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Mini Challenge

So kommen Sie ins Renncockpit

Mini Challenge, Mini John Cooper Works Challenge Foto: Mini 22 Bilder

Der Traum vom Rennfahren - er schwelt in vielen Autobegeisterten. Doch wie wird aus dem Rennfahrertraum Realität? Wir verraten es Ihnen und starten den Selbstversuch in der Mini Challenge. Höhepunkt: Die Teilnahme am Regenrennen auf dem Salzburgring.

21.10.2010 Jens Dralle

Die optimale Drehzahl des Mini Challenge-Renners pendelt sich bei rund 3.000 Umdrehungen ein, noch leuchtet die Startampel rot. Motorgrummeln wabert flächendeckend über den Talkessel des Salzburgrings, kurz bevor sich die Minis wie ein Bienenschwarm ins letzte Rennen der Saison der Mini Challenge stürzen. Mittendrin: auto motor und sport. Doch wie schafft man es, einen Platz in der Startaufstellung der Mini Challenge zu ergattern? Das klappt nur ohne einen Eintrag ins Klassenbuch und mit einem stabilen Magen.

Erster Mini dreht sich in der Einführungsrunde ins Kiesbett

Rasenschnitzel und grobkörniger Schotter liegen großflächig auf dem Boden verteilt, tief hängende, abregnende Wolken verbreiten eine herbstliche Atmosphäre. Endstimmung beim Sommerschlussverkauf in einem Gartenbaumarkt? Nein, denn nachdem sich die Gischt verzogen hat, werden rot-weiße Curbs und ein demoliert im Kiesbett parkender Mini sichtbar - Saisonfinale der Mini Challenge 2010 auf dem Salzburgring, auto motor und sport mittendrin. Und zwar in der zweiten Einführungsrunde des ersten Laufs, nicht etwa beim Kampf um die Plätze.

Das reichlich über die Fahrbahn plätschernde Regenwasser ruft den Teilnehmern bereits jetzt, da das allradgetriebene Führungsfahrzeug ein flottes Tempo vorgibt, die Bedeutung des Wortes Gleitreibung ins Gedächtnis - zumal die Reifen der Wettbewerbsfahrzeuge noch an Unterkühlung leiden. Letzte Haltestelle: Kiesbett. Die Aufräumarbeiten erfordern einen sofortigen Abbruch der Einführungsphase, Streckenposten schwenken eifrig rote Fahnen. Die Mission meines ersten Rundstrecken-Rennens heil und nicht als Letzter über die Ziellinie rollen - droht bereits jetzt auf schmieriger Piste in der nächsten Planke zu enden. Was bedeuten die Flaggen nochmal? Abbruch, klar, aber muss ich jetzt in die Boxengasse fahren? Oder gilt das nur im Rennen? Verflixt, im Lizenzkurs stand doch eigentlich Flaggenkunde auf dem Lehrplan.

Im Lizenzkurs wird Theorie gepaukt

Zwischen dem Kleinholz auf der Rennstrecke und dem Theorieunterricht in klimatisierter Tagungshotel-Atmosphäre am Nürburgring vergingen allerdings rund drei Monate - und warum sollte sich genau in dieser Zeit mein Lernverhalten gegenüber Schulzeit und Studium geändert haben? Ein weiterer Blick ins Regelwerk vor dem Ernstfall Mini Challenge schien entbehrlich, nachdem die Theorieprüfung erfolgreich abgeschlossen wurde. Ein Großteil der Antworten erschloss sich ohnehin durch regelmäßigen TV-Konsum von Motorsportveranstaltungen, beispielsweise wer wann welche Flagge schwenkt und wie sich dann die Fahrer nicht nur verhalten sollen, sondern müssen.

Rot in der Einführungsrunde kommt dabei jedoch eher selten vor. Ebenfalls leicht zu merken: Das Safety Car dient mit den vielen bunten Blinklichtern nicht zur Belustigung des Publikums. Schwieriger: Welche Funktionäre des Deutsche Motor Sport Bundes (DMSB) was während der Veranstaltung regeln. Natürlich ist der Dienstweg bei der Mini Challenge peinlichst einzuhalten, selbst wenn man sich über irgendetwas beschweren möchte. Der eine oder andere Lizenznehmer moserte über die Komplexität des Stoffes, was Instruktorin Traudl Klink so kalt ließ wie Rennslicks vor der Aufwärmrunde.

