Maserati MC 12: Zack Zack

630 PS im Zeichen des Dreizacks: Der Maserati MC 12 ist so schnell, dass ihn die Regelhüter einbremsen mussten. Bei der Vorbereitung des hatte Technikchef Giorgio Ascanelli Formel 1-Maßstäbe angelegt - kein Wunder: Der 46-Jährige fungierte bis 2002 als Entwicklungschef des Ferrari-Teams.

Ursprünglich war der auf dem Ferrari Enzo Ferrari basierende Maserati für das Supercar-Reglement für Autos mit Kohlefaser-Monocoque konzipiert worden, das mangels Teilnehmern doch nicht zum Tragen kam. Daher musste der MC 12 ins Feld der Ferrari 550 und 575 Maranello, Saleen S7R, Chevrolet Corvette und neuerdings Aston Martin DBR 9 integriert werden. Mit Erfolg: Neben Ferrari, Aston Martin und Chevrolet holte der Maserati beim zweiten Lauf in Magny- Cours einen Sieg, was für die Ausgeglichenheit der FIA GT-Serie spricht.

Im Vergleich zu seinen von Seriensportwagen abgeleiteten Konkurrenten gibt sich der derzeitige Tabellenführer schon beim Einstieg als reinrassiges Renngerät zu erkennen. Eine Drei im Schulsport sollte man mindestens gehabt haben, will man ohne Bandscheibenvorfall in das Cockpit des MC 12 gleiten. Sitzt man dann erst mal hinter dem abnehmbaren Lenkrad, erscheint einem der vorhandene Raum durchaus großzügig.

Segensreiche Traktionskontrolle

Bei nur 3.000 Umdrehungen lässt sich indes der MC 12 ohne kniffliges Kupplungsspiel aus der Box fahren. Die alltagstauglichen Manieren sind nicht verwunderlich: Mit rund 630 PS leistet der V12 in der durch zwei Luftmengenbegrenzer im Zaum gehaltenen Rennversion fast genausoviel wie die Straßenvariante, die 632 PS auf die Kurbelwelle stemmt.

Die Elastizität des Motors ist so überraschend wie beeindruckend. Untertouriges Fahren in höheren Gängen verzeiht der Saugmotor mit sechs Liter Hubraum genauso wie das Kitzeln am Drehzahlbegrenzer. Nicht minder geschmeidig arbeitet die servounterstützte Lenkung, die sich zwar keineswegs leicht anfühlt, aber dennoch mit gokartartiger Direktheit verblüfft.

Auch die Kohlefaserbremsen lassen sich zügig warmfahren und stellen ihren harten Biss schon nach anderthalb Runden im optimalen Temperaturbereich zwischen 400 und 450 Grad zur Verfügung. Der Maserati verlangt nach einem weichen, runden Fahrstil. Weniger ist mehr: Bremsen auf der letztmöglichen Rille etwa verhindert gute Rundenzeiten. Das Auto will geschmeidig in die Kurven bewegt werden und nicht ständig am Rande des Abflugs.

Segensreich wirkt die Traktionskontrolle. Sechs Abstufungen stehen den Piloten zur Verfügung; je drei bei Regen und bei Trockenheit. Auch bei zunehmendem Reifenverschleiß regelt die elektronisch gesteuerte Fahrhilfe nach. Zudem wird sie bei jedem Rennen neu auf Bodenwellen und Randsteine programmiert. Der Umgang mit der Traktionskontrolle fordert ein Umdenken beim Fahrstil. Das eigentlich viel zu frühe Gasgeben entwickelt sich aber schnell zur Gewohnheitssache.

Schwere Jugend

Eine leichte Jugend hatte die Rennversion des Maserati MC 12 nicht: Noch bevor sie in Kundenhand so richtig zum Rennen kam, schnippelten die Regelhüter der Motorsport-Weltbehörde FIA peu à peu an ihrer ausladenden Karosserie. Als Reaktion auf zwei Siege und vier weitere Podestplatzierungen der Maserati bei Proberennen in den vier letzten FIA GT-Rennen 2004 musste der hintere Überhang um 14,5 Zentimeter gekürzt werden. Auf Anordnung der Kommissare wurde zudem nur wenige Tage vor dem Saisonstart das Basisgewicht der vermeintlichen Wunderflunder aus Italien um zehn auf 1.110 Kilo erhöht. Auch der mächtige Heckflügel musste links und rechts um jeweils fünf Zentimeter gekappt werden.

Auf die Teilnahme beim größten Langstrecken-Klassiker, den 24 Stunden von Le Mans, musste Maserati - zumindest in diesem Jahr - verzichten. Der veranstaltende Automobile Club d’Ouest befand nicht ohne Zynismus: "Natürlich darf der MC 12 bei uns starten. Allerdings nicht in der GT-Klasse, sondern in der Kategorie der Sport-Prototypen.“ Gegen reinrassige Rennwagen vom Kaliber eines Audi R8 anzutreten, erschien den Maserati-Männern dann aber doch als aussichtslos.

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Gregor Messer

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