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Goodwood Revival Meeting

In bester Motorsport- Tradition

Goodwood Revival Meeting, Impression, 2014 Foto: Dino Eisele 36 Bilder

Das Goodwood Revival Meeting hat tiefe Wurzeln in der Geschichte der südenglischen Rundstrecke – auch für Läufe mit historischen Rennwagen.

06.03.2015 Dirk Johae Powered by

Charles Gordon-Lennox, der Earl of March and Kinrara, hat mit dem Goodwood Revival Meeting in der historischen Rennszene neue Maßstäbe gesetzt: Das 1998 zum 50-jährigen Jubiläum der schnellen südenglischen Piste erstmals ausgetragene Goodwood Revival Meeting gilt derzeit als prestigeträchtigste historische Rennveranstaltung.

Dabei setzten der adlige Hausherr und sein Organisationsteam beim Goodwood Revival Meeting zum Teil auf ein Rezept, das sich bereits 1955 auf der 3,8 Kilometer langen Rundstrecke bei Chichester bewährt hat: Damals nämlich starteten die ersten historischen Rennwagen zu einem Schlagabtausch im Rahmen des jährlichen Whitsun Meetings zu Pfingsten. Dabei handelte es sich zunächst um Handicap-Läufe, die vornehmlich mit Sportwagen aus den 30er-Jahren ausgetragen wurden.

Erste historische Rennen

1958 ging der erste Lauf auf dem Rundkurs von Goodwood an den Start, bei dem der schnellste Fahrer nach zehn Runden auch den Siegerkranz umgehängt bekam. Dieses erste Rennen endete mit einem Dreifacherfolg der ERA-Einsitzer, der schnellen englischen Formelwagen aus der Grafschaft Lincolnshire. Die jüngsten Exemplare der Sechszylinder-Kompressorwagen waren damals gerade 20 Jahre alt und kurz zuvor noch in aktuellen Rennen unterwegs.

Einige ERA haben eine fortlaufende Rennkarriere hinter sich und sind seit ihrer Jungfernfahrt in den 30er-Jahren bis heute im Wettbewerbseinsatz. Dazu gehört zum Beispiel der ERA B-Type des Briten David Morris, der ursprünglich 1936 an den englischen Privatfahrer Reggie Tongue verkauft worden war und mit dem 1958 Douglas Hull Zweiter in Goodwood wurde.

Starke ERA-Rennwagen

Auch der Deutsche Rainer Ott kennt die ERA-Einsitzer mit der langen Renngeschichte. 10 Jahre lang fuhr er den B-Type mit der Chassisnummer R9B, der ebenfalls aus dem Baujahr 1936 stammt und eine ähnlich lange Renngeschichte einschließlich Goodwood-Vergangenheit aufzuweisen hat wie das Auto von David Morris. Sogar beim letzten Lauf für historische Rennwagen vor der langjährigen Schließung der Rennstrecke im Mai 1966 startete sein damaliger Besitzer Peter Waller mit dem Auto und erkämpfte den dritten Platz im Gesamtklassement hinter einem gerade erst sieben Jahre alten Aston Martin DBR 4 und einem Connaught A-Type aus den frühen 50er-Jahren.

"In der ständigen Nutzung und Weiterentwicklung der ERA liegt heute ihre Stärke", erklärt Rainer Ott. Sein langjähriger Einsatz in dem englischen Rennwagen hatte für den Süddeutschen noch einen weiteren Effekt: Regelmäßig erhielt er einen der heiß begehrten Plätze auf der Einladungsliste von Lord March für das Goodwood Revival Meeting.

Seltener Maserati

Das hatte sich nicht geändert, als Ott vor ein paar Jahren einen Maserati 4CLT aus dem Baujahr 1948 erwarb – im Gegenteil: Von den 19 gebauten Voiturettes aus Modena, die mit ihren 260 PS starken Kompressormotoren mit 1,5 Liter Hubraum die ERA Ende der 40er-Jahre herausforderten, waren nur noch zwei oder drei Autos einsatzbereit.

Für die Geschichte Goodwoods hat dieser Monoposto von Maserati aber einen ganz besonderen Stellenwert: Der Brite Reg Parnell gewann mit einem solchen Auto das Eröffnungsrennen im September 1948 – vor vier ERA übrigens. Zur Erinnerung an dieses wichtige Datum startet Rainer Ott heute mit der Startnummer 48.

Im Zeittraining beim Goodwood Revival Meeting macht ihm zunächst das Getriebe einen Strich durch die Rechnung: An der Schaltgabel löst sich nach nur zwei Runden eine Schraube und fällt ins Gehäuse. Das Viergang-Räderwerk erweist sich als weiterer Schwachpunkt des Autos, nachdem Ott die Probleme mit den ursprünglich aus Magnesium gefertigten Motoren in den Griff bekommen hatte. Er ließ die Vierzylinder-Aggregate in Aluminium bis auf das Material originalgetreu nachbauen. Davon profitiert auch Klaus Lehr, der mit einem zweiten Maserati 4CLT antritt und sich als 17. für das Rennen qualifiziert.

