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Dakar 2014 Blog Tag 2

Freud und Leid für die Chinesen

Dakar Blog Claus Mühlberger 2014, Tag 2 Foto: Claus Mühlberger 14 Bilder

auto motor und sport-Reporter Claus Mühlberger berichtet von der Dakar 2014. Teil 2: Am ersten Tag war dem Chinesen-Team von Great Wall ein großer Überraschungs-Coup gelungen, doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße.

08.01.2014 Claus Mühlberger

Zuerst hui, dann pfui. Der Portugiese Carlos Sousa fuhr im Haval H8 am ersten Tag der Dakar 2014 die Tagesbestzeit. Es war der erste Etappensieg für einen chinesischen Hersteller. Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße

Great Wall. Oder: Haval. Schon mal gehört? Nein? Kein Wunder, denn in Europa ist der chinesische Hersteller nicht wirklich präsent. Aber in den Schwellenländern Südamerikas fassen die Fernost-Vehikel immer besser Fuß. Da kommt den Chinesen eine Veranstaltung wie die in Argentinien und Chile ungemein populäre Dakar-Rallye wie gerufen. Es gibt wohl kaum eine  bessere Option, um die Marke Great Wall bekannt zu machen.

Great Wall mit fremden Federn

Den cleveren Chinesen war klar: Auf dem Weg zum Erfolg gibt es eine Abkürzung. Und so reisten sie nach Trebur, zum X-Raid-Team. Firmenchef  Sven Quandt verkaufte der Great Wall-Delegation ausrangierte  X3-Prototypen mit Dreiliter-Turbodiesel. Die Chinesen stülpten kurzerhand eine Plastik-Karosserie im Stile eines Great Wall-SUV namens Haval H8 über den Rohrrahmen des wohl erprobten und zuverlässigen X-Raid-Prototypen.

Unter ethischen Gesichtspunkten mag ein derartiger Technologie-Transfer grenzwertig sein, aus Sicht der Chinesen war diese Skrupellosigkeit aber goldrichtig. Denn der Erfolg kam postwendend: In den Jahren 2012 und 2012 kam Carlos Sousa jeweils als Sechster ins Ziel. Great Wall feierte dies in Chile beispielsweise mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen.
Sich so unverfroren mit fremden Federn zu schmücken, wäre wohl für jeden europäischen Hersteller, der einen Rest an Selbstachtung hat, absolut undenkbar. Die entsprechenden Vorstände würden wohl vor Scham im Boden versinken.

Für den chinesischen Billig-Produzenten, der im vorletzten  Jahr immerhin 600.000 Autos herstellte, ist das aber anscheinend absolut akzeptabel. Verwunderlich ist dies nicht: Denn mit merkwürdigen Geschäftsmethoden ist Great Wall auch anderweitig aufgefallen: Fiat zog wegen Produktpiraterie gegen die Chinesen vor Gericht. Nach Meinung der Turiner Firma ist der Kleinwagen Jing Ling eine dreiste Raubkopie des Fiat Panda.

Bei der Leistungssuche überreizt

Am ersten Dakar-Tag glückte den Chinesen ein sensationeller Erfolg. Carlos Sousa fuhr die Bestzeit - unter anderem bezwang er elf Mini des X-Raid-Teams. "Ich habe aber gelitten wie ein Hund", stöhnte der Portugiese im Ziel. "Der Auspuffkrümmer ist gebrochen, und ich hatte die Abgase im Auto. Und blöderweise haben die Belüftungsklappen fürs Cockpit geklemmt. Wahrscheinlich war ich nur deswegen Schnellster, weil ich schnellstmöglich raus wollte aus diesem Inferno."

Die Freude über ersten Etappensieg eines chinesischen Herstellers bei der Dakar währte aber nicht lange: Denn am nächsten Tag war nach 30 Kilometern erstmal Schluss mit der Great Wall-Herrlichkeit. Einer der beiden Turbolader des BMW-Sechszylinders ging kaputt. Sousa musste stoppen und auf den Racetruck warten. Dann ging es 370 Kilometer über die Prüfung - am Abschleppseil.

X-Raid-Chef Sven Quandt  wusste sofort, was los war. "Die Great Wall-Leute haben an Motor-Elektronik rumgefummelt. Der Motor hört sich ja schon im Leerlauf ganz anders an als unser Diesel." Womöglich schoss der französische Rennspezialist ORECA, der seit diesem Jahr für die Vorbereitung der BMW-Great Wall-Motoren zuständig ist, über das Ziel hinaus. Das Plus an Leistung wurde anscheinend erkauft mit mangelhafter Zuverlässigkeit.

Philippe Gache, der Patron des Great Wall-Einsatzteams namens SMG, murmelte etwas von "700 Grad Abgastemperatur" und er wies darauf hin, dass es in Argentinien extrem heiß war. "Naja", sagte der Franzose dann, "beim zweiten Great Wall von Christian Lavieille sind wir mit einem konservativeren Motor-Mapping gefahren." Nach drei Tagen rangiert der Franzose mit seinem BMW-Great Wall auf Platz sieben in der Gesamtwertung. Noch ist Vieles möglich - auch für Great Wall, selbst nach dem vorzeitigen Aus für den Nummer 1-Fahrer Sousa.

Aktuelle Bilder von der Dakar finden Sie in unserer Fotogalerie.

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