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Dakar 2010 Blog

Ein Bayer und ein Russe in der Wüste

Dakar 2010 Foto: Joachim Dave Schahl 205 Bilder

Die Rallye Dakar ist wieder unterwegs in Südamerika - und auto motor und sport ist live dabei. Alles was auf und neben der Strecke passiert, erfahren sie im täglichen Dakar-Blog von Claus Mühlberger. Heute: Ein Bayer und ein Russe in der Wüste.

17.01.2010 Claus Mühlberger

Andreas "Andi" Schulz ist ein Mann wie ein Felsbrocken. Mit seiner gemütlichen Art und seiner kräftigen Statur - samt kleinem Brathend’l-Friedhof in der Leibesmitte - wirkt der Bayer auf den ersten Blick nicht gerade so, wie man sich einen der weitweit besten Beifahrer vorstellt.

Doch der Schein trügt, und zwar gewaltig: Der gelernte Mechaniker Schulz, der schon in Walter Röhrls Zeit bei Opel in den achtziger Jahren an den Gruppe 4-Rallye-Ascona schraubte, hat bereits zwei Dakar-Siegerpokale daheim in der Vitrine stehen: 2001 gewann er als Copilot von Jutta Kleinschmidt, und 2003 siegte er zusammen mit dem Japaner Hiroshi Masuoka. Und er ist immer noch fit, obwohl er bald seinen 56. Geburtstag feiert.

Als Carlos Sainz vor fünf Jahren zu VW kam, wurde ihm Schulz zur Seite gestellt, als Aufpasser, Ausbilder, Seelentröster. Und, wenn nach dem Spanier gegangen wäre, wohl auch als Kofferträger und persönlicher Butler. "Du musst zehn Kilo abnehmen", verlangte Sainz als Erstes von seinem neuen Co. Schulz hielt tapfer Diät, verzichtete sogar auf das geliebte Weissbier und speckte tatsächlich das eine oder andere Pfund ab. Dennoch hielt die Liasion mit dem extrem ehrgeizigen Spanier, dem gewisse zwischenmenschliche Defizite im Umgang mit seinem Copiloten nachgesagt werden, nicht lange.

Im Sommer letzten Jahres klingelte bei Schulz das Telefon. Sven Quandt, der Teamchef von X-Raid-BMW, suchte einen neuen Beifahrer für seinen russischen Fahrer Leonid Novitskij. Einziges Problem: Der betuchte Edelamateur aus Moskau, der seine Rallyeautos seit Jahren im hessischen Trebur kauft, spricht keine Fremdsprachen. Dies hieß für Schulz: russisch lernen, und zwar schnell.

"Ich hab mir damit gar nicht allzu schwer getan", erzählt Schulz. "Die Verständigung klappt jetzt schon ganz gut." Als Gedächtnisstütze bastelte kleine Plastikkarten im DIN A 5-Format mit den wichtigsten Redewendungen für die Ansagen aus dem Bordbuch. In Lautschrift steht da zum Beispiel zu lesen: "PIRIKRÖSTAK NAPRAWA = KREUZUNG RECHTS".

Was das Sportliche angeht, ist Schulz sehr zufrieden mit seinem neuen Partner im Cockpit. "Leonid weiß was er tut. Und bei Dünenfahren hab’ ich ihm noch ein bisschen etwas beibringen können." Ausserhalb des Cockpits ist das Leben mit dem Russen, der im Zivilleben als Geschäftsführer von Russlands größter Leasingfirma für Agrarmachinen arbeitet, höchst komfortabel. "Wir wohnen immer nur in den allerbesten Hotels und geflogen wird in der Regel mit dem Privatjet", schwärmt Schulz.

Ernste technische Probleme gab es keine mit dem 330 PS starken BMW X3 Turbodiesel. Der Erwähnung wert ist höchstens der Zwischenfall mit einem Feuerlöscher, der plötzlich auslöste. Novitskij erschrak und wollte anhalten. Schulz aber schrie "Go, go, go!" in die Gegensprechanlage. Das verstand Novitskij auch auf englisch. Im Ziel grinste der Bayer: "Ich wusste ja, dass der Zauber nach zwei Minuten ganz von alleine aufhört."

Novitskij/Schulz kamen als Elfte ins Ziel in Buenos Aires. Eine sehr ehrenwerte Platzierung für den Edelamateur aus Moskau und seinen deutschen Co.

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