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Interview mit Mark Webber

"Manchmal schaltet sich mein Formel 1-Kopf ein"

Mark Webber - Porsche - 24h-Rennen - Le Mans 2014 Foto: xpb 21 Bilder

Mark Webber ist der Star des Porsche-Teams für Le Mans. Der frühere Red Bull-Pilot und neunfache GP-Sieger kehrt mit Porsche zu dem Ort zurück, von dem er sich 1999 mit einen spektakulären Unfall verabschiedete. Webber sprach mit auto motor und sport über das Risiko in Le Mans, die neue Herausforderung und den neuen GP-Sieger Daniel Ricciardo.

13.06.2014 Michael Schmidt
Wie stehen die Chancen von Porsche, das 24h-Rennen von Le Mans 2014 zu gewinnen?

Webber: Wir überraschen uns selbst. Das Auto ist schnell. Der letzte Distanz-Test in Aragon lief sehr gut. Wir stehen in der ersten und zweiten Startreihe. Aber sind wir ehrlich: Dieses Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Wir werden an unserer Leistung am Sonntag gemessen werden, nicht der des Trainings.

Welche Vorteile haben Audi und Toyota?

Webber: Immense Erfahrung. Wir haben uns 12 Stunden auf Le Mans vorbereitet. Unsere Gegner 12 Jahre. Es könnte das Jahr von Toyota werden. Sie haben ihre goldene Chance. Aber ich kann Ihnen versprechen. Nächstes Jahr kommen wir mit einer noch schärferen Waffe.

Haben Sie Le Mans nach 15 Jahren Pause wiedererkannt?

Webber: Die Autos sind viel schneller heute. Ungefähr 15 Sekunden pro Runde. Die Technologie ist auf einem ganz anderen Niveau.

Wie war der Übergang vom Einsitzer in ein Rennauto mit Dach?

Webber: Am meisten Gewöhnungszeit habe ich wegen des Gewichts gebraucht. Die LMP1-Autos sind ungefähr 200 Kilogramm schwerer als ein Formel 1, deshalb auch nicht so lebendig. Der Abtrieb ist dafür sehr beeindruckend. Die Power? Mehr als ich über viele Jahre in der Formel 1 hatte. Und der Allradantrieb ist völlig neu für mich.

Haben Sie sich schnell wieder an Le Mans gewöhnt?

Webber: Ich hinke da noch etwas hinterher. In Spa und Silverstone hatte ich Referenzpunkte aus der Formel 1. Da bin ich schnell auf Speed gekommen. Hier in Le Mans schaltet sich mein Formel 1-Kopf manchmal noch ein. Da muss ich mich erst an die unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bremspunkte gewöhnen.

In der Sportwagen-WM ist Benzinsparen angesagt. Macht ihnen das Mühe?

Webber: Wenn ich in der Formel 1 geblieben wäre, hätte ich das jetzt auch. Du musst lernen, dass du die Rundenzeit heute woanders als früher holst. Es ist ein anderes Bremsen, ein anderes Gefühl in speziellen Kurven. Aber ich will nicht klagen: Als Fahrer hast du den Job, die bestmögliche Rundenzeit zu fahren. Ich denke beim Fahren nicht allzu viel über das Benzinsparen nach. Der angenehme Teil ist, dass ich hier nicht jede Runde mir überlegen muss, wie ich die Reifen schone. Im Gegensatz zur Formel 1 haben wir richtige Rennreifen, die nicht gleich einbrechen.

Ist das Fahren im Verkehr ein Problem für Sie?

Webber: Da befinde ich mich noch im Lernprozess. Du musst die langsamen Fahrzeuge respektieren. Es hilft, wenn du weißt, ob der Kerl da vor dir ein Profi oder ein Amateur ist. Bei den Amateuren musst du dir immer etwas Luft lassen. Die schnellen Knicke auf den Geraden sind besonders gefährlich, weil du nie weißt, wohin der Vordermann ausweichen will. Der Unfall von Rockenfeller von vor drei Jahren hat das gezeigt. Du brauchst Erfahrung im Verkehr. Mein Teamkollege Timo Bernhard ist da super.

Machen Ihnen die vielen Unfälle Sorge?

Webber: Le Mans ist eine Strecke der alten Schule. Aber vor ein paar Wochen war ich bei der Isle of Man. Wir glauben, Le Mans ist gefährlich? Hey, wenn du gesehen hast, was die Motorradfahrer auf der TT aufführen, dann ist das hier alles harmlos.

Könnte Le Mans trotzdem sicherer sein?

Webber: Natürlich. Wir erreichen auf den geraden Topspeeds bis zu 350 km/h, und in einigen der schnellen Kurven ist kaum Sturzraum. Wie schon gesagt: Le Mans ist in den letzten 15 Jahren um 15 Sekunden schneller geworden. Die Strecke ist aber nur für fünf Sekunden schnellere Autos sicher.

Was sagen Sie zu dem Job Ihres Nachfolgers Daniel Ricciardo bei Red Bull?

Webber: Er macht genau den Job, den man von ihm erwartet. Daniel war zur Stelle, als die beiden Mercedes Probleme bekamen. Alle haben gelacht, als ich letztes Jahr angekündigt habe, dass das Trainingsduell zwischen Vettel und Ricciardo 50 zu 50 ausgeht. Jetzt lacht keiner mehr.

Wären die aktuellen Formel 1-Auto Ihre Autos gewesen?

Webber: Es ist kein Geheimnis, dass die Fahrtechnik mit dem angeblasenen Diffusor nicht zu meinem Fahrstil gepasst und Sebastian damit viel besser zurechtgekommen ist. In den Zeiten, in dem die Aerodynamik klassischen Stils dominierte, war ich bei der Musik. Vermutlich wäre das auch in diesem Jahr der Fall gewesen. Aber ich will nicht zurückschauen. Einmal musst du einen Schlussstrich ziehen.

Überrascht es Sie, dass Sebastian Vettel sich so schwer tut?

Webber: Überhaupt nicht. Alonso geht es genauso. Diese zwei sind auf Gewinnen geeicht. Und nur auf das. Es ist aber mit den zwei überlegenen Mercedes nicht möglich zu gewinnen. Seb und Fernando müssen sich erst einmal damit anfreunden, dass sie höchstens Dritter werden können. Für einen wie Daniel ist ein dritter Platz noch eine tolle Erfahrung. Er geht mit einer ganz anderen Einstellung an die Sache ran als die Weltmeister, für die es nur Sieg oder Niederlage gibt.

auto motor und sport berichtet für Sie live über das 24h-Rennen von Le Mans 2014. Bei unseren Kollegen von sport auto erhalten Sie zudem weitere Hintergründe zum 24h-Klassiker.

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