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Dakar 2014 Blog Tag 3

Sainz setzt die Mini-Armada unter Druck

Rallye Dakar 2014 Foto: dppi 13 Bilder

auto motor und sport-Reporter Claus Mühlberger berichtet von der Dakar 2014. Teil 3: David gegen Goliath: Mit ihrem Buggy heizen Carlos Sainz und sein deutscher Beifahrer Timo Gottschalk der Mini-Armada ordentlich ein. Am vierten Tag der Rallye erkämpfte sich der spanische Veteran in Führung. Doch so richtig zufrieden war er nicht.

09.01.2014 Claus Mühlberger

Im Glutofen-Biwak von Chilecito machte der große Gewinner des Tages eine Miene wie zehn Tage Regenwetter - bei strahlendem Sonnenschein und 38,5 Grad im nur spärlich vorhandenen Schatten. Umringt von den Technikern des SMG-Teams stand Sainz vor dem gestrippten Buggy.

Der neue Spitzenreiter machte ein vorwurfsvolles Gesicht, deutete auf die Front, redete leise auf die Techniker seines französischen SMG-Teams ein und fasste mit spitzen Fingern ein paar Teile an. Die Fernseh-Meute stand in respektvoller Entfernung daneben und wartete geduldig, bis Sainz mit seinem Technik-Briefing fertig war.

Gratulanten, die ihm begeistert die Hand schüttelten, schenkte der "Matador" immerhin ein huldvolles Lächeln. Mehr Emotionen gestattet sich der ehemalige Rallye-Weltmeister nicht. Der 50-Jährige weiß natürlich, dass eine Rallye erst dann zu Ende ist, wenn man auf der Zielrampe steht. Und bis dahin ist es noch weit, sehr weit. Neun Tage mit mehr als 4.000 Wertungsprüfungs-Kilometern liegen noch vor den Dakar-Fahrern. "Da kann noch viel passieren", sagt Sainz vorsichtig.

Doch das, was bislang geschah, ist bemerkenswert genug. Nach den ersten vier Tagen mit rund 1.500 Kilometern Wertungsprüfung liegt Sainz auf Platz eins der Gesamtwertung, vor der Mini-Meute mit Nani Roma, Nasser Al-Attiyah, Orlando Terranova und "Monsieur Dakar", Stéphane Peterhansel.

Alle Dakar-Experten hatten fest damit gerechnet, dass die eher engen Strecken der ersten Tage den allradgetriebenen Mini zupass kommen würden. "Hier in Argentinien fährt man ja meistens auf Feldwegen und nicht im offenen  Gelände so wie in Chile. Solche Pisten liegen unserem Mini eigentlich mehr als den heckgetriebenen Buggy", sagt Dakar-Rekord-Sieger Stéphane Peterhansel.

Am vierten Tag traute Peterhansel seinen Ohren kaum, als in seinem Mini plötzlich das Sentinel trötete. Dieses System zeigt automatisch an, wenn von hinten ein schnellerer Konkurrent aufschließt. Wenn das Sentinel Laut gibt, ist der Vorausfahrende verpflichtet, Platz zu machen. Sonst setzt es Strafen.

Peterhansel ging brav etwas zur Seite - und aus der Staubschleppe hinter seinem Monster-Mini tauchte der Red Bull-Buggy von Sainz auf. Und verschwand bald am Horizont. "Ich hatte keine Chance, an Carlos dran zu bleiben", staunte Peterhansel. "Wenn die Strecke so wie dort durch Flussbetten mit vielen großen Steinen führt, ist Buggy dem Mini überlegen. Nur auf einen kurvenreichen Strecken kann ich das bessere Handling  des Mini ausspielen."

Buggy gegen Mini - das ist der Kampf der Konzepte. Der SMG-Buggy von Sainz bringt nur 1.340 Kilo auf die Waage. Die allradgetriebenen Mini müssen laut Reglement 1.900 Kilo wiegen, also rund eine halbe Tonne mehr. Auch motorseitig hat der Buggy die Vorteile auf seiner Seite: Im Heck des Sainz-Vehikels arbeitet ein Siebenliter-V8 aus der Corvette. Trotz Air-Restrictor liegt die Leistung deutlich jenseits der 400 PS-Marke. Die Dreiliter-BMW-Diesel der Mini kommen dagegen nur auf 320 PS.

Dakar-Reglement bevorteilt Buggys

Aus Sicht von Mini ist dies eine himmelschreiende Ungerechtigkeit: "Vor zwei Jahren hat der Veranstalter das Reglement geändert", klagt Sven Quandt. "Plötzlich wurde den Buggys ein wesentlich größeren Restriktor zugestanden. 39 Millimeter statt 37,2 Millimeter. Das sind 100 Zusatz-PS. Das macht die Buggy überlegen. Wir können höchstens über die Zuverlässigkeit gewinnen."

Auch bei den Federwegen hat der Buggy die Trümpfe in der Hand: "Wir haben 45 Zentimeter Federweg", sagt SMG-Chef Philippe Gache. Die Allradler hingegen sind hier seit Jahren auf 25 Zentimeter limitiert.

Der Buggy hat allerdings auch zwei Schwachpunkte: Erstens die Traktion. Zweitens die Zuverlässigkeit. Während die Mini mit ihrer kugelsicheren Technik seit Jahren praktisch nie Mucken machen, zeigten die SMG-Renner in der Vergangenheit oft technische Gebrechen. Doch SMG hat sich, auch dank Red Bull-Budget, so gut vorbereitet wie noch nie. "Wir haben zwei Wochen lang in Marokko getestet", sagt Sainz. Bislang gab es an seinem Buggy erst ein Problem: "Die Servolenkung ist ausgefallen. Zum Glück hatten wir nur noch zehn Kilometer ins Ziel."

In Chilecito windet SMG-Chef Gache seinem spanischen Starfahrer ein Kränzchen: "Dass wir jetzt in Führung liegen, ist nicht dem Auto zuzuschreiben sondern das haben wir einzig und allein der fahrerischen Extraklasse von Carlos zu verdanken. Auch Sven Quandt hat eine Menge Respekt vor der Professionalität von Sainz, dem Einzigen, der dem Mini-Team noch in die Suppe spucken kann. "Schau Dir Carlos doch mal genau an. Der hat jede Menge Fitnesstraining gemacht. Weil er genau wusste, dass er sonst die Strapazen nicht aushalten würde."

In unserer Bildergalerie haben wir die neuesten Impressionen von der Dakar gesammelt.

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