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Audi mit Bluff zum Le Mans-Sieg?

Foto: Audi 12 Bilder

Beim offiziellen Testtag an der Sarthe (4.6.) deckten die Herren der Ringe nicht ihr wahres Potenzial auf. Die Diesel-befeuerten Audi ließen den Hauptkonkurrenten von Pescarolo den Vortritt, um die benzingetriebenen Gegner in Sicherheit zu wiegen.

07.06.2006 Markus Stier

Kurz vor dem Ende der sechsstündigen Test-Session machte Henri Pescarolo Ernst und ließ an seinen Courage-Judd Qualifying-Reifen montieren. Formel 1-Fahrer Franck Montagny nutzte auf immer schneller werdender Strecke die Gunst der späten Stunde und legte in 3:30,195 Minuten die Tagesbestzeit auf die Bahn. Das Schwester-Auto platzierte Emmanuel Collard in 3:32,205 Minuten auf Platz drei.

Doch die Spitzenpositionen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Gewinner des Tages nicht Pescarolo sondern Audi hieß. Über weite Teile des Testtages führten die beiden silbernen Diesel-Renner die Zeitenliste an. Am Ende platzierten sie sich auf den Rängen zwei und vier. Bester Audianer war Allan McNish in 3:32,090 Minuten.

Diesel kaum langsamer als Benziner

Der Rückstand von 1,9 Sekunden auf den schnellsten Pescarolo ist auf einer 13,5 Kilometer langen Strecke kaum der Rede wert, zudem fuhren die Audi ihre besten Zeiten nicht auf weichen Quali-Gummis sondern auf Rennreifen. So wird den zehn konkurrierenden Teilnehmern in der großen Prototypen-Klasse schon zwei Wochen vor dem 24 Stundenrennen klar, dass Audi nicht nur über die Distanz enorm stark sein dürfte, sondern auch in Punkto Tempo.

Der dreimalige Le Mans-Sieger Henri Pescarolo träumt davon, einmal mit seinem Team den 24 Stundenklassiker zu gewinnen. Um den wegen eines Haushaltsunfalls außer Gefecht gesetzten Jean-Chistoph Bouillon zu ersetzen, brachte er Christoph Bouchut zum Vortest. Weil der ihm nicht schnell genug war, eiste "Pesca" nur zwei Tage später Landsmann Nicolas Minassian aus seinem Vertrag bei einem Konkurrenzteam.

Audi: vier Boxenstopps weniger

Etwa vier Sekunden schneller müsse man pro Runde fahren, um den Verbrauchsvorteil des Dieselaudi auszugleichen, denn der hat wie die Benziner einen 90-Liter-Tank. Der Vortest zeigt aber, dass Audi kaum langsamer ist als die Pescarolo-Renner. Ledglich in der Topspeed-Wertung lag der schnellste Audi mit 324 km/h um fünf km/h unter dem Pescarolo-Bestwert.

Pescarolo hofft, dass Audi pro Tankfüllung allenfalls eine Runde mehr schafft als seine eigenen Autos, da der Verbrauchsvorteil des Diesel bei Volllast gegen null geht. In Le Mans liegt der Vollgasanteil zwischen 60 und 70 Prozent. Doch die Audianer sind sich sicher, dass sie 16 Umläufe pro Tankfüllung schaffen - mindestens zwei mehr als Pescarolo. Teamstratege Ralf Jüttner hat ausgerechnet, dass man gegenüber den Benzinern in 24 Stunden vier Boxenstopps einsparen könnte. Das entspräche einem Zeitvorteil von etwa sechs Minuten oder eineinhalb Runden.

Aus eigener Kraft kann die Pescarolo Truppe diesen Vorteil kaum wettmachen. So bleibt die Hoffnung, mit der enorm starken Fahrerbesetzung Emmanuel Collard, Erik Comas und Nicolas Minassian die Audi in Fehler oder Defekte zu hetzen. Doch Pannen sind bei der routinierten Mannschaft um Projektleiter Wolfgang Appel bisher kaum aufgetreten. Ein überhitzter Motor wegen durch Reifenabrieg verstopfter Kühler in Sebring - das war schon alles.

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