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Mini All4 Racing

Heiße Schnee-Fahrt mit dem Dakar-Mini

Mini All4 Racing, Schnee, Foto: Uwe Fischer / Mini 31 Bilder

Seit wenigen Tagen kämpfen 154 Autoteams um den Sieg bei der Rallye Dakar. Um die anspruchsvollste Rallye der Welt gewinnen zu können, heißt es möglichst schnell über Sand, Schotter und Geröll zu räubern. Wir sind im Vorfeld der Dakar im Mini All4 Racing mitgefahren – allerdings auf eisigem Untergrund.

10.01.2014 Andreas Haupt

An der Karosserie des Mini All4 Racing haben sich Eiszapfen gebildet. Wenn der Dakar-Mini wie ein Mensch bibbern könnte, würde er es an diesem kalten Dezembertag im österreichischen Kühtai, nahe Innsbruck, tun. Stattdessen blubbert der schwarz-grüne Mini mit dem weißen Dach nur leise vor sich hin – in Erwartung, sich endlich austoben zu dürfen. Zwar nicht wie gewöhnlich auf Sand, Schotter oder Geröll, sondern auf Schnee. Aber egal: Hauptsache, es wird ihm endlich warm ums Herz.

Mini All4 Racing, Eis, Schnee, Rallye Dakar
Mini All4 Racing: Heiße Schnee-Fahrt mit dem Dakar-Mini 1:38 Min.

Mini All4 Racing mit BMW-Sechszylinder

Das Herz des Mini All4 Racing, das ist ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Diesel mit Biturbo-Aufladung aus dem BMW-Regal. Seine Leistung: 304 PS. Für die Rallye Dakar wurde die Kraftquelle in gewissen Bereichen modifiziert. So ist der Motor beispielsweise mit einer Trockensumpfschmierung ausgestattet, um die Bauhöhe zu begrenzen und eine optimale Schmierung unter extremen Bedingungen gewährleisten zu können.

Extreme Bedingungen durchlaufen die Autos während der Rallye Dakar täglich. Sei es beispielsweise durch hohe Temperaturen oder die dünne Luft bei teilweise über 4.000 Metern Höhe, die den Motoren ihre Kraft raubt. Der Spritverbrauch des Mini All4 Racing erreicht unter Volllast astronomische Höhen: 50 Liter auf 100 Kilometer. Fast 400 Liter beträgt das Tankvolumen.     

Seinen Tank muss der Dakar-Mini auf der Offroad-Strecke nahe Kühtai nicht leeren. Dafür ist die Piste, die von teilweise schneebedeckten Bergen umzingelt wird, zu kurz. Joan "Nani" Roma, einer von elf Mini-Piloten bei der Rallye Dakar 2014 und Mitfavorit auf den Gesamtsieg, streift sich seinen Helm samt Hans-System über.

Cockpit des Mini All4 Racing mit zahlreichen Knöpfen

Auf seinen Co-Piloten Michel Perin, der ihm bei den Rennen den Weg weist, muss Roma heute im Schnee verzichten. Dieses Mal steigt nicht sein Beifahrer, sondern der Autor dieser Zeilen über einen Strohballen in den Innenraum und macht es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich. Das Cockpit des Mini All4 Racing erinnert an das eines Flugzeugpiloten. Das Armaturenbrett aus Kohlefaser wird von zahlreichen Knöpfen und Schaltern dominiert. In diesem Wirrwarr finden sich nur Fahrer und Beifahrer zurecht.

Als Informationsquelle dienen den Insassen mehrere Displays. Direkt vor dem Fahrer befindet sich ein Monitor, der den aktuellen Gang und via LEDs den optimalen Schaltpunkt anzeigt. Auf dem Mitteldisplay lässt sich der Lebenszustand des Mini verfolgen: unter anderem Öl- und Wassertemperatur, sowie der Batterie-Status können dort abgelesen werden. Vor dem Beifahrer ist der Streckenzähler platziert, vom jeweiligen Veranstalter kommt noch ein GPS-System für die Navigation dazu.