Für Getriebereparatur bleiben nur wenige Stunden

Für Otts Team steht jetzt also die Reparatur des Getriebes an, es bleibt nur wenig Zeit bis zum Einsatz am nächsten Tag. Insgesamt 13 Rennen mit historischen Autos stehen am ganzen Goodwood Revival Meeting-Wochenende auf dem Programm, dazu zwei Läufe für historische Rennmotorräder.

Für die Starterfelder auf der Rennstrecke, die fast ihrem Erscheinungsbild der 60er-Jahre entspricht, gilt das Baujahr 1966 als Grenze: Damals endete die erste Ära der Piste, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes von Westhampnett eingerichtet worden war. Die jüngsten Autos beim Goodwood Revival Meeting sind die extrem schnellen Sport-Prototypen der 60er-Jahre von McLaren, Lola oder den US-Manufakturen Huffaker und Chinook.

Sir Jackie Stewart wird gefeiert

Dank ihrer leistungsstarken Chevy-V8-Motoren mit bis zu 5,7 Litern Hubraum sind die Fahrer heute beim Goodwood Revival Meeting schneller als die Formel-1-Rundenrekordhalter Jim Clark und Jackie Stewart im Jahr 1965, die im gleichen Rennen mit 1.20,4 Minuten die exakt gleiche Rundenzeit erzielten. Heute liegen die schnellsten Fahrer fast eine Sekunde pro Runde darunter.

In der Karriere des dreifachen Formel-1-Weltmeisters Sir Jackie Stewart hat die Piste von Goodwood einen ganz besonderen Stellenwert: Vor 50 Jahren wurde der Schotte bei Testfahrten in einem Cooper Formel 3 entdeckt und bestritt dann eines seiner ersten Rennen.

Ein halbes Jahrhundert später sitzt der 75-Jährige wieder in dem damals von Ken Tyrrell im Auftrag von Cooper eingesetzten Formel 3, gefolgt von rund 30 Autos seiner Rennkarriere, darunter auch seinen Formel-1-Weltmeisterautos von Matra und Tyrrell, die bei diesem besonderen Goodwood Revival Meeting von seinem Sohn Paul sowie am Samstag von Porsche-Werksfahrer Mark Webber gesteuert werden.

Das diesjährige Goodwood Revival Meeting ist ein Ort für viele Jubiläen: Aus Anlass des 60-jährigen Geburtstags der Rennwagenlegende Jaguar D-Type sind insgesamt 30 Autos einschließlich des Straßenablegers XKSS zu sehen. 18 Autos aus dem Jubiläumsfeld werden sogar in einem eigenen Rennlauf eingesetzt, den der Jaguar-Spezialist und mehrfache Goodwood-Sieger Gary Pearson nur knapp vor Christian Gläsel gewinnen kann.

Maserati am Start

Rainer Otts Team hat derweil das Getriebe des Maserati für das Rennen fit bekommen. Doch im Rennen ist schon nach wenigen Runden Feierabend, weil die Reparatur das Problem wohl doch nicht ganz beseitigt hat. Noch dazu rutscht Klaus Lehr im zweiten Maserati in guter Position von der Strecke. An der Spitze dominiert nach guter alter Goodwood Revival Meeting-Tradition ein ERA vor dem schnellsten Maserati.

Während fast alle Rennen des Goodwood Revival Meeting die Beute von britischen Fahrern werden, geht ausgerechnet der Erfolg beim prestigeträchtigsten Lauf an ein kontinentales Team: Sauber-F1-Testpilot Giedo van der Garde gewinnt die RAC TT mit seinem holländischen Landsmann David Hart auf einem AC Cobra.

Ergebnis 17. Goodwood Revival Meeting 12.–14. September 2014

auf dem Goodwood Circuit (3,81 km).

Rennsportwagen bis 1960: Keen/Minshaw (GB/GB) auf Lister-Jaguar "Knobbly" (1959)

GP-Autos/Voiturettes bis 1951: Mark Gillies (GB) auf ERA A-Type R3A (1934)

Formel Junior 1960 bis 1963: David Methley (GB) auf Brabham BT6-Ford (1963)

Tourenwagen bis 1959 (Teil 1): Anthony Reid (GB) auf Jaguar Mk1 3,4 (1959)

Tourenwagen bis 1959 (Teil 2): Mike Jordan (GB) auf Austin A40 (1958)

Shelby Cup: Faulkner/Gardiner (GB/GB) auf Ford Falcon Sprint (1965)

Jaguar D-Type und XKSS: Gary Pearson (GB) auf Jaguar D-Type (1955)

Sport-Prototypen bis 1965: Chris Goodwin (GB) auf McLaren M1B-Chevy (1966)

GT 1960 bis 1966: Allan Ross-Jones (GB) auf Triumph TR4 (1962)

Frontmotor-GP-Autos 1954 bis 1960: Roger Wills (NZ) auf Lotus 16-Climax (1958)

RAC TT (GT bis 1964): Hart/van der Garde (NL/NL) auf AC Cobra (1963)

F1/F2 1961 bis 1965: Andy Middlehurst (GB) auf Lotus 25-Climax (1962)

Sportwagen/GT 1952 bis 1955: Darren McWhirter (GB) auf Lagonda V12 LM DP115 (1954)

Alle Ergebnisse unter www.tsl-timing.com

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