Dakar Halbzeitbilanz: Verlustreiche erste Woche

4.936 von insgesamt 9.578 Kilometern haben die Teilnehmer der Dakar 2009 absolviert - jetzt steht der erste und einzige Ruhetag an. Das Biwak in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso ist deutlich ausgedünnt.

Die Ausfallquote bei der Dakar-Rallye 2009 ist hoch, ungewöhnlich hoch: Nur noch 97 der 177 gestarteten Auto-Crews sind noch im Rennen. Nicht ganz so schlimm hat es die Motorradfraktion getroffen: Aber 78 von 217 Motorradfahrern, die in Buenos Aires losfuhren, sind ausgeschieden.

Herbe Verluste beim Titelverteidiger

Auch die Werksteams wurden arg gerupft. Mitsubishi verlor drei der vier gestarteten Racing Lancer: Hiroshi Masuoka mußte schon am ersten Tag nach einem Motorschaden einpacken. Das Aus für den  neunmaligen Dakar-Sieger Stéphane Peterhansel kam am siebten Tag nach einem kapitalen Motorschaden. Für Luc Alphand, Gewinner der Dakar im Jahr 2007, war Schluss, als er für seinen völlig entkräfteten Beifahrer Gilles Picard den Rettungshubschrauber anfordern musste. Bei dem Versuch, den festgefahrenen Mitsubishi aus einem Schlammloch in der Pampa del Diamante auszubuddeln, hatte sich der 53-Jährige Franzose, ein ehemaliger Motorrad-Profi, überanstrengt.

Das BMW-Team von Sven Quandt beklagt den Ausfall des X3 vom lange führenden Nasser Al-Attiyah. Die Ursache dafür war kurios: Der Thermostat im Motor des X3 hatte schlapp gemacht; der Sechszylinder überhitzte. Al-Attiyah traute sich deswegen nicht, den vorgeschriebenen Kurs durch die Dünen zu nehmen. Er verpasste daher die vorgeschriebenen Waypoints: Die Disqualifikation war unvermeidlich. Besonders bitter: Al Attiyah lag zu diesem Zeitpunkt in Führung. Zu allem Überfluss hatte sich BMW-Teamkollege Guerlain Chicherit schon am ersten Tag nach einem herzhaften Ausritt ins Gelände von seinen Sieghoffnungen verabschiedet.

Race Touareg 2 zuverlässig und schnell

Weitgehend ungeschoren kam bislang nur VW davon: Lediglich Dieter Depping verlor viel Zeit: Einmal streikte die Elektrik, ein anderes Mal der Turbolader. Bei Carlos Sainz, Giniel de Villiers und Mark Miller lief es jedoch wie am Schnürchen - zumindest beinahe. Ex-Rallye-Weltmeister Sainz hatte mächtig Glück, das sein Race-Touareg einen Überschlag überstand, ohne schlimm Schaden zu nehmen.

Mit drei Tagessiegen sicherte sich der Spanier Platz eins im Gesamtklassement, mit winzigen neun Sekunden Vorsprung auf de Villiers. Mark Miller, der Dritte im Volkswagen-Bunde, liegt knapp 14 Minuten zurück. "Die Kunst in der zweiten Hälfte der Rallye wird es sein, möglichst wenig Fehler zu machen", sagt Sportchef Kris Nissen. "Und außerdem müssen alle im Team akzeptieren, dass wir nicht mit drei Volkswagen gegeneinander fahren."
 
Mitsubishi kann die Rallye aus eigener Kraft wohl kaum noch gewinnen. Nani Roma, der den einzigen im Wettbewerb verbliebenen Racing Lancer pilotiert, hat als Vierter bereits fast eine halbe Stunde Rückstand auf Platz eins. Robby Gordon, der Fünfte, liegt mit seinem Hummer-Buggy mehr als eine Stunde zurück.

Die Deutschen halten sich wacker: Dirk von Zitzewitz, Beifahrer von Giniel de Villiers, hält Rang zwei. VW-Teamkollege Dieter Depping und seinen Copilot Timo Gottschalk rangieren auf Platz neun. Matthais Kahle und Beifahrer Thomas Schünemann sind mit ihrem Honda-Buggy auf Rang 21 im Zwischenklassement zu finden.

Gelungene Südamerika-Premiere
 
Die schwersten Etappen der Rallye stehen den verbliebenen Startern erst noch bevor: In der zweiten Woche will die Atacama-Wüste, die trockenste Einöde  der Welt bezwungen werden. Dann steht die Andenüberquerung auf dem Programm. Dach der Dakar ist der Paso San Francisco, der mit 4.748 Metern in etwa so hoch ist wie Europas mächtigster Berg, der Mont Blanc.
 
Vor der Südamerika-Premiere der Dakar-Rallye hatte sich mancher Hardliner gefragt: Ist die Dakar noch das was sie einmal war? Ist sie wirklich hart genug? War es richtig, von Afrika nach Südamerika überzusiedeln? Nach der ersten Rallyewoche gibt es drei klare Antworten: ja, ja, und nochmals ja.

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Claus Mühlberger

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