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Goodwood Festival of Speed

Silberstreif am Horizont

Goodwood Festival of Speed, Impression Foto: Daimler AG, Goodwood 22 Bilder

Goodwood Festival of Speed heißt das Mekka der Motorsportfans aus der ganzen Welt. Erstmals erreichte die Zahl der Pilger nach Südengland die Marke von 200.000 Zuschauern. Das Motto des Festivals 2014 lautete: "Siegessüchtig – die unschlagbaren Meister des Motorsports".

28.09.2014 Dirk Johae Powered by

Lord March hat Fracksausen. Im feuerfesten Renndress geht er auf den Mercedes-Benz-Formel-1-Wagen von 1954 mit Stromlinienkarosserie zu, an dem schon Jochen Mass wartet. "Das Auto fährst doch besser du", sagt der adelige Hausherr von Goodwood zum ehemaligen Formel-1-Piloten und Le-Mans-Sieger von 1989. Aber Mass überzeugt sein sichtlich nervöses Gegenüber, doch selbst ins Cockpit zu steigen. Der Deutsche nimmt dem motorsportbegeisterten Blaublüter auch die Angst vor dem Fünfganggetriebe mit dem ungewöhnlichen, weil umgedrehten Schaltschema.

Mit großer Vorsicht und Ehrfurcht steuert Lord March anschließend den Mercedes W196 mit verkleideten Rädern an der Seite von Sir Stirling Moss, der wie 1955 eine Version mit frei stehenden Rädern fährt. Mercedes- Benz tritt beim Goodwood Festival of Speed als Top Act auf und zelebriert 120 Jahre Motorsport mit einem Großaufgebot an historischen Rennwagen und Fahrergrößen von Roland Asch bis Sir Jackie Stewart.

Weltmeister Jackie Stewart im Mercedes W165

Der dreifache Formel-1-Weltmeister Stewart steuert auf der engen Bergpiste, die am Sommersitz Goodwood House vorbeiführt, ausschließlich den Mercedes-Silberpfeil vom Typ W165 aus dem Jahr 1939. Dieser Monoposto entstand nur für ein Rennen, dem einmalig nach der 1,5-Liter-Klasse ausgetragenen Grand Prix von Tripolis.

"Es ist wahrscheinlich das teuerste Rennauto der Geschichte, hat mir der Auktionator Robert Brooks mal erzählt", berichtet Stewart stolz. In weniger als acht Monaten baute die Rennabteilung von Mercedes-Benz damals nur zwei dieser rund 250 PS starken Monoposti mit V8-Kompressormotor. Sir Jackie fährt beim Goodwood Festival of Speed das Auto mit der Chassisnummer 449547, mit dem Hermann Lang den Grand Prix in Libyen gewann.

John Surtees feiert WM-Jubiläum

Während Stewart kurz vor dem Festival 75 Jahre alt wurde, feiert John Surtees das ganze Jahr über das 50-jährige Jubiläum seines Formel- 1-Titels. Dazu hat Surtees den Ferrari 158 aus den USA nach Goodwood gelotst, mit dem er einst seine Weltmeisterpunkte sammelte. Der große Auftritt des Rennfahrers und Teamchefs, der als einziger Pilot auf zwei und vier Rädern WM-Titel einfuhr, mit etlichen Rennmaschinen und -autos aus seiner Laufbahn stand ganz im Zeichen der Henry Surtees Foundation, einer Wohltätigkeitsorganisation in Erinnerung an seinen vor vier Jahren tödlich verunglückten Sohn.

Wie Stewart und Surtees gehört auch Sir Stirling Moss zu den Stammgästen des Goodwood Festival of Speed. Der wahrscheinlich bekannteste Motorsportler Großbritanniens lässt es sich nicht nehmen, auch in seinem 85. Lebensjahr noch beim Festival anzutreten: Der ehemalige Mercedes- Werksfahrer gehört zu den Stars der Sterne beim großen Motorsportjubiläum und steuert den Formel-1-Wagen Typ W196 von 1955, mit dem sein damaliger Teamkollege Juan Manuel Fangio den Großen Preis von Belgien gewann.

Stirling Moss fährt Silberpfeil von Juan Manuel Fangio

Als Moss den wertvollen, fast 60 Jahre alten Silberpfeil wieder unter dem Zeltdach im Fahrerlager des Goodwood Festival of Speed geparkt hat, streckt Bernd Schneider, selbst ehemaliger Formel-1-Pilot und mit fünf Titeln DTM-Rekordmeister, der britischen Fahrerlegende seinen Helm entgegen und bittet um ein Autogramm. "Ich habe von jedem großen Mercedes- Rennfahrer ein besonderes Andenken, von Moss jedoch fehlte es mir noch", erzählt Schneider.

"Es ist einer meiner erfolgreichsten Helme, mit dem ich unter anderem die 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa gewonnen habe. Mit dem Autogramm bekommt er jetzt einen Platz in meiner Vitrine", ergänzt der 50-Jährige.

Das ist der viel beschworene "Goodwood-Faktor": Rennprofis werden zu Autogrammjägern wie die meisten der rund 200.000 Zuschauer, die in diesem Jahr nach den offziellen Angaben auf das Gelände des Goodwood Festival of Speed strömten, und alle genießen gemeinsam die lockere Party-Atmosphäre. Selbst hartgesottene Formel-1-Chefs wie Toto Wolff von Mercedes GP oder Ron Dennis von McLaren zeigen sich beim Festival entspannt. Wie in der Hochzeit der nahe gelegenen permanenten Rennstrecke in den 50er-Jahren ist ein Event in Goodwood immer auch ein gesellschaftliches Ereignis.

100 Jahre alter Mercedes-Siegerwagen

Dafür ist selbst der Weg aus den USA nicht zu weit. "Bis auf zwei habe ich alle Goodwood Festival of Speed erlebt", berichtet George Wingard. Der US-Amerikaner bringt den Mercedes-Grand-Prix-Wagen an den Start, mit dem Christian Lautenschlager vor 100 Jahren den französischen Grand Prix bei Lyon gewann. Alle drei noch existierenden der fünf damals eingesetzten Rennwagen aus Stuttgart werden in Goodwood gezündet: Neben Wingards Auto stehen die Autos aus der Sammlung von Mercedes-Benz Classic sowie aus der Collier Collection. "Seit der Restaurierung meines Autos war es mein Traum, dass alle drei Autos auf einer Strecke zusammenkommen", meint Wingard. In Goodwood erfüllen sich viele Träume.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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