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Ken Block im Porträt

Mehr als nur ein Youtube-König

Ken Block, San Francisco, Driften Foto: TopSpeed Vanda Borsos 9 Bilder

Mit irren Driftvideos wurde Ken Block berühmt. Doch der Amerikaner kann mehr als Reifen vernichten: Auch als Rallyefahrer und als Geschäftsmann hat er Erfolg.

01.05.2013 Claus Mühlberger

Wenn Ken Block im Fahrerlager der Rallye-WM auftaucht, haben die Ogiers, Hirvonens und Latvalas erst mal Pause bei den Fans. Im Servicepark der Rallye Mexiko in der Provinzstadt Leon purzeln die Fans beinahe über den Zaun, als Block erscheint. Ob Jung oder Alt, alle wollen der größten Rampensau der Rallye-WM nahe sein. Diesem Mann, der die irrsten Drifts der Welt fährt.

Block ist ein Mann mit zwei Gesichtern, ein Januskopf des internationalen Motorsports. In der Öffentlichkeit und erst recht in seinen Videos macht der Drift-Messias aus Kalifornien den grimassenschneidenden Kasper. Er legt den Kopf schief, bleckt die Zähne, sodass der Platin-Schneidezahn im Unterkiefer hervorblitzt. Die Arme breitet er dabei meist aus wie der Christus über Rio de Janeiro. Die Finger der linken Hand spreizt er zum Heavy-Metal-Gruß.

Diese Clown-Nummer zieht Block gnadenlos durch. Und zwar so professionell, dass alle Fans bedingungslos glauben, es gäbe für ihn nichts Schöneres und Aufregenderes, als tausendfach für Fotos zu posieren, die dann sofort in Facebook gepostet werden. Fun, Fun, Fun – bis der Arzt kommt. Die verspiegelte Sonnenbrille dient ihm dabei als Schutzschild.

Mit Schuhen machte Ken Block Millionen

Sind keine Fans und indiskrete Kameras in der Nähe, ist Schluss mit den Hanswurstiaden. Hinter den Kulissen benimmt sich der Kalifornier so, wie sich erwachsene Männer mit Mitte 40 normalerweise benehmen. Im Ford-Hospitalityzelt tollt er mit seinen drei Kindern herum, er spricht mit seiner Frau, und er isst mit Messer und Gabel. Er erlaubt es sich sogar, ein bisschen müde auszusehen. "Klar, ich habe heute Nacht nur fünf Stunden geschlafen."

Wer mit Ken Block über ernsthafte Themen spricht – jawoll, das ist wirklich möglich! –, bekommt schnell eine Ahnung davon, warum es dieser Mann schon mit Mitte 30 zum Dollar-Multimillionär brachte. Denn der Businessman Ken Block gibt schnelle und präzise Antworten, garniert mit ein bisschen Understatement. Genau 87 Millionen Dollar erlösten Block und sein Partner im Jahr 2004 aus dem Verkauf ihrer Schuhfirma DC-Shoes an den Sportklamotten-Multi-Quicksilver. Dabei hatte es zehn Jahre zuvor so harmlos begonnen mit der Karriere des damaligen Architekturstudenten im Mode-Business. "Design und Architektur waren immer ein Teil meines Lebens", sagt er. "Irgendwann habe ich T-Shirts und Schuhe designt. Und zufällig wurde daraus ein großes Geschäft."

