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Bourdais

Noch zehn Punkte zum Titel

Foto: Champcar WS

Es war nicht der Tag der Meisterschaftskandidaten. Sebastien Bourdais, Robert Doornbos und Will Power kamen beim ChampCar-Rennen von Assen, dem 12. von 14 Rennen nur auf Mittelfeldplätzen ins Ziel. Dafür hat sich Justin Wilson mit seinem ersten Saisonsieg nach einem klugen Rennen im Titelkampf zurückgemeldet.

03.09.2007 Michael Schmidt

Der Engländer, der für das RuSport-Team fährt, sparte zur richtigen Zeit Benzin, lag mit dem Timing seiner drei Tankstopps immer richtig und betätigte nicht ein einziges Mal den Boost-Knopf. Im Finale hätte Wilson sich gegen den Zweitplatzierten Jan Heylen noch 75 Sekunden lang mit Extra-Motorleistung wehren können, doch der Belgier Heylen fuhr in den letzten Runden mehr mit Blick in den Rückspiegel. Bruno Junqueira überquerte in Schlagdistanz zu Heylen die Ziellinie und holte trotz Plattfuß nach sechs Runden zum zweiten Mal innerhalb von einer Woche einen Podestplatz für das unterfinanzierte Coyne-Team.

Vorzeitiger Titelgewinn geplatzt

Nach der Absage von Zhuhei und Phoenix war der von einer Brauerei finanzierte "Grand Prix von Assen" bereits das drittletzte Rennen der ChampCar-Serie. Theoretisch hätte der dreifache Meister Sebastien Bourdais seinen vierten Titel in seinem 71. ChampCar-Start perfekt machen können. Dazu hätten sich bei einem Sieg von Bourdais seine Verfolger Robert Doornbos und Will Power nicht besser als auf Rang acht platzieren dürfen. Doch der Plan vom vorzeitigen Titelgewinn ging nicht auf. Schon beim Start verlor der Trainingsschnellste Bourdais die Führung an Wilson. Als er Wilson in der langsamsten Passage des Kurses mit Hilfe des Überholknopfes angreifen wollte, wurde versehentlich der Tempomat für die Boxengasse aktiviert und
drei weitere Fahrer rutschten vorbei.

"Ich bin bei Tempo 60 verhungert", fluchte Bourdais. Als ihm beim zweiten Tankstopp der Motor abstarb, weil er die Drehzal beim Anfahren an der unteren Grenze halten wollte, war Bourdais für einige Runden sogar Letzter. Der Franzose kämpfte sich aber noch bis auf Platz sieben zurück. Weil Lokalheld Doornbos und Power nur auf den Plätzen 13 und 14 landeten, konnte Bourdais seine Meisterschaftsführung ausbauen, aber eben nicht genug. Sein härtester Verfolger ist jetzt Assen-Sieger Wilson mit 58 Zählern Rückstand. Damit fehlen Bourdais noch zehn Punkte zu seiner vierten Meisterschaftskrone.

48.000 Zuschauer in Assen

Der Europa-Trip des ChampCar-Zirkus sollte die Serie einem breiteren Publikum bekanntmachen. "Wir nennen uns Weltserie, also können wir nicht nur in den USA und Kanada fahren", erklärte ChampCar-Chef Kevin Kalkhoven. Nach der Pleite von Zolder mit nur 15.000 Zuschauern wurde der Lauf in Assen zu einem vollen Erfolg. 48.000 Zuschauer erinnerten an das Motorradrennen, das den Kurs berühmt gemacht hat. Es war das erste ChampCar-Rennen auf holländischem Boden.

Die Holländer wollten Landsmann Robert Doornbos siegen sehen, doch der Minardi-Pilot kam nie recht in Schwung. Schon im Training landete der Meisterschaftszweite nur auf Platz neun. "Wir hatten ein gutes Renn-Setup, aber konnten keine Trainingsabstimmung finden." Im Rennen pokerte das Minardi-Team mit einem frühen dritten Tankstopp und verlor. "Wir hätten eine Gelbphase gebraucht", ärgerte sich Teamchef Paul Stoddart. "So mussten wir Doornbos kurz vor Schluss noch zu einem kurzen Tankstopp an die Boxen holen und die Partie war verloren."

Justin Wilson stand trotz eines schwachen Samstagstrainings auf trockener Piste auf dem zweiten Startplatz, aber nur weil er im verregneten Freitagstraining Bestzeit gefahren war. Die ChampCar-Regeln reservieren ihm damit automatisch einen Platz in der ersten Reihe. "Am Samstag", bedauerte der baumlange Engländer, "war mein Auto wie verwandelt. Ich hatte Probleme mit den Hinterreifen. Bei einem ist sogar die Lauffläche delaminiert." Im Warm-up entdeckten die Mechaniker ein Ölleck im Getriebe. Erst im Rennen stimmte wieder alles im RuSport-Team. Fast alles: "Wir waren im sechsten Gang zu kurz übersetzt. Deshalb hatte ich Mühe, mich gegen meine Verfolger im schnellen Streckenteil zu wehren."

Der Motorradkurs von Assen erntete bei den Piloten viel Lob. "Ein technisch anspruchsvoller Kurs", meinte Bourdais. "Es gibt kaum Geraden, dafür viele flüssige und schnelle Kurven und nur einen echten Bremspunkt. Der Wind hat einen großen Einfluss auf die Rundenzeit. Wie in Elkhart Lake brauchst du ein perfekt ausbalanciertes Auto, um schnell zu sein." Neel Jani sagte sogar: "Von der Infrastruktur und der Sicherheit her ist das die Strecke im ChampCar-Kalender, die dem Formel 1-Standard am nächsten kommt."

Glück im Unglück

Der Schweizer hatte Glück im Unglück. Der vor ihm fahrende Wison wirbelte eine Eisenbefestigung eines Pollers in die Luft. "Ich sah das Ding kommen und duckte mich. Es schlug zum Glück unten ins Monocoque ein und steckte bis zum Schluss im Cockpit. Danach hatte ich nur noch Untersteuern, und beim Bremsen setzte das Auto ständig auf." Einziger Kritikpunkt an der 4,555 Kilometer langen Strecke war die schmale Fahrbahn, die Überholmanöver zu einem Kraftakt machte. "Es gibt eigentlich nur eine Stelle, wo du es versuchen kannst, und das ist am Ende der Zielgeraden", rapportierte Bourdais. Deshalb erlaubten die Kommissare das Aktivieren des Überholknopfes im Rennen für 75 statt der üblichen 60 Sekunden.

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