Porsche 911 GT3 Cup: Die Rennversion des Porsche 911 im Tracktest

Tracktest Porsche 911 GT3 Cup

Als hätten sie ihn in Weissach einfach zu Tausenden aus Endlosmaterial gestanzt, gilt der Porsche 911 als der erfolgreichste Rennwagen aller Zeiten - jedenfalls, was die gebaute Stückzahl betrifft. Zum 20-jährigen Cup-Jubiläum wird die nächste Stufe gezündet. Eine exklusive Ausfahrt in Hockenheim.

Genau so und nicht anders sind sie, die Herren Profis. Es beginnt mit freundlichen Erklärungen und noch ein paar hochprozentigen Geheimtipps, endet aber doch mit der immer gleichen Ernüchterung. Vom Finden des letzten Sekündchens ist nie die Rede. Auch nicht bei Timo Bernhard, der quasi den Beipackzettel zum neuen Porsche 911 GT3 Cup verliest.

Im Porsche-Cup geht es heftig zur Sache

Nun ist ein gesundes Basiswissen zwar gut, Vertrauen in das reinrassige Renngerät aber letztlich besser. Und für den nötigen innigen Schulterschluss sind mehr als zehn Runden auf dem lediglich 2,6 Kilometer langen Kleinen Kurs in Hockenheim nötig. Obwohl sich die heftige Beziehung trotz ihrer Kürze als äußerst aufschlussreich entpuppt. Es ist der erste Eindruck, der nachhaltig prägt. Er formt ein Bild, das die Bezeichnung Markenpokal als Verniedlichung erscheinen lässt. National wie auch international (Supercup im Rahmen der Formel 1) herrscht ein rauer Umgangston im Porsche-Lager. Es wird gefahren, bis die Schürzen fliegen. Und zwar mit Geräten, die durchtrieben sind mit purer Renntechnologie.

Der stärkste Cup-Elfer aller Zeiten leistet 450 PS aus 3,8 Litern Hubraum

"Der aktuelle Cup-Elfer ist extrem nahe am RSR", gibt Timo Bernhard noch mit auf den Weg. Soll heißen, die technische Verwandtschaft mit dem nach FIA-GT2-Reglement aufgebauten Porsche 911 ist äußerst eng, obgleich sich die Cup-Variante grundsätzlich auf die Eckpfeiler des Straßen-GT3 RS stützt. Das gilt auch für den nahezu serienmäßigen Boxermotor, der sich lautstark in Stimmung sägt. Mit 3,8 Liter Hubraum und 450 PS sortiert sich der aktuelle 911 Cup als Stärkster in die 20 Jahre währende Ahnenreihe ein. Dank der wuchtigeren Kotflügel gilt er als bislang Breitester, mit der tieferen Frontschürze und dem mächtigen GT2-Heckflügel zweifellos auch als Imposantester. Laut Jens Walther, Leiter Markenpokale bei Porsche, deswegen allerdings nicht als Teuerster.

Die Einsatzkosten für eine Saison sollen mit rund 500.000 Euro auf Vorgängerniveau liegen. Nach gut 50 Einsatzstunden, also einer kompletten Saison, fordert Weissach eine Motor-Revision für maximal 13.000 Euro. Eine Getriebeüberholung ist für 7.500 Euro zu haben.

Der Porsche-Sauger schnappt garstig und giftig zu

Na dann - rein mit der ersten Welle. Ein kurzer Zug am langen Schaltprügel des sequenziellen Getriebes: Kraftschluss. Mit vergleichsweise umgänglich einrückender Kupplung poltert der auf 1.200 Kilogramm abgemagerte Elfer mit 60 km/h los. Alleine der Daumen hat ihn im Griff. Gurgelnd und röchelnd holpert der Cup unter den Zwängen des am Lenkrad gedrückten Speedlimiters aus der Boxengasse. An der weißen Linie haben die Qualen ein Ende. Daumen los heißt Leinen los. Garstig und giftig schnappt der Sauger zu. Fräst so penetrant und durchdringend, als säße er nicht im Heck, sondern direkt im Nacken. Nummer eins von 139 Stück für 2010 stürzt sich frivol schreiend ins Geschehen, schnippt die Balken des Drehzahlmessers spielerisch nach oben. Man möchte Beifall klatschen, während man unter Volllast den nächsten Gang einklopft.

Keine verweichlichenden Fahrwerks-Gummis verwässern mehr den Grenzbereich. Wo es früher Raum für Interpretationen gab, herrscht heute Klarheit. Eingemauert in die Rennschale, weiß der Allerwerteste punktgenau, was Sache ist. Schnell und deutlich kommen die Rückmeldungen an - von der messerscharfen Lenkung ebenso wie vom extrem spurstabilen Heck.

Der Porsche 911 GT3 Cup verzichtet auf ABS

An Fahrbarkeit hat der Cup-Elfer zweifellos gewonnen, an Untersteuern verloren. "Er gibt dir schnell Vertrauen", liest Timo Bernhard den imaginären Beipackzettel vor. Wie wahr. Nur vom plötzlich auftretenden Gummigeruch steht da nichts. Vom kniffligen Einbremsen in Kurven ohne ABS ist ebensowenig die Rede wie vom unabdingbar präzise vorgetragenen Zwischengas beim Runterschalten. Allwissend grinst der Profi: "Für die letzte Rille brauchst du einfach Zeit."  

Die nächste Leistungsstufe der 911-Familie trägt das Kürzel R. Breiter und stärker als der Cup, geht der 911 GT3 R in diesem Jahr auf Titeljagd in den diversen FIA-GT3-Serien. Unter dem wuchtigen Flügel schlummern 480 PS aus vier Liter Hubraum, geschaltet wird sequenziell, doch der R stellt seinem Lenker eine automatisierte Zwischengasfunktion zur Seite. Der Grundpreis für den eigentlichen GT3: 279.000 Euro - netto.

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Jochen Übler

Autor:

auto motor und sport, Heft 03 / 2010

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