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Dakar-Mini in Berlin

Beton- statt Sand-Wüste

Mini Countryman All4-Prototyp, Checkpoint Charly Foto: Sabine Hofmann 23 Bilder

Dieser Mini siegte bei der Dakar-Rallye 2012 - ein taffer Bursche eben. Doch was passiert, wenn man mit diesem eine Million Euro teuren Prototyp durch Berlin cruist?

22.01.2013 Claus Mühlberger

Ein echter Berliner lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Schon gar nicht von einem Auto. Selbst dann nicht, wenn dieses Auto krachbunt beklebt ist und mit seiner Scheitelhöhe von fast zwei Metern im Verkehrsgetümmel eine wahrhaft herausragende Rolle spielt. Neben seinen Vettern aus der Serienproduktion wirkt der Dakar-Mini so, als würde Basketball-Star Dirk Nowitzki bei einem Liliputaner-Treffen hereinspazieren.

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Reportage Dakar-Mini in Berlin In der Beton-Wüste
auto motor und sport 01/2013
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Doch die coolen Hauptstädter lässt dies kalt. Auch die Polizisten sind desinteressiert. Wer in einer Stadt Dienst schiebt, wo es schon mal vorkommt, dass Autonome in einen an der Ampel wartenden Streifenwagen einen Molotow-Cocktail werfen, hat wohl andere Sorgen, als die StVZO-Kompatibilität eines bunten Mini abzuchecken.

Anders als viele schicke SUV, die oft von zarter Damenhand zunächst zum Kinderhort Rapunzel und dann weiter zu führenden Coiffeurs und Modehäusern gesteuert werden, ist dieser Countryman kein Blender für den Boulevard, sondern ein harter Arbeiter. Insofern passt der Dakar-Mini auch eher ins proletarisch geprägte Kreuzberg als auf den Kurfürstendamm, die eitle Flagship-Store-Meile.

Der praktische Nutzen des Rallye-Mini als Transportvehikel tendiert gegen null. Klar, er ist auch nur dafür gebaut, zwei Personen schnellstmöglich über bis zu 600 schlaglochreiche Kilometer ins Ziel von Sonderprüfungen zu bringen. Alles, was dazu nicht unbedingt nötig ist, wurde einfach weggelassen.

Ergo hat der Dakar-Countryman keine Klimaanlage, keine Lederausstattung, kein Radio und sogar nicht mal ordentliche Kurbelfenster in den Türen. Wo einst der Kofferraum war, reisen jetzt drei Ersatzräder mit. Der 350-Liter-Tank sitzt auf Höhe der hinteren Bank.

Wer sich beim Einsteigen in dieses Rallyeauto nicht unsterblich blamieren will, sollte seine Dehnübungen immer schön brav gemacht haben. Ist man endlich in den krachengen Sitz geflutscht, müssen fünf Gurtenden ins Schloss gefummelt werden. Ein Geduldsspiel.

Die erhabene Sitzposition sorgt für erstklassigen Überblick - nach vorne. Nach schräg hinten tendiert die Sicht gegen null. Die Schottwand hinter den Sitzen versperrt den Blick, und der rechte Spiegel ist eher Attrappe als Hilfsmittel. Ein Albtraum im Berliner Stadtverkehr mit seinen Radler-Kohorten, die meist in forciertem Tempo an den Autokolonnen vorbeisausen.

In der Stadt ist der Mini klar unterfordert: Für was braucht man hier eine sportwagenmäßige Beschleunigung (null auf 100 km/h in sechs Sekunden) und einen ausgeklügelten Allradantrieb? Nichts und niemand kann diesen Mini in der Wüste stoppen. Doch in Berlin nimmt ihn der Verkehr als Geisel.

Der Stau ist immer und überall in Berlin. An der 100. roten Ampel entwickelt man schon mal Gewaltfantasien. Was wäre, denn wenn man einfach über den Boxster da vorne drüberfahren würde? Oder in der Grünanlage Tiergarten einen kühnen Drift auf die Schotterwege zaubern würde? Würden die Hauptstädter dem Mini dann ihre geschätzte Aufmerksamkeit schenken?

