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Mühlbergers Dakar Blog (3): GPS-Ärger um Carlos Sainz

auto motor und sport-Reporter Claus Mühlberger ist mit dabei, wenn es bei der Rallye Dakar 2013 einmal quer durch Südamerika geht. In seinem Blog liefert er regelmäßig persönliche Eindrücke und Bilder vom Wüsten-Marathon. Teil 3: GPS-Ärger um Carlos Sainz.

Wenn ein Teamchef nachts um halb eins im Stechschritt und mit leicht zusammengekniffenen Augen in die Hotellobby einmarschiert, hat das selten etwas Gutes zu bedeuten. Als Sven Quandt vom Biwak ins Hotel San Agustin in Paracas an der peruanischen Pazifikküste zurückkam, hielt sich seine Laune in Grenzen.

Protest bei der Rennleitung

Grund für die Verstimmung des Chefs von Raid-Mini war die Entscheidung der Sportkommissare, Buggy-Fahrer Carlos Sainz eine Zeitgutschrift von nicht weniger als 21 Minuten zu gewähren. Der Spanier, Sieger der Dakar-Rallye 2010, verbesserte sich dadurch nach dem zweiten Tag vom zwölften auf den ersten Platz. Statt 18 Minuten Rückstand auf Mini-Fahrer Stéphane Peterhansel hatte Sainz plötzlich einen dreiminütigen Vorsprung.

"Carlos hat bei den Kommissaren reklamiert, dass in seinem GPS-System die automatische Abspeicherung der Pflicht-Wegpunkte nicht funktioniert hat und dass er deswegen einen Haufen Zeit verloren hat", erläuterte Quandt. "Und er hat Recht bekommen. Das können und wollen wir nicht akzeptieren und deswegen haben wir  zusammen mit zwei anderen Teams gegen diese Zeitgutschrift für Sainz Protest eingelegt."
 
Um die Entscheidung der Rallye-Kommissare zu verstehen, muss man tief eintauchen ins Reglement der Dakar-Rallye und in die obligatorische Ausrüstung der Autos. Seit einigen Jahren werden die so genannten Waypoints auf den Wertungsprüfungen in dem vom Veranstalter gestellten GPS-Computer elektronisch erfasst und gespeichert.

Sainz kreiselt um Waypoint

Nach jeder Prüfung wird kontrolliert, ob die Teilnehmer wirklich brav alle dieser obligatorischen Wegpunkte eingesammelt haben. Sollten Waypoints fehlen, setzt es empfindliche Zeitstrafen. Im Extremfall bekommen die Teilnehmer mehrere Stunden als Buße aufgebrummt.

Diese Waypoints ausfindig zu machen ist eine der Hauptaufgaben für die Beifahrer. Denn anders als in standardmäßigen Navigationsgeräten gibt es bei den Dakar-GPS-Geräten keine "Go-to"-Funktion. Erst wenn sich die Rennfahrzeuge in einem gewissen Umkreis (Radius 100 Meter) zum anzufahrenden Punkt befinden, entfaltet sich auf dem Display des GPS automatisch eine Grafik, die der Crew die exakte Richtung für die letzten Meter bis zum Waypoint vorgibt.
 
Im vorliegenden Streitfall hatte Beifahrer Timo Gottschalk keine Mühe, den Waypoint zu finden. "Wir sind direkt drübergefahren", schwor Sainz. "Aber unser Computer hat sich einfach geweigert, zu valideren, also den Punkt abzuspeichern. Deswegen haben wir nochmals umgedreht. Wieder nichts. Noch ein Kreis. Dann, nach drei Kilometern, hat das System endlich registriert, dass wir den Punkt angefahren haben. Das war wirklich seltsam."

Der Zeitverlust für das Hin-und Herfahren betrug mehr als 20 Minuten. Sainz, der alte Dakar-Fuchs, wollte sich damit aber nicht abfinden. Er ging schnurstracks zu den Sportkommissaren zum reklamierte und plädierte auf "höhere Gewalt".

Iritrack stützt Sainz-Argumentation

An diesem Punkt kommt jetzt eine weitere Ausstattungs-Delikatesse der der Dakar-Autos ins Spiel, das sogenannte Iritrack-System. Dabei handelt es sich um ein sehr akkurates GPS-Ortungssystem. "Es zeichnet exakt alle 50 Meter auf, wo man rumgefahren ist, wie schnell man war und es vermerkt natürlich auch die Uhrzeit, auf die Sekunde genau."

Dank Iritrack kann die Rennleitung alle ihre Schäfchen immer genau orten und in Notfällen weiß der Hubschrauber-Pilot mit dem Notarzt an Bord sofort, wohin er fliegen muss. Für Carlos Sainz war das Iritrack ein Glücksfall. Denn so konnte genau nachweisen, wann, wo und warum er die Zeit verloren hatte.

Und zu seinem Glück folgten Kommissare der Sainzschen Logik: "Ich konnte ja nichts dafür, wenn das System spinnt", argumentierte der Spanier. "Die Entscheidung war gerecht." Und im Übrigen solle man sich X-Raid nicht so anstellen, fügte er hinzu. "Wenn die Mini in der gleichen Situation gewesen wären, hätten sie es doch genauso gemacht."

Das Sainzsche GPS-Problem war kein Einzelfall. Auch Nasser Al-Attiyah, der den anderen Chevy-Buggy fährt, verlor dadurch einige Minuten. "Aber leider war ich zu blöd, das bei den Kommissaren gleich zu reklamieren", sagte der Katari. "Und jetzt ist es zu spät."

Doch am Montag Abend kam für Sainz das dicke Ende: Zuerst hatte er auf der Wertungsprüfung nach Nazca seriöse Probleme, den rechten Weg zu finden und verlor deswegen auf den Schnellsten, seinen Teammate Al-Attiyah, eine halbe Stunde. Und kaum dass er im Biwak war, musste er die nächste schlechte Nachricht verdauen. Nach langen Beratungen gab die Rennleitung Quandts Protest statt und widerrief den Zeitbonus für Sainz vom Vortag. Mir rund 42 Minuten Rückstand auf die Spitze kochen seine Sieghoffnungen nun nur noch auf kleiner Flamme.

Peterhansel übernimmt Dakar-Spitze

Hinter Al-Attiyah fuhr Robby Gordon auf der dritten Etappe die zweitschnellste Zeit. Der Hummer-Pilot hatte einen Rückstand von 1:18 Minuten. Der französische Seriensieger Stéphane Peterhansel wurde 3:52 Minuten hinter dem Tagessieger Dritter. Der Mini-Pilot ist damit neuer Spitzenreiter der Rallye Dakar. Gesamtzweiter ist Al-Attiyah 6:33 Minuten hinter Peterhansel.

In unserer Galerie haben wir die spektakulären Bilder des Tages und persönliche Eindrücke unseres Reporters Claus Mühlbergers vom Streckenrand.

Claus Mühlberger

Autor

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dpa

Datum

8. Januar 2013
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