Ken Block zeigte, dass er einen guten Riecher für die aktuellen Trends hat – und für pfiffiges Marketing: "Mein Partner Damon und ich kannten viele Jungs aus der Skateboarder-Szene, und wir konnten sie davon überzeugen, unsere Produkte zu benutzen." Die klobigen, bunten Treter von DC wurden Kult in der Skaterszene, und sie machten Ken Block und seinen Partner reich.
Plötzlich stand Ken Block vor einem Luxusproblem: Mit nicht mal 37 Jahren hatte er finanziell ausgesorgt. Doch es stellte sich die Frage: Whats next? Ken Block musste sich nicht lange mit der Antwort aufhalten. Für ihn war klar: Jetzt werde ich professioneller Rallyefahrer. Auch wenn ich bereits in einem Alter bin, in dem andere schon längst ans Aufhören gedacht haben. "Ich war immer ein großer Rallyefan, bereits als Kind", sagt er. "Motorsport hat mir immer schon mehr bedeutet als alles andere auf der Welt. Dummerweise hatte ich nicht die Chance, als Schüler das Fahren auf Schotter, Schnee und Eis zu lernen, so wie all die Skandinavier."

Ken Block ist der Glamour-Boy der Rallye-WM

Was seine eigenen Fähigkeiten angeht, ist der oft schrill auftretende Ken Block keineswegs ein Fantast: "Ich wusste natürlich, dass ich in der WM Probleme haben würde, nicht zuletzt weil mir die Erfahrung fehlte. Das hat sich vor allem bei den Pacenotes bemerkbar gemacht. Doch ich habe mich stetig verbessert. Und ich bin einer von nur vier Amerikanern, die es je geschafft haben, in der Rallye-WM Punkte zu holen." Seinen bislang besten Auftritt hatte er im März, als er beim WM-Lauf in Mexiko nach spektakulärer Fahrt als Siebter ins Ziel kam.

Ken Block hat diebisch Spaß daran, sich mit den ungleich erfahreneren und auch jüngeren Vollprofis der Rallye-WM zu messen. Eigentlich müssten ihm die WM-Organisatoren deswegen vor Dankbarkeit den Gasfuß lecken: Denn der Amerikaner bringt jenen Glamour in die um Medienaufmerksamkeit ringende Szene, den die WM oft so schmerzlich vermisst. Nicht Ken Block braucht die Rallye-WM, sondern die Rallye-WM braucht einen Typen wie Block.

Doch mehr als ein paar gelegentliche Gastspiele in der WM will sich Ken Block nicht gönnen. "Zu viel zu tun", sagt er. "Ich habe ja noch meine Driftvideos, und ich starte in der Global Rallycross Championship." In dieser aufstrebenden US-Serie fährt er einen Allrad-Fiesta, der seinem WRC-Auto auf den ersten Blick sehr ähnlich sieht. Wichtigster Unterschied: Statt 310 PS leistet der Rallycross-Renner mehr als 600 PS.

Noch ein bisschen besser im Futter steht der Fiesta in der Version, in der ihn wohl alle Freunde des Motorsports schon einmal auf Youtube gesehen haben. Im zehnminütigen Video "Ghymkhana 5" schießt sich Block mit einem 650-PS-Fiesta so vehement durch die malerische Kulisse von San Francisco, dass selbst Steve McQueen – würde er denn noch leben – die Spucke wegbliebe.

Rund 250 Millionen Mal wurden Ken Blocks Drift-Späße im Internet schon geklickt. Cineasten mögen über einen Mangel an feinsinniger Handlung klagen – aber das ist bei anderen Videos nicht anders. Auch bei Block geht es um die schiere Action, und da kann ihm keiner das Wasser reichen.

Rallye fahren ist schwieriger

"Das größte Problem bei dem fünftägigen Dreh in San Francisco lag darin, dass ich viele Szenen aus Zeitmangel nicht trainieren konnte", sagt er. "Die Jungs konnten die Straßen ja nicht ewig sperren." Doch das Fahren im 650-PS-Driftauto, bei dem man die Fahrtrichtung durch den Gasfuß vorgeben kann, sei viel leichter als im Rallye-Fiesta. "Beim Gymkhana-Auto geht es darum, so quer wie möglich zu fahren und wild herumzudriften. In der Rallye-WM muss ich einen sauberen Strich fahren. Nur so ist man schnell. Das Fahren ist definitiv viel schwieriger. Eine große Herausforderung."

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