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Fan-Reportage 24h-Rennen Nürburgring 2017

Ballermann-Stimmung mit Dinosaurier

Fan-Reportage - 24h-Rennen Nürburgring 2017 - Nordschleife Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink 77 Bilder

Über 200.000 Fans werden für die 45. Ausgabe des 24h-Rennens Nürburgring 2017 erwartet. Die meisten von ihnen campen rund um die Nordschleife und verwandeln die Eifel in ein großes Party-Areal. Hier gedeihen die verrücktesten Ideen.

26.05.2017 Andreas Haupt Powered by

Die Nordschleife ist immer für eine Überraschung gut. In diesem Jahr fällt sie besonders groß aus, und steht auf einem der Campingplätze bei Streckenkilometer 18. Wir trauen unseren Augen nicht: Im Schwalbenschwanz steht tatsächlich ein Dinosaurier. „Er kostet 38.000 Euro“, verrät Benedikt, der den Dino am Donnerstagmorgen auf einem Anhänger herschleppte. Der Schwanz des Sauriers hängt im Stilstand ein paar Meter über die Ladefläche hinaus. „Wenn ich jetzt das Auto ankoppeln würde, kommen wir auf elf Meter Gesamtlänge.“

Ab Montag ging es auf die Campingplätze

Verrückt. Durchgeknallt. Übermütig. Kreativ. Es gibt nicht genügend Adjektive, um die Fans beim 24h-Rennen Nürburgring zu beschreiben. Einzigartig trifft es in jedem Fall. Oder haben sie auf einem Rockkonzert schon mal einen Dinosaurier gesehen? Oder am Ballermann, wo man im Suff ja auf die verrücktesten Ideen kommt?

Schon im Vorjahr hatten Tobias und seine 10- bis 15-köpfige Truppe ein paar kleinere Dinosaurier mitgeschleppt. „Wir haben klein angefangen, und steigern uns von Jahr zu Jahr“, sagt Kumpel Rene. Wie kam man an den großen Diplodocus überhaupt heran? „Ein Kollege arbeitet im Dinosaurierpark Teufelsschlucht. Wir dachten uns, es wäre doch mal geil, so einen an den Ring zu bringen. Für den Park ist es eine gute Werbung. Für uns einfach nur ein riesiger Spaß.“

Ein Teil der Truppe weilt schon seit Sonntag an der Nordschleife. Zunächst auf einem der Behelfsparkplätze. Um die Strecke gibt es rund 60.000 Stellplätze für Pkw. Am Montagfrüh gegen 5:30 Uhr öffneten die Ordner dann das Camping-Areal. „Um acht Uhr haben wir mit dem Aufbau begonnen. 12 Stunden später waren wir fertig“, sagen die Jungs.

Drei Stunden und 1 Tonne Holz für Top-Aussichtsplattform

Mit einer großen Anlage beschallen sie gefühlt den gesamten Schwalbenschwanz. „Sie hätte eigentlich zehn Kilowatt drauf. Dafür reicht unser Stromaggregat aber nicht. Deshalb müssen wir uns mit 6,5 Kilowatt begnügen.“ Reicht trotzdem. Die Nachbarn stört es nicht. Die meisten hören selbst Musik. „Wir haben mit den Wärtern ausgemacht, dass wir um halb eins nachts auf Zimmerlautstärke herunterdrehen“, sagt Rene und grinst.

Die Veranstalter erwarten über die Tage über 200.000 Zuschauer, die sich die 45. Auflage des 24h-Rennens am Nürburgring nicht entgehen lassen wollen. Die meisten von ihnen campen eine Woche. Verteilt auf rund 1,5 Millionen Quadratmeter Grünfläche in den Eifelwäldern. Das Wetter scheint es in diesem Jahr gut zu meinen. Die Fans stehen an den Fangzäunen rund um die 20,8 Kilometer lange Nordschleife, sobald die Motoren lärmen. Manche bringen den Gartenstuhl mit. Oder bequemen sich gleich in einen Liegestuhl.

Am Wippermann hat es sich eine Gemeinschaft wohnzimmerlich eingerichtet. Jan und seine Kumpels haben aus einer Tonne Holz eine Aussichtsplattform in rund drei Meter Höhe geschaffen. „Die Konstruktion hat unser Zimmermannsmeister entworfen.“ Der Aufbau dauerte etwa drei Stunden.

Fan-Reportage - 24h-Rennen Nürburgring 2017 - Nordschleife Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink

Auf den zusammengenagelten OSB-Platten steht in einer Ecke ein altes Sofa. Davor ist ein grüner Teppich ausgerollt. Zur Strecke hin hat man einen kleinen Tresen samt Getränkehalter entworfen. Es gibt paniertes Schnitzel mit Pilzsauce. Serviert auf Plastiktellern. Gegessen mit Plastikbesteck. Das Bier öffnet Jan mit einem Meterstab. Das Essen bereiten drei der Jungs unten zu. Einer klopft die Schnitzel. Der nächste zieht das Fleisch durch Ei und Semmelbrösel. Der letzte backt sie im Fett aus. Für jeden Tag am Nürburgring steht ein anderes Gericht auf dem Plan. Über eine Leiter klettert man ins Streckenwohnzimmer. Am Eingang ist der Zeitplan an einen Holzbalken genagelt. Jan zeigt nach rechts auf eine freie Fläche. „Hier kommt am Samstag zum Rennen noch ein Flachbildschirm hin. Einen Beamer wollen wir auch noch installieren.“

Urlaub für den Geist. Nicht für den Körper

Jan und seine Crew haben sogar einen Sponsor an Land gezogen. Ein Mediengestalter in der Gruppe baute einen Kontakt zu Mann-Filter auf. Schon 2016 gab es eine 60-Kilo-Kiste mit Merchandise-Artikeln. Dieses Jahr wieder: „Banner, Sonnenbrillen, Kappen und mehr“, freut sich Jan. Den Gaudi an der Nordschleife sieht er als „Urlaub für den Geist. Aber nicht für den Körper“.