Auf die Theorie folgt die Praxis im Mini John Cooper Works Challenge

"Tatsache ist, dass ich den Stoff abfragen muss. Wen es nicht interessiert, der hat in der Prüfung ein Problem", ermahnt Traudl. Ihr schelmisches Schmuzeln erinnert mich an meine damalige Englisch-Lehrerin, als sie Klassenbuch-Einträge und Strafarbeiten verteilte. Beide Damen sollten Recht behalten, denn in beiden Fällen kam der Tag, an dem das Gelehrte den Alltag hätte entschärfen können.

Nachdem ich mich in der Prüfung irgendwie durch die Verbandsstrukturen und die Rennleitungs-Hierarchie gestammelt habe, folgte die Praxis, die der Welt zeigen sollte, was für ein großartiges Talent in mir schlummert. Dessen üppige, gut 95 Kilogramm schwere und 1,92 Meter lange Hülle in einem echten Renn-Mini zu verstauen, stellte allerdings eine beachtliche Hürde dar. Irgendwann gelang es der rührigen Mechaniker-Crew, mich in den Schalensitz des Mini John Cooper Works Challenge zu schrumpfen und per streng verzurrten Vierpunktgurten das Atemvolumen erheblich einzuschränken.

Kalte Reifen sorgen für den ersten Dreher im 211 PS-Mini

Traudls Hinweis, ich möge doch bitte die kalten Reifen beachten, nehme ich mit der Arroganz des unentdeckten Talents zur Kenntnis, doch da letzteres weiterhin in mir schlummert statt zu erwachen, parke ich den Mini nach der ersten Kurve auf der Grand Prix-Strecke des Nürburgrings entgegengesetzt zur Fahrtrichtung. Erste Lektion in Sachen Rennwagen: Nahezu alles dreht sich um die Reifen. Sie wollen wohl temperiert sein und nicht zu heftig beansprucht werden, was sie mit einer Haftung danken, die selbst Juristen nicht anzweifel können.

Abgesehen von den Reifen verkleidet sich der Mini im Markenpokal, der Mini Challenge, auch sonst als echtes Wettbewerbsgerät. Nackt bis auf die Fragmente des Armaturenbretts, massive Sicherheitszelle, in Zug- und Druckstufe einstellbares Fahrwerk, optimierter 1,6-Liter-Turbomotor mit 211 PS, integrierte Hebeanlage - vom Schickimicki-Kleinwagen bleibt nichts übrig. Naja, die elektrischen Fensterheber vielleicht. Doch diesen Lapsus gleicht das aufwändig programmierte Renn-ABS wieder aus.

Von 100 auf Null in 31 Metern

Dieses 49.900 Euro teure Gesamtpaket beschleunigt in 6,1 Sekunden von null auf 100 km/h, verzögert den Mini John Cooper Works Challenge aus diesem Tempo innerhalb von 31 Meter wieder zum Stillstand und wird maximal 240 km/h schnell. Geschaltet wird wie im Serienauto per Sechsgang-Handschaltung - ganz normal also, zumindest glaube ich das zu diesem Zeitpunkt noch. Einige andere Lizenzanwärter glauben zu diesem Zeitpunkt noch, dass sich ein Rennwagen wie ein Straßenfahrzeug bewegen lässt. Nach nur zwei geführten Runden hinter Traudl ändert sich ihre Ansicht zu diesem Thema ebenso wie die Gesichtsfarbe.

Bloß nicht provozieren lassen

So dezimierte sich das Fahrerfeld zwecks Regeneration der Verdauungsorgane zusehends, die verbliebenen Mini-Piloten schubste die Renn- und vor allem Nordschleifen-erfahrene Traudl Runde für Runde in diverse Wettbewerbssituationen. Beispielsweise, wenn ein Konkurrent von hinten drückt. Falsche Reaktion: provozieren lassen, dadurch heftig übersteuern und so den Zweikampf verloren. Richtig: Ruhe bewahren und auf die Ideallinie konzentrieren. Oder wenn das Safety Car ausrückt. Falsch: Sich freuen, den langsamen Trottel sportlich versägen zu können. Richtig: Sich brav dahinter einreihen und darauf achten, wann die Lichter ausgehen - denn dann geht’s wieder los. Eine gute Platzierung hängt eben nicht allein von einem schweren rechten Fuß ab.
 
