Interview Dr. Ulrich Hackenberg, VW-Vorstand für Technische Entwicklung

"Erdgas-Image soll aus Hosenträger-Ecke rauskommen!"

Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring startet das Volkswagen-Werksteam mit zwei VW Scirocco GT24-CNG. Dr. Ulrich Hackenberg, VW-Technikvorstand und Rennfahrer beim 24-h-Rennen über die Erdgas-Technik im Renneinsatz und in der Serie.

Wann begann die Entwicklung des VW Scirocco GT24-CNG?
Hackenberg: Bereits im letzten Jahr haben wir beim 24-Stunden-Rennen einen Erdgas-Golf ins Rennen geschickt, der sich gut geschlagen hat. Darauf haben wir entschieden 2009 mit zwei Erdgas-Scirocco anzutreten.
 
Welche Vorteile hat der Erdgas-Antrieb in der Serie?
Hackenberg: Der größte Vorteil sind die geringen Spritkosten. Man kann ein Mittelklasse-Fahrzeug wie den Passat so günstig wie ein Dreiliter-Fahrzeug betreiben. Der Passat TSI Ecofuel hat als erstes Auto im ADAC EcoTest überhaupt fünf Sterne bekommen. Hier hat er vor allem in der Kategorie der limitierten Schadstoffe Bestwerte erzielt.

Wann kommt die Erdgas-Technik im Scirocco-Serienfahrzeug?
Hackenberg: Wir wollen den Ecofuel-Antrieb demnächst in den sportlicheren Modellen bringen. Zunächst wird die Erdgas-Technik auch im Passat CC kommen, über einen Serieneinsatz im Scirocco denken wir noch nach. Mit dem Motorsport-Einsatz beim 24-Stunden-Rennen soll das Image aus der Hosenträger-Ecke rauskommen.
 
Wie schätzen Sie Nachfrage nach der Erdgas-Technik künftig ein?
Hackenberg: Der Markt für erdgasbetriebene Fahrzeuge entwickelt sich derzeit sehr gut. Lange Zeit waren die geringe Erdgas-Verfügbarkeit an Tankstellen ein Problem. Von Seiten der Industrie waren die produzierten Stückzahlen daher sehr gering. Nun haben sich die Automobil-Hersteller und die Erdgas-Industrie darauf verständigt, das Problem in Angriff zu nehmen. Die Industrie wird mehr Stückzahlen produzieren und die Erdgas-Lieferanten werden ein flächendeckendes Tankstellennetz sicherstellen.

Welche Chancen hat der Scirocco GT24-CNG beim 24-Stunden-Rennen?
Hackenberg: Wir wollen sowohl mit den drei Benzin-betriebenen als auch mit den zwei Erdgas-Scirocco einen Klassensieg erreichen. Letztes Jahr sind wir im Gesamtklassement auf Platz elf gefahren. Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring kann man sich wegen der vielen Teilnehmer nie sicher sein. Das seriennahe Doppelkupplungsgetriebe, der kaum veränderte Serienmotor sowie die komplett aus dem Serien-Scirocco übernommene elektromechanische Lenkung funktionieren hier sehr gut. Platz 25 in der Gesamtwertung mit dem neuen Scirocco GT24-CNG für uns ein großer Erfolg.

Weitere Informationen zum 24h-Rennen auf dem Nürburgring finden Sie auf unserer Schwesterseite sportauto-online.de.

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Christian Gebhardt

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