Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Hans-Joachim Stuck

1.000 feurige Kilometer in Hockenheim

Hans Joachim Stuck Porsche 1985 Hockenheim Foto: Sabine Hofmann 19 Bilder

40 Jahre lang zählte Hans-Joachim Stuck zu Deutschlands populärsten Motorsportlern. Er gewann unzählige Rennen, darunter zwei Mal die 24 Stunden von Le Mans. Sein dramatischstes Rennen aber waren 1985 die 1.000 Kilometer von Hockenheim.

19.09.2011 Claus Mühlberger

"An diesem Juli-Tag im Jahre 1985 war es in Hockenheim unglaublich heiß, 35 Grad, schätze ich. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Gerhard Berger, der als Gaststarter einen Brun-Porsche 962 fuhr, nach seinem 45-Minuten-Turn völlig erledigt war. Die Hitze hatte ihn geschafft.

Denn die Gruppe C-Sportwagen waren extrem schlecht belüftet, und es war körperlich unheimlich anstrengend, sie zu fahren. Auch weil es noch keine Servolenkung gab. Die Porsche-Techniker haben sie gefürchtet wie der Teufel das Weihwasser. "Das ist nur ein möglicher Ausfallgrund", hieß es.

Heißes Rennen im Motordrom

Dieses 1.000-Kilometer-Rennen war unheimlich dramatisch und aufregend. Beim Fahrerwechsel hatten wir einen Feuerunfall. Beim Nachtanken musste man damals zuerst die Entlüfterkanne aufsetzen und danach den Einfüllschlauch auf der anderen Seite des Autos. Aus irgendwelchen Gründen hat man es bei diesem Stopp genau umgekehrt gemacht. Prompt ist Benzin ausgelaufen und hat sich - schwupps - entzündet.

Das von der gegenüberliegenden Seite aufgenommene Foto zeigt sehr gut, wie dramatisch es zuging: Es war ein riesiger Feuerball, die Leute rennen in alle Richtungen davon, einer bringt sich mit einem Sprung über die Leitplanke zur Rennstrecke in Sicherheit. Dieses Bild hängt heute gerahmt im Arbeitszimmer meines Hauses in Tirol.

Meine damalige Frau Regine, die Mutter von meinen beiden Buben Johannes und Ferdinand, stand drei Minuten zuvor noch direkt unter dem Tank, in einem dünnen weißen Sommerkleid. Irgendwer sagte ihr kurz vor dem Stopp: "Geh mal da weg. Man weiß ja nie." Gott sei Dank hat sie es gemacht. Unser langjähriger Technikchef Norbert Singer hatte leider nicht so viel Glück. Er zog sich schwere Verletzungen zu und lag einige Wochen im Krankenhaus.

Bell muss ins Auto gescheucht werden

Das Feuer wurde zwar dann doch recht schnell wieder gelöscht. Aber mein Partner Derek Bell war ziemlich geschockt. Er war völlig von der Rolle. Derek hat sich zunächst geweigert zu fahren. Unser Chefmechaniker Klaus Bischof, der heutige Chef des Porsche-Museums, hat das aber einfach nicht akzeptiert. "Hör mal, du Engländer", hat Klaus zu Derek gesagt. "Jetzt aber rein ins Auto, hier geht es um den Sieg." Der Klaus war schon ziemlich rigide, als er Derek wieder ins Auto gescheucht hat.

Es war dann zwar kein besonders harter Kampf mehr, aber dieses Rennen im Juli 1985 war mir trotzdem extrem wichtig: Es war nämlich mein erster Sieg als Porsche-Werksfahrer. Danach war der Bann gebrochen. In diesem Jahr bin ich immerhin 23 Rennen gefahren, alle auf den rund 700 PS starken Gruppe C-Porsche.

Die Zeit bei Porsche war ein Wendepunkt in meiner Karriere - zum Guten. Trotz der Formel 1 und all der Erfolge im Tourenwagen: Die Sportwagen haben mir am meisten bedeutet. Beim Porsche 962 hat einfach alles gestimmt. Diese Mischung aus Abtrieb, Motorleistung und Reifenbreite - das war damals einfach das Nonplusultra. Auf manchen Strecken waren wir dank dem hohen aerodynamischen Abtrieb mit den Sportwagen sogar schneller als die Formel 1. Einfach genial.

Stuck fährt im Porsche 962 von Erfolg zu Erfolg

Und erfolgreich war ich auch: Langstrecken-Weltmeister, zwei Mal Le Mans gewonnen, zwei Mal die Zwölf Stunden von Sebring und dazu noch den sport auto-Supercup, mit dem PDK-Porsche. Von allen Porsche-Fahrern habe ich nachweislich die meisten Kilometer im 962 abgespult. Das hat Renningenieur Roland Kussmaul mal ausgerechnet.

Mit dem 962 gab es leider auch tödliche Unfälle: Stefan Bellof, Manfred Winkelhock und Jo Gartner. Der 962 war mit seinem Aluminium-Monocoque aber kein gefährliches Auto. Damals hatten wir einfach nichts Besseres. Die Kohlefaser-Technik steckte noch in den Kinderschuhen. Und relativ weit vorne gesessen bist du in anderen Autos auch.

1985 und 1986 haben Derek und ich zusammen die Sportwagen-Weltmeisterschaft gewonnen. So sehe ich das jedenfalls. In der offiziellen Liste von 1986 wird allerdings nur Derek als Weltmeister geführt. Porsche-Mann Jürgen Barth hatte herausgefunden, dass das Sprintrennen vom Norisring den Ausschlag gab. Da haben wir zwar beide keine Punkte geholt. Derek wurde aber Elfter und ich nur 15. Deswegen hat die FIA offiziell zugunsten von Derek entschieden. Aber eigentlich ist mir das jetzt auch wurscht."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden