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Fans beim 24h-Rennen Nürburgring 2016

Volvo-Pool mit Panoramablick aufs Brünnchen

24h-Rennen Nürburgring 2016 - Fans - Fanreportage - Nordschleife Foto: Stefan Baldauf / Guido ten Brink 68 Bilder

Was wäre das 24h-Rennnen ohne seine abgedrehten Fans? Wahrscheinlich nicht mal mehr die Hälfte wert. Auch zur 44. Ausgabe des Langstreckenklassikers verwandeln sich die Eifelwälder zu großen Campingplätzen. Das Motto der 24h-Party: Nichts ist unmöglich, nichts schräg genug.

27.05.2016 Andreas Haupt Powered by

Eigentlich ist der Verwendungszweck so eines alten Volvo-Kombis klar definiert: Er bringt dich von A nach B - am besten mit Möbel, Getränkekisten oder sperrigem Gepäck an Bord. In so einem Kasten lässt sich eben ganz schön viel Material unterbringen. Die "Bekloppten vom Brünnchen", so steht es in bunten Lettern auf der Windschutzscheibe geschrieben, haben aber ihre ganz eigene Vorstellung von einem guten Kombi.

Riesengaudi an der Nordschleife

Andreas badet gerade im Volvo V70. Richtig gelesen: Er badet. Die "Bekloppten vom Brünnchen" rissen den Innenraum raus und funktionierten das Auto zu einem Whirlpool um. Mit bestem Blick auf das Brünnchen. "Die Idee kam halt einfach irgendwann. Wir haben eine Holzkiste reingeschraubt und eine Plane drüber geworfen", referiert Eggi, während seine Kameraden einen Generator anwerfen. "Der ist von der Bundeswehr. In fünf Minuten ist das Wasser warm. Einfach geil." Der stotternde Motor und der Geruch nach Abgasen locken innerhalb einer Minute die Schaulustigen an.

Ideenreich, handwerksbegabt, auf Zack - trotz oder gerade wegen des Alkohols: So sind die Fans der Nürburgring-Nordschleife. Jahr für Jahr pilgern sie zum größten Langstreckenrennen der Welt, und verwandeln die Eifelwälder rund um die 25,378 Kilometer lange Traditionsbahn in große Campingplätze. Insgesamt stehen 1,5 Millionen Quadratmeter an Campingfläche zur Verfügung. Stuhl an Stuhl, Zelt an Zelt, Wohnwagen an Wohnwagen, Behausung an Behausung verbraten sie hier rund ein Viertel ihres Urlaubskontingents. Oder besser: Sie haben eine Woche lang eine Riesengaudi.

"Wir feiern 2016 unser 30-Jähriges", sagt Maria. Für sie und ihre 20-köpfige Gruppe ist es der 30. Besuch beim 24h-Rennen. "Mein Sohn ist zum 25. Mal dabei. Und er ist 26 Jahre alt." Das sagt viel über die Kultur aus, die an der Nordschleife herrscht. Was sonst als abgedroschene Floskel abgekanzelt werden könnte, trifft hier voll zu: Am Nürburgring wird Motorsport gelebt - mit jedem Atemzug, der frische Eifelluft mit einer Brise verbranntem Benzin oder Diesel in die Lungen pumpt.

500 Liter Bier für eine Woche

Maria reiste mit ihrer Gruppe bereits am Sonntag an. Manche bewohnen die Eifel sogar schon seit Freitag letzter Woche. Zunächst übernachtete Maria auf einem Behilfsparkplatz. Als gegen sechs Uhr die Tore zum Pflanzgarten geöffnet wurden, baute die Mannschaft ihr Domizil für die nächsten sieben Tage auf. Inklusive einer Aussichtsplattform, neben der sich Bierfässer stapeln. "Jeder bringt seine Idee ein", verrät Maria mit einem Lächeln.

Alles gut also? Nicht ganz. Die Preispolitik verstimmt Maria. "Wir fahren mit einer kleinen Gruppe auch immer nach Le Mans. Das ist besser. Da kostet das Komplettpaket vielleicht 80 Euro. Hier zahlen wir 67 Euro allein fürs Camping. Und 20 Euro für den Parkplatz. Dann kommt noch die Eintrittskarte oben drauf." Eins ist klar: "Ein Hotel kommt nicht infrage. Hier sitzt man abends schön am Feuer. Das ist Atmosphäre."

Das sieht auch Dominik so, der nur ein paar Metern weiter haust. "Die Spannung bevor wir in den Pflanzgarten durften, war schon riesig. Eigentlich kribbelt es schon, wenn du dein Zeug zusammen packst. Das ist einzigartig." Zusammen mit 15 Kumpels will Dominik in der gemeinsamen Zeit 500 Liter Bier vernichten. "Das reicht für den ersten Tag", scherzt einer seiner Kollegen. "Eigentlich bräuchte man nach dem Rennen noch drei bis vier Tage Urlaub", sagt Dominik. "Ich bin aber Schornsteinfeger und muss am Montag schon wieder um sieben Uhr ran." Hartes Brot nach einer Woche Dauerfestival mit wenig Schlaf.

Die Atmosphäre in der Nachbarschaft sei gut. "Jeder kommt hier zu jedem und trinkt mal einen mit. Wir kennen uns untereinander. Das ist ein harter Kern." Mancherorts herrscht aber auch dicke Luft. Einem Zuschauer stößt es sauer auf, dass eine Fan-Gruppe einen Container anschleppen ließ, und für eine Schmierstoff-Firma Gäste bewirtet. "Die machen das Ambiente kaputt." Vielleicht eine zu harsche Ansage: Denn Robert, einer aus dieser Fan-Gruppe, besucht bereits das 34. Mal das 24h-Rennen - also ein treuer Zuschauer, dem es sicher nicht nur um Kommerz geht. "Pflanzgarten, weil es einfach schön ist, man hier leicht herkommt, und der Sprunghügel da ist" sagt er.

Tour de France beim 24h-Rennen

Die Zuschauer sorgen rund um den Langstreckenklassiker für eine einzigartige Atmosphäre. Die Fahrer betonen immer wieder, wie schön es vor allem am Abend und in der Nacht sei, wenn die vielen Grillfeuer zu sehen sind, und der Duft nach Würstchen und Steaks in der Luft liegt. Ob die vier Jungs im Streckenteil Breidscheid da immer noch in ihrem geschäumten Planschbecken baden? Mit Sicherheit. "Wollt ihr mitbaden?", fragt einer von ihnen. Ohnehin geben sich alle Camper sehr gastfreundlich. "Darf es auch ein Bierchen sein?" Antwort: "Später vielleicht, wir sind noch im Dienst."

Die Zuschauer kennen sich aus. Auch in anderen Sportarten. In Breidscheid gibt es eine Gruppe aus Meinerzhagen im Sauerland, die getreu der Tour de France ein gelbes, grünes und gepunktetes Trikot an ihre Mitglieder vergibt. "Das gelbe an den vollsten des Tages. Das gepunktete Trikot an denjenigen, der zuletzt gekotzt hat und das grüne an den, der am schnellsten getrunken hat." Der Rekord für das Kölsch-Glas steht bei 2,29 Sekunden.

In unserer Fotoshow zeigen wir Ihnen die Fans beim 24h-Rennen 2016, die mit abgedrehten Ideen so gar nicht geizen.

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