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Dakar Blog: Tag 10

"Will Carlos in der Wüste tauchen gehen?"

Carlos Sainz & Nasser Al-Attiyah Foto: VW 119 Bilder

Auch auto motor und sport ist bei der Rallye Dakar 2011 live dabei. Reporter Claus Mühlberger versorgt Sie in seinem Blog täglich mit den heißesten Geschichten aus dem Biwak. Tag 10: Der Volkswagen-Krimi spitzt sich zu.

12.01.2011 Claus Mühlberger

Die Etappe von Antofagasta nach Copiapo gehört mit zum Härtesten, was der Rallyesport zu bieten hat. 776 Kilometer Gesamtlänge, davon 508 Kilometer Wertungsprüfung, teilweise über übelstes Terrain. Die ersten Motorradfahrer starteten zu einer unchristlichen Zeit lange vor Sonnenaufgang, um 4.30 Morgens in Richtung Hochebene. Dort wurden sie von Sonnenschein - in der Atacama-Wüste regnet es ja niemals - und frostigen acht Grad empfangen. Manche Biker stülpten sich eine 100-Liter-Mülltüte über, um sich ein bisschen warm zu halten. Was für ein Graus für Marketing-Experten! Wenigsten war kein Fremd-Logo auf den gelben Säcken zu sehen.

Die Etappe bot Gemeinheiten aller Art, aber die schlimmsten Grausamkeiten kamen zum Schluss: Weicher Sand, noch weicherer Sand und - Achtung, jetzt kommt der Superlativ - der allerweichste Sand. Für die meisten Profis kein wirklich unlösbares Problem, wohl aber für die meisten Amateure. Die Werksfahrer trudelten gegen 15 Uhr im Camp ein, danach wurde es zäh. Bis Mitternacht zählte der Veranstalter lediglich 40 der knapp 100 nach dem Ruhetag noch überlebenden Konkurrenten aus der Vierrad-Klasse. Viele waren also 15 Stunden und länger unterwegs, eine wahre Härteprüfung bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 30 km/h.

Sekunden und Zentimeter entscheiden Dakar-Krimi

Beim Kampf um den Sieg wird natürlich nicht wie bei den Amateuren in Stunden oder gar Tagen gerechnet. Bei dem Match zwischen Vorjahres-Sieger Carlos Sainz und Nasser Al-Attiyah geht´s um Sekunden., bestenfalls um Minuten. Auf der 508-Kilometer-Killer-Etappe nach Copiapo spielten der Spanier und der Katari mit ihren Race-Touareg stundenlang Hasch-Mich. In den Dünen wenige Kilometer vor dem Ziel lagen die beiden gleichauf. Die TV-Bilder aus dem Helikopter waren schlicht atemberaubend.

Doch die beim Fight um den Tagessieg entscheidende Szene verpassten die Fernseh-Männer: Kurz vor dem Ziel hatte Sainz Pech, als er auf einem Dünenkamm stecken blieb. "Fünf Zentimeter haben gefehlt, sonst wäre ich drüber gewesen," sagte er. Sainz und Beifahrer Lucas Cruz verloren beim Buddeln rund sechs Minuten - und die Führung. Daran änderte sich auch Dienstag nichts. Bei der Schleife rund um Copiapo holte Sainz zwar seinen fünften Tagessieg, Al-Attiyah aber verteidigte die Führung.

Ehrliche Glückwünsche im VW-Camp

Nach mehr als 6.000 gefahrenen Kilometern liegen zwischen den beiden VW-Stars nur drei Minuten und 18 Sekunden. Beste Voraussetzungen für einen epischen Showdown bei der härtesten Rallye der Welt. Der Druck steigt. Doch Sainz und Al-Attiyah gehen nach wie vor sehr kameradschaftlich miteinander um. Artig gratulieren sie sich zu den jeweiligen Etappensiegen. Man hat den Eindruck, dass die Glückwünsche ehrlich gemeint sind.

Auch wenn der Sandsturm durchs Biwak pfeift, behält Sainz stets eine würdige Haltung. Selbst wenn er eine Skibrille aufsetzt, um die Augen vor dem Staub zu schützen. Eine Steilvorlage für den leutseligen, stets zu Scherzen aufgelegten Al-Attiyah: "Will Carlos hier tauchen gehen", fragt der Wüstensohn und biegt sich dabei vor Lachen. Aus seiner Heimat Katar ist Al-Attiyah wohl wesentlich schlimmeren Wind gewohnt.

Al-Attiyah über Sainz: "Old man still very fast"

Der stets bestens gelaunte Al-Attiyah beherrscht aber auch die Kunst der psychologischen Kriegsführung. Der Katari weiss: Kleine Provokationen gehören zum professionellen Motorsport wie das "Volks" zum "Wagen". Fragt man Al-Attiyah, 40, wie er die Leistung des um acht Jahre älteren "Carrrrrlos" (O-Ton Nasser) einschätzt, lautet die Antwort oft: "Old man. But old man still very fast." Dabei grinst Al Attiyah sein breitestes Schlitzohr-Grinsen. Ungefähr so wie ein Teppichhändler, der gerade ein glänzendes Geschäft machte. Dem stets ein wenig distanziert wirkenden Sainz würde es nie in den Sinn kommen, so derbe Witzchen zu reißen.

Bleibt nur noch die Frage nach der Stallregie an Sportchef Kris Nissen: "Klar", sagt der Däne. "Am 16. Januar." Das ist der nächste Sonntag. Der Tag der Siegerehrung in Buenos Aires.

Alle Artikel zur Rallye Dakar 2011 finden Sie im Dakar-Special.

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