Also, wie war das noch gleich mit der roten Flagge? Prima, der Vordermann wird von einem Streckenposten angehalten, also bleibe ich einfach mal hintendran stehen. Nach und nach reihen sich die Teilnehmer des letzten Laufs der Mini Challenge auf, um sich dann mühsam rückwärts rangierend erneut ihren Startplatz zu suchen. Mechaniker Kevin hechtet herbei um mich einzuweisen, schließlich habe ich den längsten Weg zurückzulegen, was sich Dank maximal eingeschränkter Bewegungsfreiheit durch Helm, dem Hans-Schutzsystem und Vierpunktgurten im Mini John Cooper Works Challenge so einfach gestaltet wie eine Sightseeing-Tour im Hummer H1 durch die Altstadtgassen von Heidelberg.

Start frei zur Mini Challenge

Also alles nochmal von vorn, noch eine Einführungsrunde - die diesmal ebenso viele Fahrzeuge beenden, wie sie begonnen haben. Nur dass der Rennstart zur Mini Challenge nahezu verzögerungsfrei daran anknüpft, überrascht mich dann doch einigermaßen. Gerade so schaffe ich den Anschluss und erwarte an der engen Start-Ziel-Schikane eigentlich das erste Blechknäuel. Irgendwie scheinen sich jedoch alle, bei denen es in der Mini Challenge um mehr als die goldene Ananas geht, durchgedrückt zu haben - nicht ohne einen Haufen Schotter hinterlassen zu haben, der nun das Heck meines Mini John Cooper Works Challenge zu einem freudigen Sidestep auffordert.

Gestern waren an den Scheitelpunkten noch Reifenstapel verankert, die aus Sicherheitsgründen vor dem Start zur Mini Challenge entfernt wurden. Bloß weil sich irgendeine schwindelige Formel-Klasse, die sich hier ebenfalls balgt, ihrer freistehenden Räder daran entledigen könnte. Den Mini-Piloten ist es wurscht, sie nehmen die Schikane nun volley - und ich ab der nächsten Runde sicher auch. Immerhin blieben mir im gestrigen freien Fahren bei bestem Spätsommer-Wetter zwei Stunden Zeit, die Strecke einzuprägen.

Regen macht das Mini-Rennen zur echten Challenge

Jetzt, bei strömendem Regen, verschwindet das Asphaltband rund 30 Zentimeter vor der Fahrzeugnase des Mini John Cooper Works Challenge in der Gischtwolke, die mir die übrigen Teilnehmer der Mini Challenge entgegen schleudern. Bei der langen Bergauf, natürlich Vollgas gefahren, wird mir klar: Wenn sich drei Reihen vor dir einer dreht, nimmst du den ungebremst auf die Hörner. Na, Servus. Das ist also Motorsport - unerschrocken draufhalten, so viele Vernunft-Warnleuchten wie möglich ausblenden.

Runde für Runde gelingt das besser, ich lasse stehen, die Zeiten pendeln sich rund fünfeinhalb Sekunden hinter dem Führenden ein. Ich gurke keinem Titelaspiranten der Mini Challenge im Weg rum, stattdessen umkurve ich jene übermütigen Kollegen, die sich links und rechts von der Strecke kreiseln. Selbst als diese sich wieder gesammelt und mich auf die Hörner genommen haben, schwenkt mir kein Streckenposten die peinliche blaue Flagge entgegen - was bedeutet hätte, das meine Verfolger wesentlich bessere Zeiten fahren würden und ich tunlichst Platz machen sollte.

Cora Schumacher abgehängt

Der Schrecken der sehr schnell zu fahrenden Fahrerlagerkurve weicht im Regen langsam auf, einmal kurz lupfen, einlenken, und wieder drauf auf den Stempel – Helden-Hormone fluten meine Blutbahn. Kurz bevor wachsende Selbstsicherheit zerknittertes Blech zur Folge haben kann, flattert vor mir die schwarz-weiß-karierte Flagge des ersten Laufs zur Mini Challenge. Zum ersten Mal in meinem Leben, wow. Streckenposten winken, der Mini John Cooper Works Challenge und sein Fahrer rollen erholend aus, schleichen in den Park Fermé. Die halbwegs berühmte Frau eines etwas berühmteren Rennfahrer-Bruders lacht mich an, noch zwei Runden, und sie hätte mich gehabt, sagt sie. Hat sie aber nicht.
 
