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Dakar Blog 2

Licht und Schatten bei Peugeot

Sainz - Dakar 2015 Foto: Red Bull 51 Bilder

auto motor und sport berichtet zwei Wochen lang live von der Rallye Dakar aus Südamerika. Heute geht es um den ereignisreichen Start von Neuling Peugeot in das Wüstenabenteuer. Pilot Carlos Sainz schimpft wie ein Rohrspatz - aber Peugeot Sportchef Bruno Famin zeigte sich mit den Leistungen seines Teams und dem neuen 2008 DKR sehr zufrieden.

06.01.2015 Claus Mühlberger Powered by

Carlos Sainz hatte schlechte Laune. Als er am Abend des ersten Tags mit seinem Peugeot 2008 DKR ins Camp am See der Urlauber-Stadt Carlos Paz kam, brummte er nur: "Ich bin mehr oder weniger zufrieden." Dabei macht er ein Gesicht, als wolle er vor allem das "weniger" betonen. Und zwar sehr entschieden.

Peugeot 2008 DKR mit Luft nach oben

Dabei gab es vordergründig eigentlich gar nichts zu meckern. Er war Achter. Zwei Minuten nur fehlten dem ehrgeizigen Spanier auf den Tagesschnellsten - ein Klacks bei der Dakar-Rallye mit einer Gesamtfahrzeit von 70 oder 80 Stunden. Doch Sainz kam jetzt richtig in Schwung und redete sich in Rage.

"Wir müssen uns verbessern", forderte er im Gespräch mit "auto motor und sport". Und wo genau? "Überall", sagte er, "beim Motor, bei der Aufhängung und beim Getriebe." Sainz moserte weiter: "Mir fehlt das rechte Vertrauen in Auto." In Kurven neige sich der 2008 DKR allzu sehr zur Seite. Klar dass die Fahrer dann Angst vor einer Rolle haben. Ein Missgeschick, das Sainz bei Testfahrten angeblich sogar zweimal widerfuhr.

Doch Carlos Sainz wäre nicht Carlos Sainz, würde er nicht allen Widrigkeiten trotzen und aus jedem Auto das Maximale herauspressen. Auch am zweiten Tag zeigte er eine starke Leistung und kam als Achter ins Ziel. Dies, obwohl er mit vielen Problemen zu kämpfen hatte, die allerdings weniger mit dem Auto zu tun hatten als vielmehr mit den Umständen.

Denn erstens war dieser Montag extrem heiß - mit Temperaturen weit jenseits der 40 Grad-Marke. Zweitens hatte der Veranstalter in die 518 Sonderprüfungs-Kilometern alle Schwierigkeiten gepackt, die das Gelände südlich der Provinzhauptstadt San Luis zu bieten hat: Extrem harten Schotter, lange Sand-Passagen mit schlechter Sicht und am Schluss noch einen rund 30 Kilometer langen Abschnitt mit langen Wellen, der bei vielen Teilnehmer für erhebliches Unwohlsein samt Besichtigen des Frühstücks sorgte.

Peugeot-Piloten noch nicht an der Spitze

Sainz wurde Siebter, und wie hart er fuhr, das zeigt der kleine Unfallschaden an der Front des 2008 DKR, der aus einem Feindkontakt mit dem Mini des Holländers Erik van Loon herrührte. Nicht so gut meinte es Schicksal mit seinem Teammate Stéphane Peterhansel. Der elfmalige Dakar-Sieger traf mit dem Vorderrad des 2008 im weichen Sand einen schlecht zu erkennenden Baumstumpf. Die Spurstange verbog sich, Peterhansel und sein Beifahrer Jean-Paul Cottret, ein gelernter Mechaniker, mussten das schadhafte Teil in der Wüste auswechseln.

Wie Arbeiten dieser Art erledigt werden, beschrieb Peterhansel so: "Ich reiche Jean-Paul nur das Werkzeug. So kann ich nichts kaputt machen." Pech für die beiden Franzosen, dass der Peugeot nach getaner Arbeit nicht mehr anspringen wollte, der Anlasser war kaputt. Sie mussten warten, bis sich ein Konkurrent erbarmte und den 2008 anschleppte. So läpperte sich ein Rückstand von mehr als einer Stunde für den Vorjahres-Zweiten - damals noch im Mini - zusammen: Platz 22 im Zwischenklassement.

Während die Starfahrer von Peugeot ihre (seelischen) Wunden leckten, zog Peugeot Sportchef Bruno Famin ein positives Zwischenfazit. "Alle drei Autos im Ziel, das ist sehr gut." Diese war nicht unbedingt zu erwarten. "Bei den Tests hatten wir ja enorme Probleme mit den Antriebswellen", sagte Famin und fügte lachend hinzu: "Diese Probleme haben wir im Dezember einfach weggezaubert." Von einer Reduzierung des Federwegs von fast einem halben Meter auf 35 Zentimeter, wie spekuliert wurde, könne aber keine Rede sein.

Hilfsbereitschaft bei der Dakar nimmt ab

Der zweite Tag der Dakar 2015 zeigte, dass die Sitten immer härter werden und Bereitschaft, anderen aus der Patsche zu helfen, immer mehr abnimmt. Die Abenteurer-Romantik der frühen Dakar-Tage in den achtziger Jahren ist perdu. Diese Rallye ist ein knallhartes Geschäft geworden - mit Egoisten hinter dem Lenkrad.

So musste Peterhansel eine halbe Stunde warten, bis ihn endlich ein gutmütiger Konkurrent ans Abschleppseil nahm - eine Sache von einer Minute. Noch übler erwischte es Robby Gordon. Der Amerikaner büßte dreieinhalb Stunden ein. "Ich musste im weichen Sand wegen eines gestürzten Motorradfahrers bremsen, hatte den falschen Gang drin und blieb stecken. Mehr als drei Stunden ist einer nach dem anderen an mir vorbei gefahren ohne mir zu helfen", klagte er.

Der Verfall der Sitten und der freundlichen Manieren ist aber auch bei Peugeot zu beobachten. Vor dem Camp der Franzosen im großen Biwak schiebt stets ein übel gelaunter Wachmann im Red Bull-T-Shirt Dienst, der allen Besuchern umgehend die Tür weist. Wenn es sein muss, tut er dies mit jenem Charme, den man gemeinhin ehemaligen Fremdenlegionären nachsagt. Das ist im Camp der Dakar absolut unüblich. Aber es zeigt, wie angespannt das Nervenkostüm der Franzosen ist. Da geht es beim riesigen X-Raid-Team von Sven Quandt deutlich entspannter zu.

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