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Maserati GT MC Trofeo

Der Gran Turismo MC im Tracktest

Maserati Gran Turismo MC Trofeo Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Trotz zwei Tonnen Leergewicht ist der Maserati Gran Turismo S ein schnelles Reise-Coupé. Dank Gewichtskur geht sein Rennableger MC noch deutlich zackiger an den Start.

20.09.2009

"Zuerst dachte ich, aus diesem Auto einen Rennwagen zu machen soll ein Witz sein. Aber fahr erst mal selbst", sagt Andrea Bertolini. Mit vielversprechendem Lächeln deutet der Maserati-Testfahrer und amtierende FIA GT-Champion in Box Nummer 24 der italienischen Formel 1-Teststrecke Autodromo Vallelunga auf den weiß-blauen Renner. Dann lässt er den Gastfahrer mit der Frage allein, ob die Verwandlung vom gewichtigen Grandseigneur zum agilen Sprinter geglückt ist.

Der Maserati Gran Turismo S schlüpft ins Sportoutfit

Gestatten MC, Maserati Grand Turismo MC, die von der Motorsportabteilung Maserati Corse entwickelte Rennversion des Straßenmodells Maserati Gran Turismo S. Der Langstrecken-GT schlüpft dafür ins Sportoutfit. So schlingt der MC die Luft nicht nur durch den dreizacktypischen Belüftungsschlund, sondern atmet auch durch zusätzliche Kiemen und eine klaffende Lufthutze in der langgezogenen Nase so tief ein, als wolle er den glühenden Asphalt aufsaugen. Doch ein Trikot macht aus einem Fan noch lange keinen Profisportler. Also runter von den Flaniermeilen, rein ins Kurvenlabyrinth der Testpiste nahe Rom. Drei, zwei, eins. Die Boxenampel springt auf Grün. Leichtfüßig galoppieren die 400 Pferde des ursprünglich von Ferrari entwickelten V8 aufgeregt los, als würde sie ein Jagdhund von der Weide treiben.

Der Maserati Gran Turismo MC brüllt heiser und schmutzig

Während im Straßenauto der Auspuff nur per Tastendruck zum kraftvollen V8-Tenor wird, muss die Rennabgasanlage nicht erst die Klappen aufreißen. Ab der ersten Umdrehung bis zur Höchstdrehzahl von 7.400/min röhrt sie dank Rennkats und weniger Gegendruck mit heiser-schmutzigem Gebrüll, untermalt von sexy Zwischengasstößen beim Runterschalten. Klack - ein leichter Ruck an der aus Karbon gefrästen Schaltwippe rechts hinter dem Alcantara-Sportlenkrad, und das Cambiocorsa-Getriebe imitiert ein Schnellfeuergewehr, donnert blitzschnell eine Gang-Salve nach der anderen ab. Mit 100-Millisekunden-Schaltpausen hechelt es von einer Fahrstufe zur nächsten. Für den Renneinsatz blieben die Übersetzungen der sechs Gänge unverändert, aber die Maserati-Ingenieure arretierten die in der Straßenversion adaptive Schaltbox für den Renneinsatz im schnellsten Schaltmodus.

Der Maserati Gran Turismo MC beherrscht die ganze Kurven-Klaviatur

Anbremsen, Fünfter, Vierter, Dritter, einlenken. Im MC-Cockpit kehrt schnell Rennroutine ein. Das Repertoire der italienischen Flunder ist dabei vielfältig. Egal, ob Highspeed-Biegung, Haarnadel oder Schikane - der Maserati Gran Turismo MC beherrscht mit seiner ausgeglichenen Balance die ganze Kurven-Klaviatur. Zackig folgt die im Vergleich zum Straßenbruder etwas straffer abgestimmte Servolenkung den Lenkbefehlen und scheucht das Dreizack-Coupé millimetergenau an die rot-weißen Curbs. Ein kurzes Déjà-vu-Erlebnis gibt’s dann aber am Eingang von engen Kurven doch noch. Leicht untersteuernd schiebt der Maserati Gran Turismo MC in die Kehre und erinnert kurzzeitig an das Fahrdynamik-Talent seines zivilen Bruders, mit dem man besser auf leeren Autobahnen im Mondschein als auf dem Grand-Prix- Kurs in Hockenheim ans Limit geht.

