Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Entwicklung des Mercedes AMG GT3

So wurde der V8-Kracher renntauglich gemacht

Mercedes AMG GT3, Frontansicht Foto: Andreas Lindlahr / Mercedes 22 Bilder

Mit dem AMG GT3 will Mercedes im Kundensport an die großen Erfolge des SLS anknüpfen. Kann das gelingen? Die Vorzeichen jedenfalls stehen gut. sport auto war bei der Entwicklung des Renners dabei, der am kommenden Wochenende beim vierten VLN-Lauf (4. Juli 2015) seine Rennpremiere feiert.

02.07.2015 Claus Mühlberger Powered by

Der Graue ist in seinem jungen Leben schon mächtig herumgekommen. Ende Februar spulte er seine ersten Kilometer ab auf der Rennstrecke von Vallelunga, Italien. Dann ging es schnurstracks zum Auto-Salon in Genf. Dort hatte der Mercedes AMG GT3 Anfang März seinen ersten ganz großen Auftritt – zu unchristlich früher Stunde. Mercedes-Boss Dieter Zetsche ließ es sich nicht nehmen, mit dem Grauen aufs Podium zu preschen, musikalisch nett untermalt von zünftigem Achtzylinder-Saugmotor-Getöse. So waren morgens um acht alle gleich mal richtig wach.

Bernd Schneider testete den Mercedes AMG GT3

Natürlich kann es für einen Vollblüter wie den Mercedes AMG GT3 nicht besonders befriedigend sein, sich auf einem Salon die Reifen eckig zu stehen und sich begaffen zu lassen. Doch diese Prozedur dauerte nicht lange, denn seine Ziehväter konnten es kaum erwarten, dem GT3 im spanischen Alcarras die Gelegenheit zu geben, sein wahres Talent zu zeigen.

Getreu dem Firmenmotto "Das Beste oder nichts" wurde ein besonders erfolgreicher Fahrer zum Dienst gebeten: Der fünfmalige DTM-Champion Bernd Schneider kümmerte sich darum, verschiedene Fahrwerksabstimmungen auszusortieren. Der 50-Jährige wusste genau, was von ihm erwartet wurde:

"Ich habe immer auf dem Schirm, dass ich nicht ein Auto für den Profirennfahrer Bernd Schneider entwickle, sondern einen GT3, mit dem auch Gentleman-Fahrer problemlos zurechtkommen", sagt er. "Ich bin in den letzten Jahren unzählige GT-Rennen gefahren. Ich weiß, was die Jungs brauchen. Und zwar ein Auto, das sich leicht kontrollieren lässt. Nur dann können die Kunden das Optimale aus sich herausholen."

Zwischen einem performanceoptimierten Auto und einem 'vergebenden' Auto liegen vielleicht zwei oder drei Zehntelsekunden pro Kilometer", schätzt Schneider. "Aber wenn du auf einer Strecke wie Spa im Zeittraining um acht Zehntel zu langsam bist, dann stehst du in der Startaufstellung im Nirgendwo."

500 Testkilometer – pro Tag

An jenem Vorfrühlingstag im mild temperierten Katalonien hat Schneider volles Programm. Den ganzen Vormittag über fuhr er jede Menge kurze Stints mit fünf oder sechs Runden im Mercedes AMG GT3, um verschiedene Setups auszuprobieren. Das Testprogramm wird planmäßig abgearbeitet, denn der neue GT3 macht keinerlei Mätzchen. Alles funktioniert auf Anhieb tadellos – keine Selbstverständlichkeit bei einem neuen Rennauto. Aber auch nicht verwunderlich, zumindest was den Motor angeht. Denn der 6,3-Liter-V8-Sauger, dessen Temperament durch zwei Luftmengenbegrenzer mit je 36 Millimetern Durchmesser gezügelt wird, tat bereits Dienst im Vorgänger des AMG GT3 – dem bewährten SLS.

Für den Nachmittag stehen zwei Longruns über je 40 Runden an. Die Techniker wollen wissen, wie sich die Pirelli-Slicks verhalten. "Bis zum Abend habe ich dann heute rund 500 Kilometer abgespult", sagt Bernd Schneider. Jetzt ist aber erst mal Mittagspause. Also 40 Minuten Zeit, um den in mattem Understatement-Anthrazit lackierten AMG genauer unter die Lupe zu nehmen. Über dem Splitter grinst der autoritäre Kühlerschlund mit senkrechten Chromrippen im Knast-Look.

Zwei Miniflügel unterhalb der Scheinwerferschlitze sollen das Untersteuern eliminieren. Die Schokoladenseite des Mercedes AMG GT3 ist sicherlich das Heck. Mächtige Radhausentlüftungen, der Diffusor mit seinen sauber frisierten Luftleitplanken und der riesige Flügel schinden Eindruck. Von der Seite betrachtet wirkt der Mercedes AMG GT3 deutlich kompakter als der SLS. In nackten Zahlen: Er ist neun Zentimeter kürzer, und auch am Radstand wurden fünf Zentimeter abgeknapst. "Deswegen fühlt sich der GT ja auch agiler an als der SLS", sagt Schneider.

Option auf Klimaanlage im AMG GT3

Flügeltüren sind bei Mercedes jetzt wieder passé. Schlecht für die Show, gut fürs Paket. Denn die normalen Luken sind wesentlich leichter. Wie alle anderen Karosserieteile (mit Ausnahme des Dachs) sind sie aus leichtem CfK gefertigt. Ein Leergewicht von weniger als 1.300 Kilo scheint beim GT keineswegs utopisch.

"Alle GT3-Autos werden von einer FIA-Kommission eingestuft", sagt AMG-Ingenieur Stefan Wendel. Mithilfe dieser Balance of Performance versuchen die Regelmacher, Motorleistung, Gewicht und Tankvolumen so zu wählen, dass alle professionell vorbereiteten GT3-Autos mit den gleichen Chancen an den Start gehen können. Deswegen sei es noch verfrüht, genaue Daten zu veröffentlichen.

Der Vorgänger des AMG GT3, der SLS, war ein Kassenschlager: Nicht weniger als 84 Exemplare der GT3-Version wurden in vier Jahren verkauft. Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten: Das kann auch der Neue schaffen. Zumal es wieder eine Option gibt, die in der GT3-Szene keineswegs selbstverständlich ist – nämlich eine Klimaanlage für schwächelnde Herrenfahrer.

Anzeige
Mercedes-AMG GT, Frontansicht Mercedes-Benz ab 180 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige