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Mühlbergers Dakar Blog (10)

700.000 Euro für einen Dakar-Mini

Rallye Dakar 2013 X-Raid Foto: X-Raid 15 Bilder

auto motor und sport-Reporter Claus Mühlberger ist mit dabei, wenn es bei der Rallye Dakar 2013 einmal quer durch Südamerika geht. In seinem Blog liefert er regelmäßig persönliche Eindrücke und Bilder vom Wüsten-Marathon. Teil 10: X-Raid - Privat-Team auf Werksniveau.

17.01.2013 Claus Mühlberger

Die Dakar-Rallye ist fest in deutscher Hand - zumindest was die vorderen Plätze angeht. In den Jahren 2009, 2010 und 2011 gewann Volkswagen mit seinen Race Touareg. Seit dem vergangenen Jahr ist das X-Raid-Team aus dem hessischen Trebur am Zug. 2012 triumphierte Stéphane Peterhansel mit dem Mini-Prototypen, pünktlich zum zehnjährigen Firmenjubiläum.

Und auch wenn man den Tag nicht vor dem Abend loben darf: Eigentlich spricht alles dafür, dass der 47-Jährige am kommenden Sonntag in Santiago de Chile als Sieger gefeiert wird. Rund 50 Minuten beträgt Peterhansels Vorsprung auf den Toyota von Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz.

Auch wenn es sich bei X-Raid um ein Privatteam handelt - die Arbeitsweise entspricht demjenigen eines Werksteams. Es herrschen klare Strukturen, jeder der rund 100 Teammitglieder weiß genauestens, was zu tun ist. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen ist die Stimmung unter den X-Raid-Männern bestens. Das liegt sicherlich auch daran, dass Quandt auch mal Fünfe gerade sein lässt. Ein kleines Beispiel: Während VW-Teamchef Kris Nissen mit geradezu missionarischem Eifer das strikte Alkoholverbot für seine Mitarbeiter kontrollierte, gelten diesbezüglich bei X-Raid tolerantere Regeln. "Ein Bier zum Abendessen, warum nicht", sagt Quandt.

Etappensieg im "alten" X-Raid BMW X3

Mit weitem Abstand ist X-Raid das größte Team bei der Dakar: Sieben Autos werden betreut: Zu den sechs Mini-Prototypen gesellt sich ein BMW X3. Technisch ist der BMW zwar nicht ganz auf dem Stand er Mini. Für Etappensiege ist aber auch der "Alte" immer noch gut genug. Am Dienstag gewann der Argentinier Orlando Terranova als erster Südamerikaner eine Dakar-Stage.

Der Patron von X-Raid, Sven Quandt, gilt zwar gemeinhin als nicht ganz unvermögend. Doch die Kosten hat er stets fest im Blick. So ist zum Beispiel ein Car-Ingenieur für jeweils zwei Autos zuständig. Bei VW gab es seinerzeit pro Auto einen Ingenieur. Fünf von sieben Fahrern müssen bei ihm ihren Obolus leisten, bevor sie einsteigen dürfen. Für geschätzte 500.000 bis 700.000 Euro bekommen die ehrgeizigen Amateure aber auch einen anständigen Gegenwert.

Günstigstenfalls könnte sogar eine Podiumsplatzierung für einen Nicht-Profi drin sein: Der Russe Leonid Novitskij, ein erfolgreicher Geschäftsmann aus Moskau, hält sich seit Tagen zäh auf Platz drei - sensationell für einen Paydriver. Quandt, der als Teamchef von seinen Söhnen Tobias und Thomas unterstützt wird, hat auch erhebliche Ausgaben: "Eine Million Euro haben wir in diesem Jahr allein als Nenngeld bezahlt." Großen Wert legt Quandt darauf, dass X-Raid kein Zuschussgeschäft ist, sondern profitabel arbeitet: "Den  Break-even haben wir schon vor Jahren geschafft."

BMW-Einfluss auf X-Raid beschränkt

Jeder, der ab und zu den Wirtschaftsteil der Tageszeitungen liest, bringt den Namen Quandt mit BMW in Verbindung. Doch der Einfluss des Werks auf die Aktivitäten von X-Raid ist eher gering. Natürlich gibt es auch vor Ort bei der Dakar Motorexperten, die in München auf der Gehaltsliste stehen. Und selbstverständlich ist auch die österreichische Firma Magna Steyr, wo die Mini konstruiert und gebaut werden, mit BMW ziemlich eng verbandelt. Aber ohne den Enthusiasmus von Sven Quandt wären die Dakar-Erfolge von Mini und BMW undenkbar.

Zuhause in Trebur hat Quandt sein Motto an die Bürotür gepinnt: "Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist limitiert." Das klingt zwar ein bisschen hochtrabend. Aber falsch ist es sicherlich auch nicht.

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