In der Pause zwischen den beiden Läufen zur Mini Challenge befragt die Schrauber-Crew um Jörg Rauchmaul den Mini eingehend, ob er gut behandelt wurde - und er packt schonungslos aus, die Motorelektronik gibt am Laptop alles preis. "Deine Schaltpunkte stimmen zwar, doch die Gangwechsel dauern zu lange", beantwortet Jörg lapidar meine Frage, wo ich die Zeit liegen lasse. Aha. Zu lange bedeutet in diesem Fall, dass ich mich mit der Betätigung des völlig überwerteten Kupplungspedals aufhalte. Und so wirklich vom Gas gehen müsse man ja auch nicht, wenn nur das Timing gut genug ist, erklärt Jörg. Dann fällt nämlich der Ladedruck nicht in den Keller.

Start frei zum zweiten Rennen der Mini Challenge

Kurz vor dem Start des zweiten Rennens zur Mini Challenge fügt sich dann ein weiteres Teil in das Puzzle "Einmal ein echter Rennfahrer sein" ein: Zwar habe ich im freien Training mit der Frage nach einer anderen Abstimmung daran gebastelt - und konnte sogar einen Unterschied erfahren - doch jetzt muss ich mich allerdings mit der richtigen Reifenwahl beschäftigen. Gut, es geht dabei jetzt weniger darum, ob es jetzt der Slick mit dieser oder jener minimal differierenden Gummimischung sein soll. Vielmehr muss die Entscheidung zwischen Trocken- und Regenreifen gefällt werden.

Es tröpfelt nunmehr müde vom österreichischen Himmel, die Fahrt in die Startaufstellung zu Lauf zwei der Mini Challenge zeigte, dass die Ideallinie an einigen Stellen bereits abgetrocknet ist. Immer mehr Mini John Cooper Works Challenge pumpen sich auf ihre Stelzen, Mechaniker werfen mit Slicks um sich, im Zweifel hilft jeder jedem, die Zeit drängt. Ich zögere, glaube in den Augen von Mechaniker Kevin die Hoffnung zu erkennen, dass ich jetzt bitte bitte nicht den Wunsch nach Slicks äußere - verständlicherweise will er nicht die Saison-Abschlussparty damit verbringen, meinen Mini wieder geradezubiegen.

Saisonkosten von mindestens 85.000 Euro in der Mini Challenge

Immerhin kostet eine Saison auch ohne Bügelfalten im Blech rund 85.000 Euro. Noch hängen dicke Wolken über dem Salzburgring, denen ich durchaus einen Hang zur Inkontinenz zutraue. Um es kurz zu machen: Ich behielt den Wunsch, auf Slicks umzurüsten, für mich - und die Wolken bedauerlicherweise den ihren nach Erleichterung. Die ersten Runden konnte ich mich zwar noch in einige nasse Streckenabschnitte zwecks Gummi-Kühlung flüchten, doch mit weiter abtrockender Strecke zeigten die Reifen immer weniger Lust, ihrer Hauptaufgabe des zuverlässigen Haftens nachzukommen.

Die Fahrerlagerkurve geht nicht mehr voll, beim Anbremsen der Schikane nach Start-Ziel bremse ich zwar ganz links an, nach einigen Bocksprüngen des kurzen Mini biege ich jedoch von ganz rechts in das Geschlängel ein.

Harte Schaltmanöver in der Mini Challenge

Immerhin: Schalten mit minimalsten Kupplungs- und Gaspedalbewegungen klappt ganz gut, aber bitte: Don’t try this at home! Jede weitere Runde erwarte ich, hinter mir die Strecke mit einem Meer von Gummibrocken zu überziehen, derart übel rumort es aus den Radkästen. Davon, dass ganz vorne Hendrik Vieth Fabelzeiten in den Asphalt brennt und dieses Rennen sowie die gesamte Saison der Mini Challenge dominiert, bekomme ich nichts mit. Stattdessen fuhr ich um meine persönliche Meisterschaft, in der es den Titel des unbeschadeten Autos und des nicht-letzten-Platzes in der Mini Challenge zu vergeben gab. Ich habe ihn mir geholt.

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