen richten wir aber auch Fahrerlehrgänge und Sicherheitstrainings aus, so hat zum Beispiel die Porsche Driving School ihren Sitz in Le Mans. Die Beziehung zur Stadt und zur Lokalregierung ist dabei sehr eng, denn der Stadt gehört der größte Teil der Rennstrecke, wir sind also nur der Mieter.

Gehört Ihnen eigentlich das Boxengebäude?

Fillon: Nein, das Boxengebäude gehört uns nicht, nur die Büroräume gegenüber in der Haupttribüne. Aber uns gehören beispielsweise das neue Porsche Experience Centre und noch einige weitere Liegenschaften. Die Strecke gehört anteilig dem Land, dem Departement und der Stadt, an die zahlen wir eine jährliche Miete, die alles abdeckt. Die Aktivitäten des ACO bringen übrigens enorme Umsätze in die Region, im Departement Sarthe sind das allein rund 90 Millionen Euro pro Jahr.

Wie ist Ihre Beziehung zur FIA, mit der Sie ja zusammen die Sportwagen-WM ausrichten?

Fillon: Normalerweise ist jedes große Land zweifach in der FIA vertreten, zum einen auf der sportlichen Ebene mit der Motorsportbehörde und zum anderen über einen nationalen Automobilclub im Bereich Mobilität. Frankreich ist über die Motorsportbehörde und den in Straßburg ansässigen Automobile Club in der FIA vertreten, der ACO ist also kein direktes Mitglied. Allerdings streben wir eine solche direkte FIA-Mitgliedschaft langfristig an, und da wir gemeinsam mit der FIA die Sportwagen-WM ausrichten, sind die Verbindungen schon heute sehr eng.

War das nicht früher auch schon so? Immerhin hat der ACO 1906 den ersten GP der Geschichte ausgetragen?

Fillon: Das stimmt, der ACO wurde 1906 gegründet und bekam vom Automobile Club de France (ACF) – der später übrigens die FIA gründete – den Auftrag, den Grand Prix in Le Mans zu veranstalten. Die Strecke führte auf gesperrten öffentlichen Straßen von Le Mans nach Saint-Calais und La Ferté-Bernard und wieder zurück, wohl gemerkt ein Rundkurs von 103 Kilometern! Später richtete der ACO auch Motorradrennen aus, und einer meiner Vorgänger kam dann 1923 auf die Idee, ein 24-Stunden-Rennen auszurichten, das der Autoindustrie als Testveranstaltung dienen sollte. Daher ist es für uns heute so wichtig, dass das 24h-Rennen auch in Zukunft ein Testlabor für Innovationen bleibt – denn das war die Grundidee für das Marathonrennen.

Sie planen einen groß angelegten Umbau in den Porsche-Kurven. Was steckt dahinter?

Fillon: Ich muss zuerst klar sagen, dass wir die Streckenführung in den Porsche-Kurven auf keinen Fall verändern wollen, der Streckenabschnitt gehört zu den Wahrzeichen von Le Mans. Aber wir müssen aus Sicherheitsgründen natürlich an dieser Passage arbeiten. Wir haben für dieses Jahr mit der ersten Kurve begonnen: Die Auslaufzonen am Eingang wurden deutlich vergrößert, die Leitplanken auf der Innenseite verbessert, und im nächsten Jahr werden wir die Safer-Barriers aus Amerika installieren. 2016 wollen wir dann die Auslaufzone im Bereich Maison Blanche vergrößern – also da, wo Loïc Duval im Jahr 2014 einen schweren Unfall hatte. Allerdings gibt es dort einen kleinen Fluss, der bereitet uns noch Kopfzerbrechen. Die an die Strecke grenzenden Grundstücke gehören zudem oft Privatleuten – da ist es nicht immer einfach, Lösungen zu finden.

Was passiert denn mit dem Maison Blanche, einem weiteren Wahrzeichen von Le Mans?

Fillon: Das ist genau so ein Fall, das Haus gehört einem Privatmann, aber wir können leider nicht ausfindig machen, wo er sich aufhält – auch wenn das etwas seltsam klingen mag. Man erzählt sich sogar die unglaubliche Geschichte, dass er momentan eine Haftstrafe in Australien absitzt – keine Ahnung, ob das wirklich stimmt. Wir würden die Maison Blanche ja gerne kaufen – aber ohne Verkäufer ist das wohl etwas schwierig.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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