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Audi R18 E-Tron Quattro im Technik-Check

Audi nur Außenseiter in Le Mans

Audi R18 etron quattro - WEC / Le Mans 2014 Foto: xpb 31 Bilder

Wo stehen die drei LMP1-Autos von Toyota, Audi und Porsche kurz vor dem 24h-Rennen in Le Mans? Audi peilt 2014 den fünften Sieg an der Sarthe in Folge an – doch die Papierform spricht nicht unbedingt für einen Audi-Triumph. In unserem Technik-Check analysieren wir die Stärken und Schwächen des R18 E-Tron Quattro.

11.06.2014 Marcus Schurig

In der vergangenen Saison hatte die Sportabteilung aus Ingolstadt vermutlich den besten Audi-LMP1 aller Zeiten gebaut. Mega-Handling und viel Abtrieb dank angeblasenem Diffusor, überlegene Motorleistung, hohe Zuverlässigkeit. Die steile Formkurve hat in der Saison 2014 bisher keine Fortsetzung gefunden: Beim Saisonauftakt der Sportwagen-WM in Silverstone strandeten beide Fahrzeuge nach einem riskanten Reifenpoker, in Spa wurde man von Toyota phasenweise recht deutlich abgehängt. Beim Speed sind die Audi R18 E-Tron Quattro nicht der Maßstab im LMP1-Feld - doch über die Ultradistanz von 24 Stunden rechnen sich die Ingolstädter schon was aus.

Antrieb/Motor

Audi-Motorenchef Ulrich Baretzky blieb dem V6-Mototurbo-Konzept aus 2013 treu, aber der Hubraum wuchs um 300 ccm3 auf 4 Liter. Warum? Wenn die Energiemenge begrenzt ist und der Verbrauch sinken soll, muss der Motor magerer gefahren werden, also benötigt man mehr Luft. Da man bei Drehzahl und Ladedruck nur begrenzt Spielraum hatte, wählte man den Weg über mehr Hubraum. Noch mehr Luft hätte man nur über mehr Zylinder bekommen, doch diesen sogenannten Zylindersprung wollte man aus Gewichtsgründen auf jeden Fall vermeiden. Wie immer bei Audi gilt der Motor als kugelsicher bei der Zuverlässigkeit.

Hybridsysteme

Die Wahl, nur in der kleinsten Hybridklasse bis 2 Megajoule an den Start zu gehen, ist vermutlich das größte Manko im Audi-R18-Konzept, denn das Reglement incentiviert einen Start in den höheren Hybridklassen gleich zweifach, nämlich bei der Gesamtreichweite pro Stint und bei der Energiezuteilung für den Verbrennungsmotor. Pro 1 MJ entspricht der Vorteil ungefähr 0,5 Sekunden pro Runde in Le Mans.

Audi bekommt zwar wiederum eine Vergütung für die im Vergleich zu den Benzinmotoren schwerere Dieseltechnik, doch die theoretische Differenz zu Toyota und Porsche, die in der 6 MJ-Klasse starten, sollte bei 1,5 Sekunden liegen. Da das Reglement in vielen Bereichen sehr restriktiv ausfällt, ist es extrem schwer, dieses Defizit wieder auszugleichen.

Fahrzeugkonzept / Aerodynamik

Audi konnte das gute Handling trotz des Verbots des angeblasenen Diffusors in die Saison 2014 weitertragen. Beim Vortest Anfang Juni war klar zu erkennen, dass die Le-Mans-Version des R18 auch mit wenig Abtrieb gut funktioniert. Die Fahrer loben die Balance, die gute Traktion und die aerodynamische Stabilität in den schnellen Kurven und beim Bremsen. Doch der Start in der 2-MJ-Klasse bringt unleugbare Nachteile bei der Beschleunigung, bei der Top-Speed hinkte man dagegen beim Vortest nicht so weit hinterher - was für einen guten Kompromiss bei der Aero-Trimmung spricht.

Speed

Es steht außer Frage, dass Audi in Le Mans nicht das schnellste Auto stellen wird, was aber nicht bedeutet, dass die Bayern chancenlos sind. Die interne Simulation rechnet mit einem Netto-Rückstand im Bereich von acht Zehntelsekunden unter Rennbedingungen im Vergleich zu den Gegnern. Sollte das zutreffen, ergeben sich genügend Möglichkeiten, in Schlagdistanz zu bleiben. Dazu kann man Boxenstopp-Standzeiten und die Strategie optimieren.

Zuverlässigkeit

Audi hat in 15 Jahren Le Mans eine wirklich außergewöhnliche Zuverlässigkeitsquote unter Beweis gestellt, und es besteht kein Grund anzunehmen, dass dies 2014 anders ist. Während Audi früher im Ruf stand, mit Panzertechnik an den Start zu gehen, sind die LMP1-Wagen heute filigran, blitzschnell, aber sie haben bei der Zuverlässigkeit kaum eingebüßt.

Reifenverschleiß

Audi wird alles daran setzen, um Zeit beim Reifenwechseln zu sparen, den Michelin-Pneus also mehr Runden zuzumuten als die LMP1-Gegner, um so Zeit gut zu machen, die man bei der Rundenzeit womöglich verlieren wird. Triple-Stints sind unter diesen Bedingungen ein Muss, ob es mit den neuen, schmaleren Reifen für Quadruple-Stints reicht, bleibt abzuwarten.

Fazit zum Audi R18 E-Tron Quattro

Audi wird sich schwer tun, das Rennen komplett aus eigener Kraft zu gewinnen, das ist in der Theorie nahezu auszuschließen. Doch sie wollen in Schlagdistanz bleiben, um von technischen Problemen, wechselnden Witterungsbedingungen oder anderen Wechselfällen zu profitieren. Audi hat auch schon in Le Mans gewonnen, als sie der Konkurrenz beim Nettospeed um drei oder mehr Sekunden pro Runde unterlegen waren. Ergo sollte man Audi auf keinen Fall abschreiben.

In unserer Bildergalerie stellen wir Ihnen den Audi R18 E-Tron noch einmal genauer vor.

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