Um den Hals trägt Roma ein blau-weiß gepunktetes Tuch zum Schutz vor der Kälte. Statt wie auf manchen Etappen der Rallye Dakar, wo die Temperaturen im Cockpit auf 60 Grad und mehr klettern können, meldet sich in Österreich an diesem Tag der Schüttelfrost. Nachdem der Sechspunktgurt angelegt ist, erkundigt sich Roma: "Are you ready?" – "Sí". Roma legt den ersten Gang ein und drückt seinen rechten Fuß kräftig durch. Aus Schüttelfrost wird Gänsehaut. Sofort beginnt der Mini All4 Racing zu tänzeln. Auf dem glatten Untergrund haben die vier Reifen trotz Spikes schwer zu kämpfen. Bis auf diese Maßnahme zeigt sich das Auto im Vergleich zu dem bei der Dakar eingesetzten Mini übrigens unverändert.

Mit 90 km/h über den Schnee

Mit maximal 90 Stundenkilometern rattert der Spanier in seinem Dienstwagen über die Schneepiste. Dabei vollbringt er jede Menge Handwerkskunst, um den Mini auf der maximal zwei Meter breiten Bahn zu halten: rechts, links, rechts, links, runterschalten, hochschalten – alles in Sekundenbruchteilen. Zwischendrin ein Griff zwischen die beiden Sitze. Dort befinden sich drei Drehschalter, über die Roma das Vorder-, Hinter- und Zentraldifferential steuert. Er habe aber nicht allzu sehr Gas gegeben, meint er im Nachgang.

Angefühlt hat es sich jedoch anders. So sehr der vierradangetriebene Mini beim Gas geben sowie Bremsen hin und her schaukelt und in der Kurve dazu neigt, über den Streckenrand zu rutschen, so sehr bewegt sich der Oberkörper – und vor allem der Kopf – im Fahrzeuginneren. Und das trotz des festsitzenden Sechspunktgurtes, der ein mittleres Schleudertrauma verhindern kann. "Everything ok?", fragt Roma am Wendepunkt. "That was nice", lautet die Antwort.

BMW-Motor in Mini-Hülle

Während der Fahrt im 1,9-Tonner ist an verbale Kommunikation ohne Funkverbindung nicht zu denken. Zu sehr machen sich die Verbrennung in den Sechszylindern und der Turbolader bemerkbar. Der Motor ist eingepackt in eine Mini-Hülle, deren Kontor der des Mini Countryman nachempfunden ist. Ansonsten hat der Prototyp-Rennwagen mit dem Crossover-Modell nur wenig gemein. In Länge (22,5 cm mehr), Breite (20,9 cm mehr) und Höhe (40,5 cm mehr) übertrifft der Mini All4 Racing das Serienmodell bei weitem. Für Aufsehen sorgen insbesondere die rund 30 Zentimeter Bodenfreiheit und die mächtigen Federn, die Bodenwellen und Unebenheiten wie Wasser schlucken.

Konzipiert wurde der Dakar-Mini von Magna Steyr. Der Mini All4 Racing baut auf einem Gitterrohrrahmen auf. Dieser wird von der Firma Heggemann Autosport gefertigt. Die Karosserie aus Karbon und Kevlar liefert das französische Unternehmen Faster Racing. Zusammengebaut wird das Fahrzeug schließlich vom deutschen Privatteam x-Raid. Seit 2011 wird der Mini All4 Racing bei der Rallye Dakar eingesetzt. 2012 und im Vorjahr holte die französische Dakar-Legende Stéphane Peterhansel jeweils den Gesamtsieg für das x-Raid-Team in einem Mini.

"Es ist nicht einfach, mit schweren Autos im Schnee zu fahren. Aber es war nett und ein gutes Training zu gleich. Auf den Untergrund kommt es nicht an, Hauptsache man fährt. Das ist die beste Art, sich auf die Rallye Dakar vorzubereiten", sagt Roma nach der Fahrt. Auf Eis lief es für den Spanier jedenfalls glatt. Mal sehen, wie er sich bei der Rallye Dakar auf anderem Untergrund schlägt. Am 18. Januar wissen wir mehr.

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