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Histo-Monte

Wir steh'n auf billig

Foto: Hardy Mutschler 39 Bilder

Kann man mit einem 600 Euro-Auto im Motorsport Spaß haben? Die Antwort fanden Motor Klassik und auto motor und sport.de bei der Histo-Monte im Selbstversuch heraus. Die Frage lässt sich eindeutig mit "Ja" beantworten.

16.02.2006 Markus Stier

600 Euro hat Motorrad-Freund Hans-Jörg Götzl hingelegt, um mit Dach über dem Kopf heil durch den Winter zu kommen. Als dem Redakteur der Zeitschrift Motor Klassik die Ausschreibung zur zwölften AvD-Histo Monte in die Hände fiel, stellte er fest, dass sein delfin-grauer BMW 318i, Baujahr 1986, in der neuen Youngtimer-Klasse startberechtigt wäre. Es erwuchs der kühne Plan: Mit möglichst wenig Aufwand mitmachen, aber ein Maximum an Spaß haben.

Der BMW bekam neue Bremsbeläge spendiert, das musste reichen. Die Histo-Monte ist unter den mehrtägigen Oldtimer-Rallyes mit 2.000 Euro Startgeld fast ein Schnäppchen, überstieg aber den Wagenwert schon um mehr als das Dreifache. Die Rallye führt von Bad Homburg bis nach Monte Carlo und wird nahezu auschließlich mit Gleichmäßigkeitsprüfungen entschieden. Ein exakter Wegstreckenzähler ist dazu eigentlich unerlässlich, doch auch ein gebrauchter schwedischer Tripmaster übersteigt den Preis für den kompletten BMW um mehr als das Doppelte. Es muss auch ohne gehen.

Vier Runden Vollgas

Mit der sicheren Erwartung, auf jeder der 25 Prüfungen ordentlich Dresche zu beziehen, ging das Team Götzl und Stier auf die Reise. Das sportliche Ziel war bescheiden: Unter 64 Teilnehmern nur nicht Letzter werden. Die Sollzeitprüfung auf dem Hockenheimring opferte die Besatzung mangels sportlicher Perspektive dem Fahrspaß. Vier Runden Vollgas kosteten gleich mal eine runde halbe Minute Strafzeit, doch zur Belohnung zeigten sich plötzlich die ollen Winterreifen wieder willig.

Nach zwei verschneiten Pässen im Elsass und (ohne Differenzialsperre) mühsamer Suche nach Traktion war der Blick aufs Klassement am Abend ein Schock - aber anders als erwartet. Rang 24 in der Gesamtwertung und der zweite Platz in der Klasse änderten die Ausgangslage drastisch. Spaß haben auf einem kleinen Winterausflug ins warme Südfrankreich ist ja schön und gut, aber noch mehr Spaß macht es, wenn möglichst viele erst hinter uns ins Ziel kommen.

Mit gewachsenem Ehrgeiz endete Tag zwei auf Rang 27. Nachdem am Ballon d'Alsace noch mancher in der Prüfung Schneeketten aufziehen oder heranstürmenden Schneepflügen weichen musste, wurden die Bedingungen im Yura immer trockener. So kam auch die Konkurrenz mit deutlich besseren Messgeräten immer besser in Tritt.

Am dritten Tag war das Glück aufgebraucht

Am dritten Tag war das Glück für die graue Maus mit dem BMW-Logo aufgebraucht. In der Chartreuse blockiert plötzlich ein Renault Kangoo der Post den Weg. Beim Versuch, die 45 Sekunden Verspätung wieder aufzuholen, verpasst der Copilot einen Abzweig. Prompt hagelt es im Ziel drei Minuten Strafe. Es bleibt immer noch bei Platz 27, aber der Ärger über den dummen Anfängerfehler lässt sich auch mit zwei Pastis und drei Pils nur unzureichechend runterspülen. Wie soll man da noch Spaß haben?

Immerhin scheint am Mittelmeer die Sonne und die Stahlleinen der Boote im Yachthafen von St.Raphael klimpern uns fröhlich in den Schlaf. Die letzte Schleife über die heiligsten Strecken der Rallye Monte Carlo bringt noch einmal eine Minute Zeitverlust. Für das gleichzeitige Navigieren mit Roadbook, Blick auf die Stoppuhr mit dem rechten und Ablesen der kleingedruckten Zahlen der Schnitttabelle mit dem linken Auge fehlen irgendwie die Hirnkapazitäten, um gleichzeitig noch einen Countdown zur Ziellinie herunterzuzählen und dem Chauffeur zu erklären, dass er sich auf der Passhöhe des Col de Turini rechts halten muss. Man müsste sich bei der Rückkehr vom Online-Ressort eine zusätzliche Festplatte und einen größeren Arbeitsspeicher implantieren lassen.

Im Hafen von Monte Carlo strahlt die Sonne bei 15 Grad. Wie die Rallye-Weltrmeister dürfen wir eine Ehrenrunde durch den Hafen drehen und uns im Ziel auf der Promenade beklatschen lassen. Es bleiben Platz 26 und die Bilder im Kopf von einigen der schönsten Gegenden und Straßen Frankreichs. Auf geschlossener Schneedecke durch die Berge zu driften, davon können die Starter der regulären Rallye Monte Carlo nur träumen.

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