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Dakar Blog: Tag 3

Matthias Kahle - in der Ruhe liegt die Kraft

DPPI Foto: Kahle Motorsport 119 Bilder

Auch auto motor und sport ist bei der Rallye Dakar 2011 live dabei. Reporter Claus Mühlberger versorgt Sie in seinem Blog täglich mit den heißesten Geschichten aus dem Biwak. Tag 3: Matthias Kahle fährt wie in Trance.

04.01.2011 Claus Mühlberger

Die Autofahrer-Nation Deutschland ist bei der Dakar-Rallye nicht besonders zahlreich repräsentiert. Zumindest was die Anzahl der Fahrer angeht: In der Autoklasse halten nur zwei Mann die schwarz-rot-goldene Flagge hoch: Neben dem Werkzeug-Fabrikanten Stephan Schott ("KS-Tools") der, geleitet von Co Holm Schmidt, einen BMW X3-Prototyp des X-Raid-Teams fährt, ist nur noch der siebenmalige Deutsche Rallyemeister Matthias Kahle und sein Beifahrer Thomas Schünemann wieder in Südamerika am Start - in einem SMG-Buggy mit BMW-Motor.

Der aus Görlitz an der polnischen Grenze stammende Rallyeprofi und der Hamburger Software-Unternehmer können sich über einen gelungenen Auftakt freuen. Nach zwei Rallyetagen mit insgesamt rund 550 Sonderprüfungs-Kilometern liegt das Duo auf Platz zwölf im Gesamtklassement, mit nur 44 Minuten Rückstand auf Spitzenreiter Carlos Sainz im VW Touareg. Die Buggy-Wertung führen Kahle/Schünemann mit komfortablem Vorsprung von mehr als einer Viertelstunde auf den Zweitplatzierten an.

Bremsprobleme am Kahle-Buggy

Dabei lief Kahles SMG-Buggy nicht gerade tadellos: "Wir sind zwei Tage lang praktisch ohne Bremse vorne rechts gefahren", berichtete Copilot Schünemann. "Da hat sich wohl der Bremskolben verklemmt." Kahle brummte nur im Cockpit: "Ja, da stimmt wohl was nicht", fuhr ungerührt weiter, und meinte dann: "Wenn das Auto beim Bremsen quer stand muss das ja ausgeschaut haben wie in einem alten Witzfilm, wenn Jerry Lewis Auto fährt."

Lästig war bisweilen auch das Wetter: Die ersten beiden Renntage wurden immer wieder mit heftigem Platzregen gewürzt. Die Karosserie des SMG ist dafür nur bedingt ausgelegt: Immer wieder drang ein Schwall Wasser ins Cockpit ein. "Teilweise hat mich der Innenraum an eine Tropfsteinhöhle erinnert", meinte Schünemann.

Matthias Kahle macht den Zen-Mönch

Ehrensache, dass sich Kahle auch davon nicht aus er Ruhe bringen ließ. "Matthias macht den Zen-Mönch", beobachtete Schünemann. "Beim Fahren kommt er in eine Art Trance-Zustand. Er macht nie wilde Bewegungen am Lenkrad und er weiß immer schon lange vorher, was das Auto gleich machen wird."

Taktisch betrachtet ist die Bierruhe, die Matthias Kahle besitzt, absolut wertvoll. Speziell auf den ersten Prüfungen der Dakar ist das eine große Tugend, das Gaspedal nicht allzu wuchtig durchzutreten. Denn jeder Dakar-Kenner weiß: Auf den winkligen Prüfungen in der Pampa und im Mittelgebirge kann man die Rallye sicherlich nicht gewinnen - aber man kann sie verlieren.

Hecktriebler-Buggy ohne Chance gegen Allrad-Prototypen

In der Buggywertung liegen Kahle/Schünemann also bestens auf Kurs, im Kampf um den Gesamtsieg können sie jedoch nicht ernsthaft mitreden, obwohl von der Papierform her vieles für Buggys spricht. Der SMG-Renner ist sehr leicht: Mit etwas mehr als 1.300 Kilo bringt er rund eine halbe Tonne weniger auf die Waage als die Prototypen von BMW und VW.

Auch motorseitig muss Kahle nicht darben. Im Heck des Buggys wütet ein BMW-Biturbo-Diesel mit rund 300 PS und 700 Nm, viel mehr haben auch die X3 und Chicherits Mini nicht zu bieten. Ein weiterer Pluspunkt für den Buggy ist das Fahrwerk: Sage und schreibe 50 Zentimeter Federweg bietet es - exakt doppelt so viel, wie bei Vierradgeriebenen erlaubt ist.

Pampa-Pisten zu kurvig und zu hügelig

Doch alle diese Vorzüge werden durch einen Mangel an Traktion wieder obsolet. "Beim Buggy drehen die Hinterräder dauernd durch", sagt BMW-Feldherr Sven Quandt. "So haben sie keine Chance gegen die BMW und VW."

Die Zeiten, als man mit einem Buggy die Dakar gewinnen konnte, so wie es Jean-Louis Schlesser in den Jahren 1999 und 2000 gelang, sind unwiderruflich vorbei. Vor allem deswegen, weil sich der Charakter der Prüfungen stark änderte. Zu Schlessers Glanzzeiten wurde in Afrika gefahren, und dort waren die Wüstenpisten mit ihren elend langen Geraden dem Franzosen und seinem Eigenbau-Vehikel oft förmlich auf den Leib geschneidert.

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