Mini JCW: Härte-Fest

Bevor der John Cooper Works ab August auf die Flaniermeilen der Innenstädte losgelassen wird, unterzieht Mini die Rennversion noch einem letzten Härtetest auf der Rundstrecke. Der kleine Sportler zeigte beim ersten Fahreindruck zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem Seriennovizen.

"Das Rennfahrzeug ähnelt dem John Cooper Works, wie er demnächst vom Band laufen wird", erklärt Udo Mark. Zwölf Monate tüftelte der Technische Serienkoordinator der Mini Challenge zusammen mit einem zehnköpfigen Entwicklungsteam am Sportgerät für die Saison 2008. Das Ergebnis nach zahlreichen Besuchen im Windkanal und intensiven Testläufen: Aus dem Lifestyle-Poser wurde eine sportlicher Renner. Wer nicht zu den Piloten der Clubsport-Rennserie zählt und wem die Kosten für die Rennversion von 49.900 Euro zu saftig sind, der darf sich ab Anfang August über ein sportliches Trostpflaster freuen.

Serientechnik im Rennstrecken-Härtetest

Für 27.700 Euro kokettiert dann der John Cooper Works mit Renn-Genen im Stadtverkehr. Auch wenn Überrollkäfig, Heckflügel und profillose Rennreifen beim täglichen Brötchenholen fehlen werden, ist die Verwandtschaft mit dem Challenge-Bruder nicht nur durch freche Rennstreifen auf der Motorhaube sichtbar. Bevor der Sportsmann über die Flaniermeilen stolziert, absolvieren zahlreiche Serienbauteile im Renntempo den finalen Härte-Check vor der Markteinführung. "Wir verwenden verschiedene Bauteile, die auch in der Serienversion laufen werden, da wir finanzierbaren Clubsport betreiben und keinen Highend-Motorsport", beschreibt Entwickler Mark das Konzept der Mini Challenge. Das prall gefüllte Starterfeld mit bis zu 40 identischen Renn-Minis liefert auch für die Serienentwicklung fundamentale Rückschlüsse. "Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Kollegen aus der Serienentwicklung."

Sportler-Duo mit identischem Antrieb

Sowohl unter dem Blech der Rennversion als auch in der Straßenversion arbeitet ein identischer Antriebsstrang. Fauchendes Herzstück: ein Turbo-Direkteinspritzer. Dank Twin-Scroll-Lader mit bis zu 1,3 bar Ladedruck stemmt der 1,6-Liter-Benziner genau 211 PS auf die Kurbelwelle. Im Rennbetrieb schnellt der getrimmte Brite damit ohne spürbares Turboloch mit einem maximalen Drehmoment von 260 Newtonmetern (kurzzeitig dank Overboost 280 Nm) aus dem Drehzahlkeller wie ein Sprinter aus den Startblöcken. Bis Tempo 100 vergehen nur 6,1 Sekunden und erst bei 240 km/h endet der Vortrieb. Den letzten Feinschliff für den Straßenalltag erhält der potente Vierzylinder im hochdrehenden Rennbetrieb. Kleinere, thermische Probleme mit dem Turbo-Aggregat konnten beim sportlichen Belastungstest auf der Rennstrecke aussortiert werden. Ab August dürfen sich dann auch Works-Fahrer in Begleitung auf ähnliche Bestnoten freuen. Anders als beim spartanischen Arbeitsplatz im Challenge-Renner gehören in der Straßenversion zwei Schalensitze und eine Rücksitzbank zum Works-Programm. Mit einem schlanken Leergewicht von 1.130 Kilogramm ist der Seriensportler nur 35 Kilogramm schwerer als sein entkernter Renn-Bruder. Beim Spurt auf Landstraßentempo soll der John Cooper Works nur vier Zehntel langsamer sein und 6,5 Sekunden benötigen (Höchstgeschwindigkeit 238 km/h). Kerniger Sound gehört dank Sport-Abgasanlage in beiden Modellen zum Works-Einsatz

Sechsgang-Schaltgetriebe und Differenzialsperre

Ob auf kurvigen Rennpisten oder beim Cruisen im Stadtverkehr, beide Sportskerle vertrauen einem identischen Sechsgang-Schaltgetriebe und der gleichen Differenzialsperre. Gerade im Rennbetrieb fehlt dem Getriebe allerdings die letzte Präzision in Sachen Gassenführung. Extrem schnelle Gangwechsel verlangen vom Mini-Dompteur daher höchste Exaktheit, um Verschalter zu vermeiden. Dass auch die Differenzialsperre mehr was für den flotten Landstraßen-Einsatz, als für den ultimativen Rennkick ist, spürt der Works-Pilot auf der Rennstrecke vor allem in engen Biegungen. Übermotivierte Kurventempi quittiert der sportliche Brite trotz Sperre sofort mit Untersteuern. Für Works-Fahrer ohne feuerfesten Overall und Helm werden 50 Prozent Sperrwirkung allerdings reichen, um auch im Straßenalltag effektiv nach dem Grenzbereich zu schnüffeln.

Neutrales Fahrverhalten mit Aero-Paket

Damit der Grenzbereich beim aggressiven Kurvenwedeln auf der Rennstrecke möglichst groß bleibt, duckt sich der Lifestyle-Renner dank verstellbarem Sportfahrwerk (Bodenfreiheit, Dämpferdruck) dicht über dem Asphalt. Nicht nur der niedrige Schwerpunkt, auch die tief gezogene Frontschürze, der dreistufig verstellbare Heckflügel und ein Diffusor sollen helfen. "Durch die aerodynamischen Hilfen wie Frontsplitter und Heckflügel konnten wir ein ausgeglichenes Abtriebs-Verhältnis von 50:50 generieren", sagt Entwickler Mark. Das ist gelungen.

Das Fahrverhalten bleibt auch bei stärkeren Lastwechseln lange neutral, bevor sich die Haftgrenze gutmütig über die Vorderräder schiebend ankündigt. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sorgt eine Rennsport-Bremsanlage und das speziell für die Kurvenhatz konfigurierte ABS für die richtige Verzögerung (Herstellerangabe: 31 Meter aus Tempo 100).

Works-Trio

Natürlich konnten Bremsen und Fahrwerk nicht direkt für den täglichen Straßenbetrieb übernommen werden. Dennoch orientiert sich der John Cooper Works mit vergrößerter Bremsanlage mit innenbelüfteten Scheibenbremsen genauso wie mit seinem sportlich getrimmten Fahrwerk am Rennfahrzeug. Wem das nicht reicht, der kann optional ein Sportfahrwerk mit strafferen Dämpfern und zehn Millimetern Tieferlegung bestellen.

Übereinstimmung beim agilen Briten-Doppel herrscht hingegen bei der Wahl des Schuhwerks. 205er-Reifen und 17-Zoll-Felgen im feingliedrigen Speichen-Design tragen sowohl der Challenge-Sportler als auch der Works-Serienwagen. Profillose Sohlen gibt es allerdings nur auf abgesperrten Rennpisten. Wer weniger auf Grip und enge Duelle auf der Rennstrecke, sondern mehr auf Raumgefühl steht, für den wird aus dem Works-Duo ein Trio. Dritter im Sportler-Bunde: Der Clubman im Works-Gewand ab 29.500 Euro.

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Christian Gebhardt

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