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Honda NS-X im Tracktest

Mit dem Honda NS-X GT auf der Rennstrecke

Honda NS-X Foto: Yoshi Kimura 16 Bilder

Der Honda NSX aus der japanischen GT-Rennserie schickt 500 PS an die Hinterachse. auto motor und sport nahm mit dem Rennwagen im Tracktest die hondaeigene Rennstrecke von Montegi unter die Räder.

16.07.2010 Bernd Ostmann

Für das Honda-Team ist es eine Premiere. Angeblich hat noch kein Journalist ihren Champion bewegt. Entsprechend besorgt sind die Mienen. Die Japaner haben einen unschuldigen Honda Accord R vor die Box gestellt. Damit soll der Novize erst einmal die Strecke erkunden - mit Helm versteht sich, man weiß ja nie. Montegi, die hondaeigene Rennstrecke, liegt idyllisch zwischen Reisfeldern und grün bewaldeten Hügeln.

180 Kilometer sind es bis Tokio. Mindestens drei Mal pro Jahr herrscht hier der Ausnahmezustand: etwa wenn die Indy Racing League (IRL) in Montegi auf dem Highspeed-Oval bei Tempo 300 ihren japanischen Meisterschaftslauf absolviert oder wenn die Moto GP-Helden und die japanische GT-Rennserie auf der 4,8 Kilometer langen Rennstrecke um die Bestzeit kämpfen.

Honda NS-X GT erfordert spezielle Einstiegsprozedur

Nach drei Runden ist das Warm-up mit dem Honda Accord zu Ende, also: Platz nehmen im Honda NS-X GT zum Tracktest. Was gar nicht so einfach ist. Das Lenkrad lässt sich zwar nach oben wegklappen, doch der Türschweller ist eigentlich ein überdimensionaler Luftschacht und sehr breit, die Türöffnung dafür eher schmal. Der Einstieg hat es also in sich: erst das linke Bein in den Fußraum einfädeln, den Körper mit den Armen am vorderen Dachholm fixieren, das rechte Bein im Fußraum platzieren - und dann den Körper in den Sitz gleiten lassen, mehr oder weniger elegant.

Die Mienen der Mechaniker haben sich nach dieser Übung nicht wirklich entspannt - sie war wohl wenig elegant. Der Pilot sitzt rechts, was kein Nachteil ist auf einem Rechtskurs - im Gegenteil, man kann viele der Kurven besser anvisieren. Das Prozedere am Start: Hauptschalter an, Starterknopf drücken, Kupplungspedal durchtreten, mit der linken Hand den riesigen Schalthebel mit Nachdruck nach hinten ziehen. Im Display erscheint eine Eins. Die Drehzahl hoch und mit dem linken Fuß die Kupplung kommen lassen - los geht’s.

Heck des Mittelmotor-Renners Honda NS-X wischt blitzartig weg

Im Hinterkopf habe ich noch die Instruktionen - oder waren es Warnungen? - "Vorsicht beim Runterschalten, nicht den Motor überdrehen." Und: "Das Auto untersteuert zuerst und reagiert dann wie ein Mittelmotor-Renner; das Heck wischt blitzartig weg." Die Sorgen scheinen nicht ganz unbegründet. Aus der Boxengasse beschleunigt, stellt sich der Honda NS-X GT im Tracktest im zweiten Gang sofort quer. Kein echtes Problem, die Reifen brauchen eben noch etwas Temperatur. Aber die Gesichter an der Box sind immer noch nicht sehr entspannt. Der Schalthebel sitzt links, hochgeschaltet wird ohne Kupplung, man sollte nur eben mal kurz vom Gas. Runter geht es nicht ganz so kommod. Das Sechsganggetriebe verlangt nach dem Kupplungsfuß, ein kleiner Zwischengasstoß schadet auch nicht. Sind die Pneus erst einmal auf Temperatur, dann ist die Bremsverzögerung gigantisch. Der Beweis: Der Novize bremst zu früh, darf vor der nächsten Ecke noch einmal aufs Gas.

500 PS und 400 Newtonmeter zerren an den Hinterrädern

Die Superdisziplin des Honda NS-X ist jedoch das gierige Einlenken in Kurven, spontan und leichtfüßig. Von Untersteuern ist zunächst nichts zu spüren. Aus der Ecke herausbeschleunigt bleibt der Honda NS-X im Tracktest zunächst lange neutral, dann kommt das Heck - wie abgesprochen. Der Gasfuß sollte deshalb auch stets die nötige Portion Gefühl mitbringen; immerhin zerren bis zu 500 PS und 400 Newtonmeter an den Hinterrädern. Das sensible Zusammenspiel zwischen Lenkrad und Gaspedal ist gefragt. Je weiter der Honda Richtung Kurvenaußenrand schiebt und je weiter der Pilot die Lenkung öffnen kann, desto heftiger darf das Gaspedal ans Bodenblech.

Pedal to the metal. Der V6 brüllt infernalisch. Der Pilot sitzt in der ersten Reihe, hat das Orchester quasi im linken Ohr. Bei 9.600 Touren ist mit dem Konzert Schluss: Die Schaltleiste am Lenkrad blitzt in voller Farbenpracht - erst grün, dann orange, schließlich rot. Der Schalthebel möchte jetzt bitteschön schnell nach hinten gerissen werden. Und die Beschleunigungsorgie geht mit unvermitteltem Schub weiter nach vorn. Der Honda NS-X ist ein Geradenfresser, schnupft die Piste zwischen den Kurven förmlich auf - und möchte vor der nächsten Biegung ähnlich brutal zusammengestaucht werden.

Honda NS-X vs. DTM-Boliden

Bei Honda vergleicht man den NS-X weniger mit einem GT-Renner als vielmehr mit den Silhouette-Autos der DTM. Die DTM-Wagen von Audi und Mercedes besitzen im Unterschied zum Honda NS-X jedoch Vierliter-Achtzylinder-Motoren, die vorn eingebaut sind. Der Pilot ist aus Gründen der Gewichtsbalance mittig weit hinten, quasi direkt an der Hinterachse platziert. Beim Honda ganz anders: Da sitzt er vorn rechts und hat den 3,5-Liter-V6-Mittelmotor im Nacken. Gemeinsam haben die DTM-Renner und der Honda NS-X das kohlefaserverstärkte Monocoque, die Luftschächte, die das Auto seitlich durchziehen, und natürlich den wuchtigen Heckflügel. 460 PS in der DTM stehen den 500 PS des Honda NS-X gegenüber. Dafür bringt der Honda mit 1.140 Kilogramm 90 kg mehr auf die Waage. Der entscheidende Unterschied: Der NS-X steht vorn und hinten auf deutlich breiteren Slick-Reifen. Das Resultat sind höhere Kurvengeschwindigkeiten, die von einem wuchtigen, zwei Meter breiten Flügelmonster am Heck zusätzlich unterstützt werden.

Honda hat mit dem NS-X 2007 die japanische GT-Meisterschaft gewonnen. Für 2010 ist man zuversichtlich, diesen Erfolg wiederholen zu können. Schließlich soll auf dem Honda-Circuit in Montegi das Finale stattfinden. Wir sitzen längst im Shinkansen-Schnellzug Richtung Tokio, als uns eine SMS erreicht: "Wenn Ihr wollt, dann könnt Ihr am Ende der Saison unser aktuelles GT-Auto in Montegi fahren." 

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