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Kommentar zum Wilson-Unfall

IndyCar-Serie muss handeln

Charlie Kimball - IndyCar - Pocono - 2015 Foto: IndyCar 65 Bilder

Wieder hat eine unglückliche Verkettung von Umständen einem Rennfahrer das Leben gekostet. Der Unfall von Justin Wilson erinnert fatal an Felipe Massas Unglück vom GP Ungarn 2009. Alle diskutieren jetzt über geschlossene Cockpits. Das Problem liegt woanders, meint Michael Schmidt.

28.08.2015 Michael Schmidt

Ging es Ihnen auch so? Als ich den Unfall von Justin Wilson beim 500 Meilen-Rennen von Pocono gesehen habe, kam mir sofort Felipe Massa in den Sinn. Und die Frage: Wie viel Pech kann ein Mensch haben? Bei Massa tanzte die Feder aus Rubens Barrichellos Brawn GP vier Sekunden lang über den Asphalt, bevor sie den Brasilianer am Kopf traf. Der Ferrari-Pilot war 259 km/h schnell, als es zum Zusammenstoß mit der 833 Gramm schweren Feder kam.

Bei Justin Wilson irrte die Nase des Ganassi-Dallara von Sage Karam ganze 6 Sekunden lang auf der Rennstrecke herum, bis sie der Andretti-Pilot aufgabelte. Ihm war möglicherweise die Sicht durch ein Auto verdeckt, das schräg vor ihm fuhr. Im Gegensatz zu Massa hätte Wilson das Teil wahrscheinlich sogar erkennen können, weil es wesentlich massiver war als eine Feder.

Aber bei Tempo 350 kommt jede Reaktion zu spät. Und bei einem Projektil, das mehrere Kilogramm wiegt, ist die Überlebenschance gleich null. Das ist schon fast mit dem Feuerlöscher zu vergleichen, der Tom Pryce 1977 in Kyalami am Kopf traf.

Diskussion über geschlossene Cockpits

Der Unfall und seine Parallelen aus der Vergangenheit bringen natürlich wieder die Diskussion in Gang, ob die Cockpits von Formel-Autos nicht mit einem Schutz versehen werden sollen. Trotz des tragischen Unfalls bin ich kein Freund dieser Lösung. Weil es einem Monoposto sein typisches Erscheinungsbild nimmt.

Und wenn es schon sein muss, dann am liebsten eine Glaskanzel wie bei Adrian Neweys Red Bull-Studie X2010. Das sieht noch am elegantesten aus. Alles andere, was ich bisher gesehen habe, überzeugt mich nicht. Und ich zweifle, ob zum Beispiel die Mercedes-Idee (siehe Galerie) ein Projektil mit dem Gewicht einer Nase oder eines Reifens abgehalten hätte.

Vielleicht könnte man das Nasenproblem auch ganz anders lösen. Zum Beispiel mit einem Halteseil wie bei den Reifen. Ein Kevlarseil könnte die Nase von innen mit dem Chassis verbinden. Bei einem Nasenwechsel würde der Boxenstopp etwas länger dauern, aber damit könnte man leben.

Sind neue Aerokits gefährlich?

Bei den IndyCars liegt das Problem jedoch ganz woanders. Highspeed-Unfälle im Oval führen fast immer dazu, dass alle möglichen Teile durch die Gegend fliegen. Wer die Rennen von Indianapolis, Fontana und Pocono gesehen hat, der muss den Verdacht haben, dass mit den neuen Aero-Kits der IndyCars etwas nicht stimmt. So gut sie auf Straßenkursen sind, so kritisch sind sie offenbar im Oval.

Die Unfälle von Charlie Kimball, Marco Andretti, Tony Kanaan, Helio Castroneves und Sage Karam in Pocono trugen alle eine Handschrift. Schauen Sie sich die Bordkamera-Aufnahme des Trainingsunfalls von Charlie Kimball an (>> Video). Das Heck brach ohne Vorwarnung aus. Diesen Typ Unfall haben wir in dieser Häufigkeit im Oval schon lange nicht mehr gesehen. Hier muss IndyCar handeln. Je mehr Unfälle, umso größer die Chance, dass sich so ein tragisches Unglück wie das von Wilson wiederholt.

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