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Nissan Zeod RC beim 24h-Rennen

Das Elektro-Dreirad von Le Mans

Nissan Zeod - 24h-Rennen - Le Mans 2014 - Motorsport Foto: xpb 22 Bilder

Nissan gab vor 17 Monaten ein ambitioniertes Versprechen, nämlich in Le Mans den ersten Prototypen an den Start zu bringen, der eine volle Runde über 13,6 Kilometer rein elektrisch zurücklegen soll. Bisher fiel das Auto, das entfernt an ein Dreirad erinnert, weder durch Speed, noch durch Zuverlässigkeit auf.

14.06.2014 Marcus Schurig

Der Le Mans-Veranstalter ACO hatte schon immer einen Faible für extravagante Technologien. Deshalb gibt es seit drei Jahren die sogenannte Garage 56 – einen zusätzlichen 56. Startplatz für ein Rennauto, das sich nicht an die klassischen Technik-Regeln halten muss. 2014 hat Nissan diesen Platz mit dem kuriosen Zeod – ein Auto mit der Symmetrie eines Dreirades, dass eine Runde rein elektrisch fahren soll, weniger wiegt als die anderen Prototypen, weniger verbraucht und ohne Abtrieb spendende Flügel auskommt. Das sind viele Versprechen auf einmal.

Nissan Zeod schafft rein elektrische Runde in Le Mans wohl nicht

Wo steht das Zeod-Programm vor dem 24h-Rennen in Le Mans 2014? Man wird vermutlich die volle Runde rein elektrisch nicht schaffen, denn die dafür nötige Batterie-Ausbaustufe hängt im amerikanischen Zoll fest. Das ist typisch für das ganze Programm, das im Februar 2013 verkündet wurde, viel zu spät startete und daher auch nicht konsequent und erfolgreich beendet werden kann.

Die Testfahrten verliefen schlicht katastrophal: Die für den elektrischen Antrieb notwendige Elektromaschine funktionierte nicht, man musste den Anbieter wechseln. Der erste Batteriepartner konnte die versprochenen Leistungswerte nicht einhalten, also musste man auch diesen Ausrüster austauschen. So kam das mit dem Einsatz beauftragte britische RML-Team zum Vortest nach Le Mans – und schaffte an einem vollen Tag gerade mal eine handvoll Runden.

Zwar hat sich die Situation mittlerweile gebessert, aber für die große Revolution der Rennsport-Mobilität taugt der Nissan Zeod nach wie vor nicht. Das Projekt war ambitioniert, aber die Summe der Verspätungen und Fehlentscheidungen wird ein halbwegs erfolgreiches und ehrenvolles Abschneiden verhindern. Immerhin knackte der Zeod mittlerweile die 300km/h-Schallmauer, doch die Rundenzeiten liegen 13 Sekunden über den LMP2-Wagen – und deren Zeitenniveau war die selbsterklärte Messlatte für den Nissan Zeod.

Chassis-Konzept vom Delta Wing

Das Chassis-Konzept stammt weitgehend vom sogenannten Delta Wing, mit dem Nissan bereits 2012 als Garage-56-Auto in Le Mans startete. Das Fahrzeug muss nur die Sicherheitsanforderungen und Grundabmessungen des Reglements erfüllen, ansonsten ist alles frei. Mit einem sehr kompakten Dreizylinder-Turbomotor, der 400 PS leistet, kommt der Nissan Zeod gerade mal auf ein Gewicht von 700 Kilogramm. Man verzichtet auf die bekannten Flügel, holt stattdessen allen Abtrieb aus dem Unterboden, was kaum Luftwiderstand erzeugt.

Aber das oberste Ziel war, eine Runde rein elektrisch zu fahren. So schleppt der Zeod auch noch eine über 160 Kilo schwere Batterie mit 672 Zellen mit sich herum, die sehr empfindlich auf Temperatur reagiert. Wenn der Nissan Zeod rein elektrisch fährt, ist der Motor abgeschaltet, die starke Entladung der Batterien treibt aber die Temperatur hoch. Und wenn nur eine der 672 Zellen überhitzt, ist die Batterie gegrillt und tot. Man nutzt den Leistungshub der Batterie von 90 bis 10 Prozent voll aus, während die Sicherheitsvorschriften normalerweise eine maximale Belastung zwischen 80 und 20 Prozent vorsehen. Aus diesem Grund hat man die volle Runde mit rein elektrischem Antrieb bisher auch nicht geschafft.

Viele Le-Mans-Kenner befürchten, dass das angekündigte LMP1-Programm von Nissan für die Saison 2015 und 2016 ähnlich wie das Zeod-Projekt laufen könnte: viele vollmundige Ankündigungen, aber wenige Resultate.

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