Ähnlich dürfte es auch den Dinosauriern vom Schwalbenschwanz ergehen. „Wir rechnen mit 500 Euro pro Person“, sagt Rene. Dafür baden manche Deutsche lieber eine Woche in Mallorca. Doch wer Ballermann-Stimmung sucht, muss einfach nur an die Nordschleife kommen. Statt im Meer baden die Fans in kleinen Planschbecken. Disco-Beats werden mit Motorenlärm von über 160 Autos verfeinert, die um den 25,378 Kilometer langen Kurs peitschen. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. „Wir haben 50 bis 60 Kisten an Getränken dabei. Das meiste davon an Bier.“

Im Schwalbenschwanz steht nicht nur einen Dino, sondern auch einen Hightech-Simulator. Wer mag, kann hier kostenlos auf dem Nürburgring trainieren. Ein Beamer, der auf einem Holzbrett unter der Zeltdecke hängt, projiziert die Streckenaction auf die Wand. Das heiße Wetter zwingt die 38-köpfige Truppe um „Schubbi“ zur Improvisation. Dem Beamer wurde es im grünen Zelt zu heiß. Man zweckentfremdete deshalb eine elektrische Luftpumpe, die den Pool aufgeblasen hatte, und fächert damit dem Projektor Frischluft zu.

Fan-Reportage - 24h-Rennen Nürburgring 2017 - Nordschleife Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink

Fahrsimulator auf Camping-Platz

Allerdings streikt in diesem Moment auch der Simulator. Die Elektrik spielt nicht mit, um den roten Sitz in Kurven herzuschleudern. „Wer sich nicht anschnallt, fliegt raus. So sehr geht das Teil ab“, sagt Schubbi. „Wir haben den Simulator im Internet ersteigert. Ursprünglich war das Fahrgestell in ein Monocoque integriert.“ Für den einfacheren Transport und das bessere Einsteigen trennte man das Monocoque ab. Die aufwendige Konstruktion kostete alles in allem um die 2.000 Euro – inklusive Rennlenkrad mit BMW-Emblem. Ein Motor simuliert die Halte- und Lenkkräfte. „Man muss schon fest zupacken. Wir haben die Stärke schon zurückgefahren. Wer früher nicht aufpasste, konnte sich schnell wehtun.“

Rund um die Zeltplätze sind Dixi-Toiletten und Trucks mit Wassertanks verteilt. Manche bestellen ihre eigenen Dixis statt auf die etwa 680 mobilen Toiletten rund um die Nordschleife zu gehen. Für etwa 180 Euro inklusive täglicher Reinigung. Viele haben auch ihre eigenen Duschen gebaut. Auch die Veranstalter sorgen für Hygiene: Sie stellten 146 Duschplätze für die Besucher auf.

Statt Rennsimulator gibt es am Schwalbenschwanz auch Oldschool-Vorstellungen. Marvin schmeißt den 1,4-Liter-Vierzylinder in seinem Golf 3 an und setzt sich ans Steuer. Seine Kumpels bocken den Vorderwagen auf. Einer seift den rechten Vorderreifen mit Cola ein. Ein anderer schüttet Wasser über den linken Vorderreifen. Marvin tritt aufs Gas, die Gummis auf der Antriebsachse graben sich in den Dreck und sauen die rote Karosserie ein. Nach wenigen Sekunden qualmt es, es riecht nach Gummi. „Das war unsere zweite Show heute. Die nächste veranstalten wir um 18 Uhr.“

Männer-Lasagne am Nürburgring

Marvins Jungs, die im Berufsleben Karnevalswagen bauen, spielen liebend gern auch „Nageln“. 9 Männer stehen um einen etwa ein Meter hohen Baumstamm. Mit einem zehn Kilogramm schweren Vorschlaghammer versuchen sie, mit der spitzen Seite einen Nagel ins Holz zu wuchten. „Ohne Aufschwingen, aus dem Arm heraus, einhändig“, lauten die Regeln. Einer von ihnen reiste auf einem Traktor zur Nordschleife. Anfahrtszeit: acht Stunden. Man könnte meinen, das Geschehen auf der Rennstrecke interessiere nur am Rande. Das Gegenteil ist der Fall: „Wir sind nicht zum Saufen hier. Sondern wegen des Motorsports. Für uns ist das wie Urlaub. Das 24h-Rennen ist das i-Tüpfelchen.“

Fan-Reportage - 24h-Rennen Nürburgring 2017 - Nordschleife Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink

Ein paar Meter weiter hängt ein Schwein über dem Grill. Eine große Männergruppe reist bereits das sechste Mal zum 24h-Rennen. „Seit wir Vater geworden sind, bleiben die Mütter daheim, um sich um die Kleinen zu kümmern.“ Als Urlaub empfinden sie die Tage auf der Nordschleife allerdings nicht. Sondern eher als Riesen-Gaudi, der viel Energie verzerrt. „Den Urlaub brauchst du eigentlich danach.“ Am Donnerstag servieren die drei Köche, einer davon ein gelernter, Schweins-Haxe, Sauerkraut und Püree. Am Vortag gab es die „Männer-Lasagne“: zehn Kilogramm Hackfleisch, ein Kilogramm Käse, ein Kilogramm Speck – und eine dünne Schicht Nudelteig. Das klingt nach der passenden Stärkung, um die Akkus aufzufüllen.

In unserer Fotoshow zeigen wir Ihnen die abgedrehten Fans der Nordschleife.

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