Dakar-Organisation: Sicherheitsstufe eins

Mit einem riesigen Aufgebot an Menschen und Material wollen Argentinien und Chile für die Sicherheit der Fahrer und Zuschauer bei der Rallye Dakar sorgen.

"Wir schließen keine Bedrohung aus und haben uns auf jede Eventualität eingestellt", sagte Hugo Oscar Buchanan, der General der argentinischen Gendarmerie. Von möglichen Anschlägen islamischer Terroristen aus dem Umfeld von El Kaida bis zu Kühen vorm Kühler der etwa 820 Rallye- und Begleitautos reicht das Bedrohungsszenario bei der Premiere des Klassikers in Südamerika.

Buchanan ist für die Sicherheit während der Etappen in Argentinien zuständig. Etwa 22.000 Polizisten sowie Tausende von Helfern des Zivilschutzes, medizinisches Personal und der Verkehrspolizei stehen dem 1,95-Meter-Mann dabei zur Verfügung. Selbst die "Schlapphüte" vom Geheimdienst Side sollen helfen, eventuelle terroristische Anschläge zu verhindern. "Deren internationale Informationen und Erkenntnisse sind sehr hilfreich, weil sie uns vor möglichen Anschlagsplänen warnen können", sagte der General.

Begleitschutz von Antiterroreinheiten

In Buchanans Diensträumen im Hauptquartier der Gendarmerie in Buenos Aires sind die Wände mit Landkarten und Luftfotos gepflastert. In Hubschraubern begleiten Antiterroreinheiten der Polizei die Rallye, um bei möglichen Anschlägen sofort eingreifen zu können. Am Boden folgen weitere Spezialeinheiten ähnlich der deutschen GSG9 dem Rallyetross. "Das muss ja nicht unbedingt einen terroristischen Hintergrund haben. Es könnte auch einfach ein Scharfschütze irgendwo auf dem Land sein, der sich über die Rallye ärgert", erklärte Buchanan.

Wahrscheinlicher sind jedoch ganz andere Bedrohungen: Vor allem in Argentinien sind Straßenblockaden als Mittel des politischen Protests oder zur Durchsetzung sozialer Forderungen üblich. "Deshalb stehen wir schon seit Wochen in Kontakt mit allen möglichen sozialen Verbänden und Gruppierungen, um im Vorfeld zu wissen, was uns erwarten könnte", sagte der General.

Angekündigte Blockaden

Argentinien und Chile weisen große Einkommensunterschiede zwischen Arm und Reich auf. Obwohl beide Länder zu den wohlhabendsten in Lateinamerika gehören, leben Millionen in Armut. Für sie wäre das riesige Medieninteresse an der Dakar eine gute Gelegenheit, auf ihre Probleme und Forderungen aufmerksam zu machen. Dies gilt ebenso für Indios, vor allem vom Volk der Mapuche, die ihrem Kampf um die Rückgabe von Ländereien schon öfters mit Straßensperren Nachdruck verliehen haben. In Chile haben vor allem Umweltschützer Blockaden angekündigt.

Die meisten Zwischenfälle erwarten die Sicherheitsbehörden jedoch mit den autoverrückten Zuschauern. Vor allem die Argentinier sind dafür bekannt, Risiken aller Art eher zu unterschätzen. "Wir kennen das genau. Die Leute gehen dorthin, wo die Autos durch eine Kurve schleudern", sagte Buchanan kopfschüttelnd. Aber gerade dort ist es am gefährlichsten. Deshalb werden an jeder Etappe spezielle Zuschauerbereiche ausgewiesen.

Immer erst am Tag vor einer Etappe, deren genauen Verlauf auch die Rennteams erst jeweils am Abend vorher erhalten, geben die örtlichen Behörden bekannt, wo sich die sicheren Bereiche befinden. "Aber für eine lückenlose Überwachung fehlen uns die Leute", räumte Buchanan ein. "Wenn sich da irgendwo in der Pampa oder in den Anden plötzlich Leute viel zu dicht an die Strecke stellen oder auf Hochspannungsmasten klettern, um besser sehen zu können, dann werden wir das nicht immer verhindern können."

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dpa

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