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Lancia Rallye 037 im Tracktest

Ritt mit dem Gruppe-B-Monster

Lancia Rallye 037, Impression,  Tracktest, Foto: Dani Heyne 18 Bilder

Wenn Rallye-Gott Walter Röhrl über den Lancia 037 sagt, es sei das perfekte in seiner Karriere gewesen, ist Vorsicht geboten. Vor allem, wenn man schon drin sitzt und das rechte Bein zuckt.

24.06.2016 Dani Heyne 1 Kommentar

Das sagt sich so leicht: Drehzahl zwischen 2.500 und 3.000 Touren halten und sanft, aber bestimmt den Druckpunkt der Kupplung ertasten. Aber nicht zu lange warten, sonst verglüht das Teil. Und bitte kein Vollgas beim Start! Hier will keiner einen Katapultflug sehen, der im Graben endet. Raphaele Terlinzzi, Hüter der klassischen Lancia-Modelle in Italien, schmunzelt, nachdem er die Instruktionen mit der Miene eines Schwiegervaters vorgetragen hat, und fügt hinzu: „Wäre nicht nur peinlich, sondern sehr teuer.“

Lancia Rallye 037 – Röhrls Liebling

Willkommen im Lancia Rallye 037! Einem Gruppe-B-Monster der frühen 1980er-Jahre. Solch ein Auto hatte auch Walter Röhrl unter dem Allerwertesten, als er 1983 in der Rallye-Weltmeisterschaft startete. Der Titel interessierte ihn nicht, das verkündete er von Anfang an. Röhrl ging’s um den Spaß am Querfahren. Er wollte zeigen, was er kann. Und Lancia wollte beweisen, dass Audis Allradstrategie zu schlagen war.

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Tracktest Lancia Rallye 037
auto motor und sport 10/2016
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Lancia Rallye 037, Impression,  Tracktest, Foto: Dani Heyne
Vierzylinder in der Mitte, doppelte Stoßdämpfer hinten.

Zur Erinnerung: 1981 hatte es Audi irgendwie geschafft, den Motorsport-Weltverband davon zu überzeugen, das Allradverbot aufzuheben und damit die Spielregeln im Rallye-Sport zu verändern. Es brauchte jedoch ein paar Jahre, bis die bissigen Heckschleudern chancenlos waren. Der 037 war einer von ihnen.

Lancia begann Anfang der 1980er an ihm zu arbeiten – basierend auf dem Beta Montecarlo. Die Fahrgastzelle äußerst flach und eng, vorn und hinten Gitterrohr-Hilfsrahmen für Fahrwerk, Motor und Getriebe. Den knappen Sportdress – anfangs noch aus Fiberglas, am Ende aus noch leichterem Kevlar und Carbon bestehend – zauberte Pininfarina.

325 PS auf 960 Kilogramm

Bei nicht mal 1,25 Metern Höhe sah der 037 dem Stratos ähnlich, erstickte aber mit einem längeren Radstand jedes Getuschel über nervöses Fahrverhalten im Keim. Klar war dagegen: Sein Vierzylinder mit 2.111 Kubik stammte aus dem siegreichen Fiat 131 Abarth und wurde von einem Kompressor mächtig unter Dampf gesetzt. 325 PS waren die Ausbeute, die es im 037 Rallye mit nur 960 Kilogramm zu tun bekommen.

Oder anders ausgedrückt: Ein PS muss gerade mal drei Kilogramm nach vorn schleudern. Ein Kinderspiel!
So berichtet es auch Walter Röhrl, der den 037 noch heute als „das perfekte Rallye-Auto“ seiner Karriere verehrt. In mehreren Interviews bescheinigt er dem Lancia nicht nur brutale Kraft, sondern vor allem eine sensationelle Präzision. Demnach wird der Fahrer im 037 ein Teil des Autos.

Höchste Zeit, den Druckpunkt zu finden, die 18-Zoll-Hinterräder zur Party einzuladen und unter dem Schwiegervaterblick von Signore Terlinzzi sanft nach vorn zu sprinten. Sofern das möglich ist.

Es ist möglich! Obwohl der Kupplungsweg nur wenige Zentimeter bietet, greift alles sauber ineinander. Der 037 schießt mit mechanischem Gezwitscher nach vorn – dabei hat der rechte Fuß doch noch gar nicht richtig zugedrückt. Der erste Gang lässt den Gedanken keine Luft, also schnell den zweiten finden und dabei nicht zimperlich sein, Kupplung raus, etwas mehr Gas. Peng!

Das Vertrauen steigt von Runde zu Runde

Der Vierzylinder faucht noch lauter und katapultiert den Lancia nach vorn. Was für ein Monster. Der Motor hängt so direkt am Gas, als ob sie ihm die komplette Schwungmasse genommen hätten. Bei 6.000 bekommt er den dritten Gang und bedankt sich mit einem Tritt. Nicht nur die blitzschnelle Reaktionszeit überrascht, sondern auch seine präzise Art.

Nach 2Runden auf dem asphaltierten Kurs sind nicht nur die Reifen auf Temperatur – es kocht im Innenraum. Nach 4 Runden reicht das Vertrauen, um das Drehzahlband des Vierventilers auszuloten. Halleluja! Nach 6 Runden testen wir den Kurvenspeed, der unfassbar hoch ist. Dank des niedrigen Schwerpunktes und der guten Gewichtsverteilung schießt der Lancia durch die Kehren. Nach 8 Runden drückt dann zum ersten Mal das Heck. Typisch Mittelmotor: ohne Ankündigung.

Lancia Rallye 037, Impression,  Tracktest, Foto: Dani Heyne
"Dieser Lancia war ein Teil meines Körpers. Er war perfekt". Walter Röhrl über den 037.

Fünf Minuten zeigt ein nervöser Signore Terlinzzi jetzt an – dann will er den 037 zurück. Am Stück. Also kosten wir den Druck in allen Gängen noch einmal richtig aus, huschen durch die Spitzkehre und erinnern uns beim Abkühlen an Walter Röhrl. Sie haben das Dach ausgebeult, damit er hier reingepasst hat. Dabei steigt man ja gar nicht ein, man zieht sich diesen Lancia über.

Und noch eine Besonderheit gibt’s: Während die Deutschen damals ihre Autos möglichst haltbar konstruierten, haben die Italiener auch darauf geachtet, alle wichtigen Bauteile schnell tauschen zu können. Röhrl erinnert sich, dass einmal ein Getriebe an seinem 037 gewechselt wurde – in 8 Minuten. 1983 hat er zwar auf den Rallye-Titel verzichtet – und doch auf seine Art gezeigt, wie unfassbar schnell er war. Und mit welchen Talenten der Lancia Rallye 037 gesegnet ist. Das letzte erfolgreiche Gruppe-B-Monster mit Heckantrieb.

Neuester Kommentar

2016: Polo, Hyundai, Fiesta usw. Früher war wirklich (nachweisbar zumindest bei Rallyes) alles besser. Und es tut weh daß ein paar drittklassige Manager Lancia sterben ließen.

Umwasgehteshiereigentlich 25. Juni 2016, 12:35 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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