Tom Kristensen im Audi R15 TDI

Rekordsieger peilt neunten Le Mans-Titel an

Audi R15 TDI

Tom Kristensen ist der Marathon-Mann von Le Mans: Acht Siege - das bedeutet Rekord. Vor dem großen Duell Audi gegen Peugeot am 13. und 14. Juni erklärt der Däne, worauf es ankommt beim Langstrecken-Klassiker.

Acht Mal hat Tom Kristensen in Le Mans gewonnen. Doch sein Triumph im vergangenen Jahr war etwas ganz Besonderes. "Es war ein Sieg der Menschen über die Maschine", sagt er. "Dank toller Teamarbeit und hervorragender Taktik haben wir das überlegene Auto geschlagen." Gemeint ist der Peugeot 908 HDi.

Peugeot 908 HDi hat dem Audi R15 TDI gegenüber Vorteile beim Top-Speed

Kristensen redet wie ein Wasserfall. Das Wort "Peugeot" nimmt er aber nicht in den Mund, so als würde es Unglück bringen, den Gegner beim Namen zu nennen. "Sie", sagt er stattdessen. "Sie könnten nicht motivierter sein als jetzt." Aber, so räumt er ein, beim Top-Speed haben "sie" immer noch leichte Vorteile. "Das diesjährige Rennen wird sehr interessant."

Audi reist mit drei neuen Diesel-Prototypen an die Sarthe. Der Audi R10 TDI, der bei den Sportwagen-Rennen der Welt drei Jahre lang fast ohne Makel die Rolle des Platzhirsches bekleidete, musste Platz machen für den Audi R15 TDI, ein "Diesel-Rennauto der zweiten Generation".

Der Audi R15 TDI ist auf Augenhöhe mit dem Peugeot 908

Seine Feuertaufe bestand der Audi R15 TDI mit Bravour. Im März gewannen Kristensen, Allan McNish und Dindo Capello die Zwölf Stunden von Sebring - auch gegen Peugeot. Der Audi R15 ist auf Augenhöhe mit dem Peugeot 908 - mindestens. Als Energiequelle dient ein V10-TDI, der trotz des unveränderten Hubraums von 5,5 Litern weitaus kompakter daherkommt als der Audi V12. "Die ganze Antriebseinheit ist leichter", erläutert Kristensen. Die hecklastige Gewichtsverteilung des Audi R10 ist Geschichte. "Speziell in Wechselkurven ist der Audi R15 viel flinker; dieses Auto kannst du am Schlafittchen packen und ausquetschen. Im R10 hast du dein Hauptaugenmerk nicht primär auf hohes Tempo in den Kurven gelegt, sondern darauf, möglichst schnell wieder beschleunigen zu können. Das führt zu einem eckigen Fahrstil. Der Audi R15 TDI benimmt sich mehr wie ein konventionelles Rennauto. Der Audi R10 hatte seine Stärken vor allem beim Bremsen und beim Topspeed."

Das Audi R15 TDI-Trio hält auch in Le Mans zusammen

Teambuilding ist bei Audi Motorsport mehr als ein Schlagwort. Die Ingolstädter Werkssportler leben Begriffe wie Teamgeist und Kameradschaft vor. "Dindo, Allan und ich", sagt Kristensen, "wir sind eine starke Einheit, wir vertrauen uns und machen unsere Späße miteinander, aber wir pushen uns und das ganze Team. Und helfen uns gegenseitig." Auch in der Abstimmung des Fahrwerks liegt bei diesem Audi R15 TDI-Trio kein Konfliktpotenzial: "Allan, Dindo und ich brauchen das gleiche", sagt Kristensen. "Das ist einfach. Mit anderen Audi-Fahrern gab es in der Vergangenheit oft Diskussionen." In solchen Fällen rät der Däne, sich am schwächsten Mannschaftsmitglied zu orientieren.

Der Wetterbericht ist für den Erfolg des Audi R15 TDI in Le Mans wichtig

"Alle müssen sich beim Audi-Fahren wohlfühlen." Konkret bedeutet dies für Kristensen: "Man will keinen Audi R15 TDI, der allzu sehr untersteuert." Es sollte sich neutral verhalten. "Ein zu spitz abgestimmtes Auto ist auch nicht hilfreich. Da handelt man sich einen zu großen Reifenverschleiß ein."

Essenziell für den Erfolg in Le Mans ist auch ein exakter Wetterbericht. "Normalerweise startet man bei warmen Temperaturen, über Nacht kühlt es ab, dann kann man weichere Gummimischungen fahren." Zu Beginn des Rennens brauche man nicht unbedingt ein Auto, mit dem man attackieren kann, obwohl es ganz nett sei, bei Live-Übertragungen im Fernsehen vorne zu liegen, grinst Kristensen.

Tom Kristensen will nur noch ein Jahr in der DTM fahren

"Le Mans wird nicht in der ersten Rennstunde gewonnen, wurde da aber schon oft verloren." Meist geht das Rennen spät in der Nacht oder am frühen Morgen in seine entscheidende Phase. "Da braucht man dann ein Auto, mit dem man angreifen kann", sagt Kristensen. Um optimal gerüstet zu sein, muss man in puncto Reifenwahl und Abstimmung antizipieren, also erahnen, wie sich Luftfeuchtigkeit und Temperatur entwickeln werden. "Da sind wir bei Audi R15 TDI gut aufgestellt, weil wir auf eine riesige Datenbank aus den Vorjahren zurückgreifen können." Kürzlich hat Tom Kristensen angekündigt, nur noch ein Jahr in der DTM zu fahren. "Ich will mich ganz auf meine sportliche Liebe konzentrieren, die Sportprototypen."

Ob Tom Kristensen den Ehrgeiz habe, sich nicht nur als Rekordsieger, sondern auch als ältester Sieger aller Zeiten ins Le Mans-Geschichtsbuch einzutragen? Lachend winkt er ab: "Ich bin erst 41. Es ist also etwas früh, mich das zu fragen. Aber ich glaube nicht, dass man als 50-Jähriger dort noch gewinnen kann. Dazu sind die heutigen Autos physisch zu anspruchsvoll."

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Claus Mühlberger

Autor:

auto motor und sport, Heft 12 / 2009

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