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Dakar 2015 Blog 4

Rallye-Clown Gordon kämpft auf verlorenem Posten

01/2015, Dakar 2015 Robby Gordon Foto: Robby Gordon 18 Bilder

auto motor und sport berichtet live von der Rallye Dakar. Mit Geschichten über die großen Favoriten, aber auch mit Stories über die tapferen Außenseiter, die mit kleinem Budget Großes leisten. Heute geht es um den Amerikaner Robby Gordon, der mit seinem Buggy auch bei seiner elften Teilnahme wieder den Sieg verpassen wird.

09.01.2015 Claus Mühlberger

Robby Gordon und die Rallye Dakar - das ist eine ziemlich einseitige Liebe. Zum elften Mal tritt der Amerikaner 2015 bei der Dakar an, und auch diesmal wird es zu 99,9 Prozent nicht für den Sieg reichen. Schon am dritten Tag musste er alle Hoffnungen auf ein Top-Resultat begraben, weil er mit seinem heckgetriebenen Eigenbau-Buggy namens "Gordini“ dreieinhalb Stunden in einem Sandloch feststeckte, aus dem es ohne fremde Hilfe kein Entrinnen gab.

"Ich musste hart bremsen, weil ich im dichten Staub erst im letzten Moment einen gestürzten Motorradfahrer sah“, berichtete er. "In der Hektik habe ich nicht schnell genug zurückgeschaltet, und schon sind wir festgesessen." Gordon und Beifahrer Johnny Campbell machten den Bergegurt am vorderen Abschlepphaken fest – aber keiner der anderen Fahrer dachte auch nur im Traum daran, dem Buggy-Fahrer aus der Patsche zu helfen. Der Amerikaner konnte dies kaum fassen: "Ich winke mit dem Seilende - und keiner hält an. Kein einziger! Das wäre doch nur eine Sache von einer Minute gewesen."

Gordon hatte viel vor

Viele im Biwak wunderten sich nicht über die mangelnde Hilfsbereitschaft. Denn Gordon ist bei den Fans weitaus beliebter als bei seinen Konkurrenten. Viele im Biwak halten ihn für einen unverbesserlichen Egoisten, der zudem die Regeln manchmal bis zur Schmerzgrenze dehnt. "Seine Website heißt Planet Robby", murmelt ein Teamchef. "Das sagt doch Alles."

Beim Start in Buenos Aires war Gordon so optimistisch wie selten zuvor. "Wenn ich in den letzten zehn Jahren nicht genug gelernt habe über die Dakar, sollte ich besser mit dem Motorsport aufhören." Gordon glühte vor Begeisterung, als er die Vorzüge seines heckgetriebenen Eigenbau-Buggy aufzählte. "Der 2015er Gordini ist rund 30 Zentimeter niedriger als der Peugeot-Buggy. Das ergibt einen viel besseren Schwerpunkt. Zum ersten Mal haben wir eine gut funktionierende Klimaanlage. Die Toyo-Reifen mit 37 Zoll Durchmesser sind unverwüstlich. Und der V8-Saugmotor ist eh kein Thema, seit wir die Probleme mit den Dampfblasen in der Benzinzufuhr vom letzten Jahr gelöst haben." Der Gordini verfügt über 18 Zoll Federweg, "zehn Zoll nach oben beim Einfedern, acht beim Ausfedern.“ Dies entspricht rund 45 Zentimeter Gesamtfederweg. Die Allradler müssen mit 25 Zentimetern auskommen.

Zange muss Lenkrad ersetzen

In der Szene gilt Gordon, der auch erfolgreich schon IndyCars und NASCAR-Autos fuhr, als sehr ehrgeiziger und zielgerichtet arbeitender Organisator und Fahrer, aber auch als Clown. Bestes Beispiel: Vor ein paar Jahren kraxelten er und sein damaliger Navigator Andy Grider auf der Stadtautobahn von Buenos Aires aufs Dach seines Hummer-Prototypen, lenkte mit dem linken Fuß und winkte bei Tempo 60 frohgemut in die Menge. Zu Gordons Standard-Programm beim Start der Dakar-Rallye gehört ein zünftiger Sprung über die Startrampe. Wegen solcher Eskapaden lieben ihn die Fans und die Fernseh-Redakteure.

Aber auch dann, wenn kein großes Publikum zuschaut, ist Gordon oft zu Späßen aufgelegt. 2009 forderte er den Russen Leonid Novitskij zu einem Duell auf: Wer kommt höher hinauf auf einem immer steiler werden Berg. Das völlig sinnlose (aber lustige) Duell USA gegen Russland, heckgetriebener Buggy gegen Allrad-Mini, endete mit einem Unentschieden. Hätte Gordon einen Teamchef - er würde sich die Haare raufen. Aber weil Gordon in Personalunion Teamchef, Technik-Capo und Chefpilot ist, kann er machen was er will, und wenn es noch so kindisch ist.

Den Vogel schoss Gordon in diesem Jahr ab. Als er seinen Gordini im Parc Fermé von Buenos Aires abholte um zu der zehn Kilometer entfernten Startrampe zu fahren, stellte er fest: "Oha, ich hab das Lenkrad im Hotel vergessen." Zurück zum Hotel? Unmöglich, dafür war der Zeitplan zu eng. Doch Gordon wusste Rat: Er kramte eine so genannte Gripzange aus dem Bordwerkzeug, klemmte sie an die Lenksäule und brauste zum Start. Auf den obligatorischen Sprung über die Rampe zu verzichten, kam ihm nicht in den Sinn: "Warum denn“, sagte er ungerührt. "Das bisschen Lenken geht doch mit einer Zange statt mit einem Lenkrad."

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