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24h Le Mans GT-Klasse Analyse

Ford-Sieg und GT-Querelen

Ford GT - #68 - 24h Le Mans - Samstag - 18.06.2016 Foto: xpb 153 Bilder

Es kam, wie es kommen musste: Ford siegte in Le Mans mit dem neuen GT-Modell in der GTE Pro-Klasse für Werksteams, weil sie dank freundlicher Einstufung und grandiosem Sandbagging vor dem 24h-Rennen ein überlegenes Auto hatten. Der einzige verbliebene Gegner hieß Ferrari, und auch den wollte Ford eliminieren – per Protest.

21.06.2016 Marcus Schurig 3 Kommentare Powered by

Platz 1, 3 und 4 – Ford rammte in Le Mans die 4 Gegner in der GTE Pro-Klasse für Werksteams in Grund und Boden. Das war das Ziel, das war die Mission. Die einzige Steigerung des erreichten Resultats wäre ein lupenreiner Dreifachsieg für die Amis gewesen, so wie 50 Jahre zuvor schon einmal – und fast hätten sie auch das noch erreicht.

Ford und Ferrari liefern ich Privat-Duell

Doch der Reihe nach: Schon nach dem Qualifying war klar, dass das Rennen in der GTE-Pro-Klasse ein Duell zwischen 2 Marken sein würde, denn die neuen GTE-Modelle von Ford und Ferrari belegten die Plätze 1 bis 7. Der beste Nicht-Ford-Nicht-Ferrari kam auf Platz 8, mit 3,7 Sekunden Rückstand. Porsche, Aston Martin und Corvette schauten mit dem Ofenrohr ins Gebirge – und das sollte sich auch im Rennen nicht mehr ändern.

Bei Ferrari kam nur ein Auto weitgehend ungeschoren durch. Das Risi-Team mit Toni Vilander, Giancarlo Fisichella und Matteo Malucelli aus Amerika erkämpfte gegen 4 gestartete Fords Platz 2. Ford hatte mit dem Auto von Dirk Müller, Joey Hand und Sebastien Bourdais bis 6 Stunden vor Rennende alles im Griff, dann bekam man eine Durchfahrtsstrafe verpasst, weil der Motor beim Nachtanken noch lief. Die 40 sekündige Strafzeit spülte den Risi-Ferrari wieder auf Platz eins.

Doch Ford hatte die bessere Pace, wie ein Blick auf die schnellste Rennrunden ausweist: dort war Ford eine halbe Sekunde vor Ferrari, in einigen Rennphasen war es auch deutlich mehr. Ford hatte Spielraum, so schien es, und den nutzte man aus, egalisierte den Rückstand, zog an Ferrari vorbei und siegte.

Proteste nach Zieleinlauf

Doch damit war das Rennen noch nicht vorbei. Der Streit im GT-Fahrerlager eskalierte in der Le Mans-Woche immer weiter, weil besonders Ford und Ferrari viel schneller waren als der Rest des GT-Feldes. Und am Ende zerfleischten sich auch noch die beiden schnellsten Marken gegenseitig.

Weil am Ferrari die seitliche Lichtanzeige für die Platzierung in der Klasse nicht funktionierte, wurden sie bei der Rennleitung von Ford kurz vor Rennende angeschwärzt. Ferrari bekam die schwarz-orangene Flagge gezeigt, was bedeutet, dass sie den Schaden hätten reparieren müssen. Ferrari fuhr einfach weiter und ignorierte die Flagge, mit dem Argument, dass man die Reparatur so kurz vor Rennende nicht mehr hätte durchführen können.

Stattdessen protestierte das Risi-Team gegen den führenden Ford. Erstens, weil er in einer Slow Zone zu schnell gefahren sein soll, zweitens weil Ford ein Agreement bezüglich der Fahrzeug-Einstufung und Rennpace unterlaufen haben soll. Auf der Strecke siegte zwar Ford mit einer Minute vor Ferrari, auf dem Podest kassierte der Veranstalter die Trophäen aber wegen der laufenden Proteste gleich wieder ein – die Stimmung war endgültig auf dem Gefrierpunkt.

Ferrari 488 - #51 - 24h Le Mans - Sonntag - 19.06.2016Foto: xpb

Reihenfolge bleibt nach Strafen bestehen

Stunden nach dem Rennen fällten die Stewards ein salomonisches Urteil: der siegreiche Ford bekam eine Zeitstrafe von 50 Sekunden für Speeding in einer Slow Zone, obendrein noch 20 Sekunden, weil ein Radsensor Defekt war. Ferrari bekam aber ebenfalls eine Zeitstrafe von 20 Sekunden, weil man die schwarz-orangene Flagge ignorierte, dazu eine Strafe von 5.000 Euro.

Addiert man alle Strafen, siegte letztlich der siegreiche Ford mit 10 Sekunden vor dem geschlagenen Ferrari, der nun korrigiert wiederum nur 4 Sekunden vor dem drittplatzierten Ford GT von Richard Westbrook, Ryan Briscoe und Scott Dixon lag. Dass die Stewards den Aspekt, dass Ford angeblich schneller gefahren sein soll, als es die Fahrzeugeinstufung erlaubt habe, bisher gar nicht verhandelt hat, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Und die Moral von der Geschicht‘? Der GT-Sport hat sich in Le Mans vor aller Welt lächerlich gemacht. Ford hat sich mit aller Macht den Kantersieg geholt, den sie haben wollten, und dabei auch in Kauf genommen, dass das System der Fahrzeugeinstufungen implodiert.

Ford und Ferrari hatten vorteilhafte Einstufungen, weil es der Veranstalter offenbar so wollte, denn die große Story von Le Mans 2016 sollte das Revival des Duells zwischen Ford und Ferrari aus dem Jahr 1966 sein. Die anderen GT-Hersteller fuhren allesamt im Rennen deutlich schneller als im Qualifying – und trugen damit indirekt ebenfalls dazu bei, dass BOP-System in aller Öffentlichkeit zu diskreditieren. So hat letztlich niemand gewonnen – sondern alle haben verloren.

Neuester Kommentar

BoP braucht man wohl, aber aus meiner Sicht sollten in der GT Klasse wirklich seriennahe GT3 Fahrzeuge fahren, keine Prototypen (da gab es mal Regeln mit Stückzahlen) und wenn man Angst hat, dass es zuviele werden, kann man ja die Fahrzeuge pro Hersteller beschränken, aber diese Lösung mit GTE finde ich blöd

kdammenh 23. Juni 2016, 18:38 Uhr
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