Der Auspuffsound ist mau. Mehr als ein diskretes Nuscheln ist nicht zu hören. Die Fahrgeräusche gehen im Getöse der allgegenwärtigen Berliner Baumaschinen fast völlig unter. Nur das helle Pfeifen der beiden Turbolader sticht hervor.

Im Innenraum hingegen ist der Mini selbst bei 30 km/h so laut, dass man Handygespräche getrost vergessen kann. Der Motor klingt ein bisschen wie die singende Säge aus dem Varieté. Im Schiebebetrieb wechselt der Ton abrupt: Dann erinnert der Reihensechszylinder an ein Düsentriebwerk, das gerade abgestellt wird. Aus dem Bereich des Fahrwerks knackt und poltert es derart laut, dass man Angst um die Dauerhaltbarkeit dieser Komponenten bekommen könnte. Die übelsten Krachmacher aber sind das Getriebe und der Allradantrieb. Der erste Gang rastet mit lautem Scheppern ein. Ist die Fuhre erst mal in Fahrt, jaulen die Zahnräder wie ein streunendes Hunderudel in den Ruinen von Pompeij.

Wer den Mini parkt, sollte einen pflichtbewussten Wächter engagieren – als humane Wegfahrsperre. Denn ein Zündschloss fehlt. Aber leicht wäre es ohnehin nicht, den Mini zu klauen. Ein Schurke müsste sich im Cockpit erst mal zurechtfinden und dann die richtigen Schalter umlegen und den richtigen Knopf drücken. Alles andere als leicht, denn das Cockpit würde auch einem Space-Shuttle zur Ehre gereichen.

Je zwei aufgeregt blinkende Multifunktionsdisplays, zwei Tripmaster, zwei Navigationsgeräte, zwei Digitaldisplays für den Kompasskurs sowie eine Ganganzeige machen sich breit. Dazwischen, scheinbar wahllos verteilt, drei Dutzend Knöpfe. Wer damit zurechtkommt, kann bestimmt auch bei der Nasa brillieren.

Zeit für eine Kaffeepause im ersten Haus am Platz, dem Adlon. Der Wagenmeister, gewandet in einen grauen Frack mit grauem Zylinder, reißt den Wagenschlag auf. "Willkommen im Hotel Adlon! Möchten Sie einchecken?" "Nein, nur einen Kaffee trinken. Bieten Sie Valet-Parking an?" "Selbstverständlich!" Der Doorman wirft einen Blick ins Cockpit. In seinem Augen spiegeln sich große Fragezeichen. "Dieser Wagen lässt sich doch so bedienen wie ein normales Auto, oder?" "Na ja, ein paar Unterschiede gibt es schon. Vielleicht ist es besser, das Auto einfach kurz vor der Tür stehen zu lassen."

Einen Espresso später: Ein Junge drückt sich die Nase am Fenster platt. Hannes, 14, kommt aus Niederbayern und ist auf Klassenfahrt in Berlin. Er will alles über den Dakar-Mini wissen. Der Testfahrer erkundigt sich, wo die Klassenkameraden von Hannes sind. "Da drüben", sagt der Junge und deutet vage in Richtung eines Schülerrudels an der nächsten Ecke. "Sie interessieren sich nicht für Autos, sondern bloß für ihre Handys."

Aha. Ab zur Tankstelle. Zuvor aber noch zur Bank. Denn wer volltankt, wird schnell 500 Euro los. Die 350 Liter Diesel reichen dafür auch für 800 Kilometer in üblem Terrain. Oder für 3.000 Kilometer im Berliner Stadtverkehr. Aber wer will das schon ausprobieren? Dieser Mini ist nicht gemacht für die City. Genauso wenig wie der Serien-Countryman für Marschtempo 180 in den weiten Wüsten Südamerikas.

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