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Dakar Blog: Tag 6

Meisterhafte Mechaniker-Choreografie

VW Biwak - Rallye Dakar 2011 Foto: VW 119 Bilder

Auch auto motor und sport ist bei der Rallye Dakar 2011 live dabei. Reporter Claus Mühlberger versorgt Sie in seinem Blog täglich mit den heißesten Geschichten aus dem Biwak. Tag 6: Flinke Schrauber im Wüsten-Biwak.

07.01.2011 Claus Mühlberger

Fahren, das ist die eine Sache der Dakar. Reparieren die andere. Für die meisten im Camp beginnt die Arbeit, wenn die Herren Werksfahrer schon längst unter der Dusche stehen und sich überlegen, was es denn heute Gutes zum Dinner gibt.

Die Leistung der Fahrer soll damit aber keineswegs geschmälert werden. Denn jeder, der das Glück hatte, schon mal eine längere Strecke in einem Dakar-Renner mitfahren zu dürfen, weiß, dass die eilige Fahrt im einem Rallye-Prototypen alles andere als ein Spaziergang ist. Speziell dann, wenn die VW-Topfahrer Carlos Sainz, Nasser Al-Attiyah und Stéphane Peterhansel im BMW X3 bei der Dakar 2011 um jede Sekunde ringen.

Autos werden von den Mechanikern erwartet

Die Zeiten, in denen die Rückstände bei der Dakar in Stunden gemessen wurden, manchmal sogar in Tagen, sind spätestens seit der Erfindung der GPS-Navigation unwiderruflich vorbei. Darum lässt es sich für das VW-Team heutzutage fast auf die Minute genau kalkulieren, wann die Race-Touareg im Biwak einlaufen und die Arbeit für die Mechaniker beginnt.

Die Logistik des Teams ist eine Wissenschaft für sich. Schon die nackten Zahlen klingen beeindruckend. Die neun Servicelastwagen bieten je 37,5 Kubikmeter Laderaum, deren Inhalt auf jeweils 60 eng beschriebenen DIN-A4-Seiten in einer Ladeliste festgehalten ist. Insgesamt werden 50 Tonnen Material durch Südamerika geschaukelt.

Dakar-Routineservice in drei bis vier Stunden

72 Teammitglieder, die aus 20 Nationen stammen, kümmern sich in der blauen Wagenburg um das Wohlergehen der vier Race-Touareg. "Das Team ist unser Kapital", sagt Sportchef Kris Nissen stolz. "Jeder weiß ganz genau, was zu tun ist."

Die Arbeit im Camp der Blauen schreitet erstaunlich schnell voran. Unaufgeregt und so präzise, als wäre ein amerikanischer Drill-Sergeant die Choreografie verantwortlich. "Wenn nichts Besonderes passiert ist, dauert der tägliche Routineservice bei den Rennautos zwischen drei und vier Stunden.

Ölwechsel alle 5.000 Kilometer

Alle Teile werden geprüft, nicht jedoch der Motor. Der 310 PS starke Fünfzylinder-TDI sitzt nämlich so versteckt im Rohrrahmen, dass er erst nach stundenlangen Schraub-Orgien zugänglich ist. Aber der Motor macht seit Jahren keinen Kummer. Sogar bei den Ölwechselintervallen ist der Fünfzylinder sehr bescheiden. Lediglich alle 5.000 Kilometer wird das Castrol-Öl abgelassen.

Kurz nach Sonnenuntergang, gegen neun Uhr, werden normalerweise meist schon die Planen über die Autos gezogen. Manchmal fällt der Feierabend für die Mechaniker allerdings aus: Nach Unfällen und technischen Defekten wird auch mal die ganze Nacht durchgeschraubt, gehämmert und gesägt.

Durchgeschraubte Nächte im Biwak

Das schönste Beispiel für eine Großbaustelle gab es bei der Dakar 2007, als Giniel de Villiers mit einem halb abgebrannten Auto ins Camp humpelte und zudem Sainz mit Motorproblemen kämpfte. Von elf Uhr nachts bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr waren die Mechaniker bei der Arbeit. Und dann hieß es wieder aufsitzen auf den Lastwagen, um rechtzeitig zum nächsten Etappenziel zu rauschen.

In solchen Extremsituationen zeigt sich, ob ein Team wirklich funktioniert. "Bei uns gibt es selten ein Drama", sagt Motorenchef Donatus Wichelhaus. "Das Team ist menschlich unheimlich gut aussortiert. Schuldzuweisungen zwischen den Mechanikern gibt es nicht. Das passiert höchstens mal auf der Ingenieurs-Ebene."

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