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Porsche 919 Hybrid für Le Mans

Ist das der neue Audi-Killer?

Porsche 919 Hybrid Rennwagen, Genfer Autosalon, Messe, 2014 Foto: Stefan Baldauf / Robert Kah 25 Bilder

Mit dem Porsche 919 Hybrid kehrt der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen in die Top-Klasse von Le Mans zurück. Auf dem Automobilsalon in Genf wurde der neue LMP1-Renner nun erstmals im fertigen Outfit vorgestellt.

04.03.2014 Tobias Grüner

919 Hybrid heißt Porsches neue Waffe für den Langstreckenklassiker in Le Mans. Mit dem LMP1-Prototypen feiert der Autobauer 2014 sein Comeback in der höchsten Liga des Langstreckensports. Nachdem bisher nur vereinzelte Bilder vom getarnten Testwagen gezeigt wurden, gab es auf dem Genfer Automobilsalon nun endlich die fertige Version zu sehen, mit der man die Konkurrenz von Toyota und Audi herausfordern will.

200 Mitarbeiter arbeiten am Porsche 919 Hybrid

Auf Starthilfe vom Konzernbruder aus Ingolstadt mussten die Ingenieure in Zuffenhausen allerdings verzichten. Nach 16 Jahren Abstinenz aus der höchsten Le Mans-Liga begann Porsche mit der Entwicklung des 919 Hybrid bei null. 200 Mitarbeiter waren an der Konstruktion, dem Bau und dem Einsatz des Rennwagens beteiligt. In Weissach wurde ein Motorsportzentrum aufgebaut, das von den Ressourcen her auch Formel 1-Autos bauen könnte.

Das neue Reglement der Langstrecken-WM für die LMP1-Rennwagen lässt viel Freiraum. Verlangt sind vor allem sparsame Hybrid-Motoren und konsequenter Leichtbau, um die Verbrauchsziele zu erreichen. Porsche bezeichnet den 919 Hybrid als den "komplexesten Rennwagen, den man jemals auf die Räder gestellt hat."
 
Die pro Runde zulässige Kraftstoffmenge wurde im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um rund 30 Prozent gesenkt. Die im Rennen nutzbare Energie der Hybridsysteme drastisch erhöht. Als Antrieb haben sich die Ingenieure schließlich für einen Zweiliter-Vierzylinder-Motor entschieden, der über Direkteinspritzung und Turbo-Aufladung verfügt und über 500 PS leisten soll.

Hinzu kommen zwei Hybrid-Systeme, die ihre Energie auf unterschiedlichen Wegen sammeln. Wie in der Formel 1 wird einerseits thermische Abgasenergie abgezweigt. Dies geschieht durch einen Elektrogenerator, der vom Abgasstrom angetrieben wird. Auch kinetische Bremsenergie wird gewonnen - im Gegensatz zur Formel 1 allerdings nicht auf der Hinter- sondern auf der Vorderachse.

Gespeichert wird die Energie in wassergekühlten Lithium-Ionen-Batterien. Die Konkurrenz geht andere Wege: Toyota setzt wie bisher auf Superkondensatoren, Audi auf den bewährten Schwungmassenspeicher.

Reglement schreibt Spritverbrauch vor

Der Fahrer kann den Zusatzantrieb per Knopfdruck zuschalten. Ein über 250 PS starker Elektromotor treibt in den Beschleunigungsphasen über ein Differenzial beide Vorderräder an. Somit besitzt der Porsche 919 Hybrid quasi einen temporären Allradantrieb, da der Benzinmotor seine Kraft konventionell an die Hinterachse leitet. Der zulässige Benzinverbrauch hängt direkt von der elektrischen Energiemenge ab, die der Fahrer pro Runde abrufen kann.

Das Reglement unterscheidet vier Stufen von 2 bis 8 Megajoule. Porsche entwickelt den 919 Hybrid für die "Königsklasse" mit einer Energie-Rückgewinnungskapazität von 8 MJ. Dies setzt besonders leistungsstarke Rekuperations- und Speichersysteme voraus, die entsprechend größer und schwerer dimensioniert werden müssen.

Zugleich begrenzt ein Durchflussmessgerät die Kraftstoffmenge. Beispiel Le Mans: Hier stehen dem Turbobenziner pro 13,65-Kilometer-Runde, die zu 75 Prozent unter Volllast gefahren wird, nur noch 4,64 Liter zur Verfügung. In der 2-MJ-Klasse sind es beispielsweise schon 5,04 Liter.

Als Mindestgewicht gibt das Reglement einen Wert von 870 Kilogramm vor. Wie in der Formel 1 besteht das Chassis des neuen Porsche 919 Hybrid aus einem Carbon-Monocoque in Sandwich-Bauweise. Vorgeschrieben sind auch die Abmessungen. Der Le Mans Prototyp darf eine Länge von 4.650 Millimeter und eine Höhe von 1.050 mm nicht überschreiten, die Fahrzeugbreite muss zwischen 1.800 und 1.900 mm liegen.

Porsche 919 Hybrid je nach Strecke unterschiedlich

Die Aerodynamik erhielt in den letzten zwei Jahren ihren Feinschliff. Je nach Strecke gibt es verschiedene Konfigurationen. Variablen sind vor allem Abtriebs- und Luftwiderstandslevel sowie der Kühlluftbedarf des Hybridantriebs. Für den Durchblick in der Nacht sorgen speziell für Porsche konzipierte LED-Vierpunktscheinwerfer.

Sechs Werksfahrer teilen sich die beiden Porsche 919 Hybrid-Cockpits. Als prominentester Name wurde für das neue Le Mans-Programm Mark Webber verpflichtet. Der ehemalige Red Bull-Teamkollege von Sebastian Vettel geht zusammen mit dem Schweizer Neel Jani und dem Neuseeländer Brendon Hartley an den Start. Im anderen Auto sitzen die erfahrenen Le Mans-Routiniers Timo Bernhard, Romain Dumas und Marc Lieb.

Neben dem Saisonhighlight in Le Mans wird Porsche die etablierte Konkurrenz von Audi und Toyota auch bei den sieben 6-Stunden-Rennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft herausfordern. Start ist am Ostersonntag in Silverstone. Kann der Porsche 919 Hybrid die Platzhirschen schon im ersten Jahr vom Thron stoßen?

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