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Kommentar zum Nissan LMP1-Projekt

Nissan-Abschied auf Raten?

Impressionen - 24h-Rennen Le Mans 2015 - Sonntag - 14.6.2015 Foto: Nissan 20 Bilder

Marcus Schurig über den Abgang von Nismo-Brand-Manager und Motorsportchef Darren Cox und die Frage, ob das ausreicht, um das Nissan-LMP1-Programm für 2016 wieder auf Spur zu bringen.

16.11.2015 Marcus Schurig Powered by

Eigentlich hätte Nissan mit dem skurrilen frontgetriebenen GT-R LM Nismo die volle Saison der Sportwagen-WM 2015 bestreiten sollen. Es wäre also ungefähr jetzt, im November, an der Zeit gewesen, ein erstes Fazit der Nissan-Bemühungen zu ziehen. Das können wir uns hier in sportlicher Hinsicht vollständig verkneifen, denn erst wurden die WM-Auftaktrennen in Spa und Silverstone gestrichen, dann tauchte man in Le Mans auf, mit verheerenden Ergebnissen: Volle 20 Sekunden fehlten auf die LMP1-Konkurrenz – ein PR-Debakel von unbeschreiblichem und nie gesehenem Ausmaß.

Nissans PR-Gegaukel ging nach hinten los

Nissan und PR-Boss Darren Cox sahen das völlig anders: Man habe sich in Le Mans heroisch durchgekämpft, ein Auto ins Ziel gebracht, und die Headline zum Debakel hätte widersinniger nicht ausfallen können: "Mission accomplished", übersetzt: Auftrag ausgeführt. Diesmal ging das PR-Gegaukel voll nach hinten los, das Delta zwischen realer Performance auf der Rennstrecke und verbaler Inszenierung in den Pressemitteilungen war auch für Blinde und Fachfremde zum Greifen nahe.

Nissan stoppte dann abermals die Teilnahme an weiteren Rennen zur Sportwagen-WM, nach dem Motto: Wir testen jetzt ein wenig, lösen die Probleme, und dann geben wir bei den letzten zwei WM-Rennen in Shanghai und Bahrain Kante. Es konnte niemand überraschen, dass auch dieser Ansatz vollständig in die Hose ging, denn Tests ohne funktionierendes Hybridsystem sind in dieser Klasse und bei diesem Reglement so brauchbar wie ein Nachtsichtgerät bei Tageslicht.

Intern erfolgte mit zeitlicher Verzögerung ein Umdenken: Konzernchef Carlos Ghosn ließ sich mit dem ätzenden Quote zitieren, die Vorgabe habe darin bestanden, anders zu sein und wettbewerbsfähig – man habe aber nur eines der beiden Ziele erreicht. Dann holte man als Teamchef einen Nissan-Manager, Michael Carcamo, und der tat das Naheliegende, nämlich den Verantwortlichen für das Desaster, Darren Cox, aus dem Programm zu drängen, bis der jetzt von sich aus die Reißleine zog.

Cox: Leistung und Versagen

Darren Cox war die Spitze des Eisbergs, aber der eloquente Brite hat auch was geleistet, zum Beispiel dass er Nismo als Sportableger der Marke Nissan nach dem Vorbild etwa von AMG neu positionierte, Nissan in den Motorsport zurückbrachte, und zwar flächendeckend: über die GT Academy, wo virtuelle Gamer zu realen Racern reifen sollten, mit dem LMP2-Motorenprogramm, dem GT3-Projekt mit dem GT-R oder auch dem Engagement von Nissan in der australischen V8-Supercars-Serie. In diesem globalen Kontext war da bei Nissan jetzt schon mehr Zug drin – es wäre unfair, das zu leugnen. Aber Darren Cox überzog es dann mit dem LMP1-Programm: Er vertraute blind auf Designer Ben Bowlby, der mit einem superextremen Exotenkonzept – Frontmotor mit Frontgetriebe und Frontantrieb – die Welt belehren wollte. Das konnte niemals funktionieren, da sind sich alle einig.

Aber genau an diesem Punkt liegt das neuerliche Versagen von Nissan begründet: Denn Ben Bowlby erhält für 2016 eine zweite Chance, um seine verquere Kopfgeburt umzusetzen. Die Frage nach dem Warum kann niemand beantworten. Es gibt nur eine plausible Interpretation, nämlich dass diejenigen, die so was absegnen, selber keine Ahnung davon haben. Nissan hätte jetzt entweder komplett den Stecker ziehen und das LMP1-Engagement Ende 2015 beerdigen sollen oder einen Konzeptwechsel durchpauken müssen. Laut US-Quellen hat Ben Bowlby jetzt Rundenzeitenvorgaben für 2016 gesetzt bekommen: Ist sein Auto bei Tests in Austin zu langsam, dann wird es nicht in der Sportwagen-WM fahren. Also doch ein Abschied auf Raten?

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