Maserati Gran Turismo MC auf Diät

Dank verbesserter Gewichtsverteilung durch den weiter vorne installierten 120-Liter-Tank und den Abtrieb generierenden Heckklappen-Bürzel (40 Kilogramm bei 200 km/h) wedelt der Maserati Gran Turismo MC erst bei rüden Lastwechseln und allzu frühen Gasstößen mit dem Hintern. Auch Wankbewegungen im Grenzbereich verhindert das neue Sportfahrwerk mit einer Feder-Dämpfer-Kombination von Eibach und Sachs fast vollständig. Eine Extrem-Diät sorgt für das neue Fahrgefühl. Im Vergleich zur Serienversion bringt der Italo-Renner mit einem Leergewicht von 1.360 Kilogramm fast 600 Kilo weniger auf die Waage. Das Erfolgsrezept des Fitnessprogramms ist einfach: Für den Renneinsatz wirft sich der Maserati Gran Turismo MC ein neues Karosseriekleid aus Kunststoff-Bauteilen über, im Innenraum weichen Lederausstattung und Rücksitze des ursprünglichen 2+2-Sitzers dem eingeschweißten Überrollkäfig und einem spartanischen Sparco- Schalensitz. Von Armaturenbrett und Mittelkonsole aus Karbon purzeln weitere Pfunde. Bis auf die Frontscheibe wechselt die Rennabteilung außerdem die normale Verglasung gegen leichte Lexan-Scheiben aus.

Ein Klick und die Muskeln des Maserati Gran Turismo schwellen an

Wer das gelöcherte Alu-Gaspedal mit Dreizack aufs Bodenblech presst, sieht weitere Kilos schwinden. Das mittig hinter dem Lenkrad platzierte Display informiert den Piloten neben Drehzahl, Öldruck und Gangwahl auch mit einer Gewichtsanzeige über das Tankvolumen (maximal 100 Kilogramm). Lap 6, Pit in - nach den ersten sechs Runden schwenkt der Mechaniker die Boxentafel mit der Info für eine kurze Zwischenpause. Das neueste Pferd im Maserati-Stall trabt schnaubend in die enge Boxengasse von Vallelunga zurück. Beim Boxenstopp legt die Maserati-Crew kurzerhand das Steuergerät an die Leine. Adapterkabel, Laptop, Bits und Bytes - ein Klick, und die V8-Muskeln schwellen an. Dank modifiziertem Motormanagement rennt der Maserati Gran Turismo MC mit einem Leistungsplus von 50 PS wieder auf die Piste.

Für 160.000 Euro gibt es die schwächere Maserati Gran Turismo Variante

Das Drehmoment klettert um 25 auf 510 Newtonmeter, und der rassige Italiener rauscht mit bissigerer Gasannahme und stärkerem Vorwärtsdrang um den Kurs. Damit die Zeitenhatz nicht unsanft endet, installierten die Renn-Ingenieure eine Brembo-Bremsanlage mit größeren Scheiben an der Vorderachse (380 statt 330 Millimeter). Ohne ABS provozieren unsensible Füße aber schnell stehende Räder und Rauchzeichen aus den Radkästen. "Wir arbeiten mit Bosch an einer besseren Lösung", erklärt Ex-Formel 1-Fahrer Ivan Capelli, der auch an der Testarbeit mit dem Maserati Gran Turismo MC beteiligt war.

Die Jagdgründe des Italo-Renners sind unterschiedlich. "Wir bieten den Wagen in zwei Versionen an, als GT4 und Trofeo", sagt Roberto Bozzi, verantwortlich für das Maserati Gran Turismo MC-Projekt. Die PS schwächere Variante können kaufkräftige Kunden ab 160.000 Euro für die seriennahe GT4-Klasse erwerben. Die heißere Maserati Gran Turismo MC-Version tobt im nächsten Jahr in der Trofeo Maserati, der Wiederbelebung des von 2004 bis 2007 existierenden Markenpokals. Pit in, Lap 12 - leise verschnaufen Ross und Reiter in der leeren Boxengasse. "Und, wie war’s?", fragt Testfahrer Bertolini. Das breite Lächeln des Gastpiloten verrät es - Verwandlung geglückt.

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