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Porsche 919 Hybrid LMP1

Porsche-Siege dank Hybridhammer?

Porsche 919 - WEC - Präsentation - 2015 Foto: Porsche 20 Bilder

Porsche hat beim Saisonvortest der Sportwagen-WM in Paul Ricard den LMP1-Start in der höchsten Hybridklasse bis 8 MJ bestätigt. Das sollte den Schwaben einen Vorteil im Dreikampf mit Toyota und Audi bringen – zumindest theoretisch. Wir haben die Bilder der optisch und technisch neuen Autos - und die Technik-Infos.

26.03.2015 Marcus Schurig Powered by

Porsche 919 Hybrid - 8 MJ, ja oder nein?

Viel war für Porsche in Ricard nicht mehr zu präsentieren: man konzentrierte sich auf die sogenannte Livery für Le Mans, wo die drei Werkswagen in den Grundtönen weiß, schwarz und rot an den Start gehen werden. Die technische Grundspezifikation des Porsche 919 Hybrid war ebenso bekannt wie der Verbesserungen für die neue Saison. Nur eine Frage war noch nicht amtlich: 8 MJ - ja oder nein?

Obwohl auch das nicht ganz stimmt, denn Porsche hatte schon bei Testfahrten Mitte Februar in Bahrain die Katze eigentlich aus dem Sack gelassen und zugegeben, dass ein Start in der 8-MJ-Klasse die präferierte Wahl sein würde. Und in der Tat wurde in Ricard verkündet, dass die Leistungsfähigkeit des gesamten Hybridsystem um gut 30 Prozent verbessert wurde und es deshalb möglich ist, in der höchsten Energieklasse an den Start zu gehen.

8 MJ - ist das die richtige Entscheidung?

Was die Frage aufwirft, warum Porsche den Schritt wagt - und Toyota zum Beispiel nicht? Die Entscheidung ist mehr als knifflig, denn man muss über komplexe Simulationen einen guten Kompromiss für sehr unterschiedliche Streckentypen in der Sportwagen-WM finden. Toyota-Technikchef Pascal Vasselon sagt: "Es kann leicht passieren, sich von dem Ziel 8 MJ blenden zu lassen, dann bekommt man hinterher womöglich die Quittung!" Sein Argument: Die aerodynamische Effizienz zählt besonders in Le Mans mehr als die Hybridklasse. Als Beispiel sei nur erwähnt, wie wettbewerbsfähig Audi mit dem R18 E-Tron Quattro in Le Mans 2014 war – obwohl sie in der kleinsten Klasse bis 2 MJ antraten.

Selbst Porsche-Technikchef Alex Hitzinger sagt: "Es ist schon eine harte Aufgabe, in Le Mans 8 MJ rekuperieren und boosten zu können. Durch den Hybrid-Umrechnungsfaktor für die anderen WM-Strecken läuft man Gefahr, dort nicht 8 MJ zu schaffen, was bedeutet, dass man ineffizient wird, weil man Gewicht für ein System mitschleppt, dass die volle Leistung nicht erreicht."

Porsche glaubt an das 8-MJ-Potenzial

Für Toyota war die Entscheidung, nicht von 6 auf 8 MJ zu wechseln, recht früh gefallen, wie Vasselon enthüllt: "Wir haben letztes Jahr in Le Mans 6 MJ nicht geschafft. Für Le Mans 2015 hätten wir per Simulation mindestens im Bereich von 7,2 MJ liegen müssen, um einen Aufstieg in die 8 MJ zu rechtfertigen. Das war nicht der Fall, also haben wir uns darauf konzentriert, unser Hybridsystem zu verstärken, dass wir die Leistung konstant über die Renndistanz abrufen können, statt in die 8 MJ-Klasse zu wechseln."

Vasselon verweist auch darauf, dass nachlassende Batterien oder Superkondensatoren eine komplizierte Rückwirkung auf den Verbrauch des Verbrennungsmotors haben. "Wir haben uns darauf konzentriert, die Hybridleistung zu stabilisieren, statt zu erhöhen, das bringt mehr."

Porsche kam letztlich zu der Überzeugung, dass 8 MJ mehr Potenzial bietet, besonders für Le Mans: "Das Reglement incentiviert 1 MJ in Le Mans mit circa 0,5 Sekunden pro Runde. Durch den Aufstieg von 6 auf 8 MJ gewinnt man also eine volle Sekunde – und als Ingenieur will ich die natürlich haben."

Porsche kalkuliert die Hybridleistung konservativ auf circa 400 PS, plus 500 PS vom Zwei-Liter-Turbomotor. Ein weiterer Grund für den Start in der 8-MJ-Klasse: nur Porsche verwendet im LMP1-Feld ein Abgasenergierückgewinnungssystem, bei dem über einen zusätzliche Turbolader wie bei einem Generator Strom erzeugt wird. Angeblich steuert dieses System fast ein Drittel zur Hybridenergie bei.

Bei einem Saugmotor, wie ihn Toyota verwendet, macht der Einsatz eines solchen Systems keinen Sinn, ebenso beim Dieselmotor wie ihn Audi nutzt, weil beiden Fällen zu wenig Energie im Abgas ist, um ein solches System optimal zum Arbeiten zu bringen. Dazu verwendet nur Porsche Batterien als Energiespeicher – und diese Batterien sind effizienter und stärker als Superkondensatoren (Toyota) oder Schwungradlösungen (Audi). Porsche hat hier zwei Vorteile, die sie nutzen wollen, denn 2016 werden Audi und Toyota ebenfalls auf Batterien wechseln – und dann fahren vermutlich alle LMP1-Hersteller in der Sportwagen-WM mit 8 MJ.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen die neue Porsche-919 Flotte in den ungewohnten Lackierungen.

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