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Porsche 919 Hybrid im Technik-Check

Porsche-Technik zu radikal?

Porsche 919 Hybrid - LMP1 - WEC/Le Mans 2014 Foto: Porsche 26 Bilder

Wo stehen die drei LMP1-Hersteller-Teams von Toyota, Audi und Porsche vor dem 24h-Rennen in Le Mans am kommenden Wochenende? Wir analysieren die Stärken und Schwächen der LMP1-Rennwagen. Porsche kehrt 2014 nach 16 Jahren Abstinenz zurück nach Le Mans. Den Klassiker an der Sarthe im ersten Anlauf zu gewinnen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit - und das sieht man auch bei Porsche so.

12.06.2014 Marcus Schurig

Die Erwartungen sind hoch, dito der Druck: Mit 16 Gesamtsiegen führt Porsche die ewige Siegstatistik in Le Mans an. Porsches neue LMP1-Waffe für 2014, der 919 Hybrid, soll möglichst schnell an diese glorreiche Tradition anknüpfen, doch den Verantwortlichen ist auch bewusst, dass das erste Jahr ein Lehrjahr ist.

"Der Wettbewerb ist scharf, und mit Audi und Toyota haben wir zwei richtig starke Wettbewerber", so LMP1-Projektleiter Fritz Enzinger. "Natürlich würden wir liebend gerne gleich im ersten Jahr um den Sieg kämpfen, aber der Respekt gebietet es, anzuerkennen, dass unserer Gegner hier mehr Erfahrung haben als wir."

Dass Porsche ein schnelles LMP1-Fahrzeug gebaut hat, konnten die Schwaben bei den ersten beiden Läufen zur Sportwagen-WM unter Beweis stellen: In Silverstone fuhr man gleich beim ersten Rennen aufs Podium, beim zweiten Rennen in Spa stand man auf Pole Position und führte 47 Runden. Doch hier reden wir von Sechs-Stunden-Rennen - in Le Mans steht die vierfache Distanz an.

Antrieb/Motor:

Porsche hat nicht wie Audi und Toyota auf ein bestehendes Konzept aufgebaut, sondern mit einem weißen Blatt Papier begonnen. Damit ist der 919 radikaler als seine Wettbewerber, und vielleicht auch fragiler. Der Motor bereitete zwar zu Beginn der Testphase Probleme mit Vibrationen, aber seit dem Redesign mit neuer Kurbelwelle und veränderter Zündfolge liefert das extrem kompakte und leichte Zwei-Liter-V4-Triebwerk mit großem Bankwinkel und Monoturboaufladung seine Leistung recht zuverlässig.
 
Kleinere Haltbarkeitsprobleme wurden bereits vor den großen Langstreckentests aussortiert. Einziger Knackpunkt waren Schäden an der extrem langen Getriebeeingangswelle, wie noch im April in Silverstone: weil der kompakte Motor weit entfernt vor der Hinterachse eingebaut ist, muss die Distanz über eine lange Welle, die durch einen langen Spacer zwischen Motor und Getriebe läuft, überbrückt werden. Technikchef Alex Hitzinger sagt: "Die großen Baugruppen wie Motor und Getriebe sind aus meiner Sicht sortiert und zuverlässig."

Hybridsysteme:

Porsche startet wie Toyota in der 6-MJ-Klasse: An der Vorderachse wird beim 919 wie bei allen LMP1-Wettbewerbern Bremsenergie rekuperiert, aber nur Porsche nutzt auch die Abgase zur Rückgewinnung – wie in der Formel 1. Das ermöglicht es, nicht nur beim Bremsen zu rekuperieren, sonder an auch beim Beschleunigen. Die Energie wird in Lithium-Ionen-Batterien gespeichert und an der Vorderachse über die MGU wieder eingespeist. Und genau an dieser Stelle - bei den vorderen Antriebswellen - hatte es noch zuletzt in Spa, aber auch zuvor in Silverstone Schäden gegeben.

Fahrzeugkonzept/Aerodynamik:

Porsche bestritt die ersten beiden Rennen bereits mit dem Le-Mans-Paket mit wenig Abtrieb, um Erfahrungen für Le Mans zu sammeln. Dabei tauchten im Highspeed-Bereich Probleme mit Bottoming (Aufsetzen des Unterbodens), Bouncing (Wipp-Bewegungen bei Highspeed) und zu starke Rollbewegungen in den Kurven auf.
 
"Durch Setup-Arbeit und andere Modifikationen haben wir das jetzt im Griff, das Auto ist auch in den Highspeed-Sektionen in Le Mans gut zu fahren", so Werkspilot Marc Lieb. Während Porsche in Spa und Silverstone bei der Top-Speed die Nase vorne hatte, ist Toyota in Le Mans nun aber ebenbürtig.

Speed:

Der Porsche ist schnell, aber die Zahlen deuten daraufhin, dass der Toyota noch schneller ist. Trotzdem könnte Porsche im Zeittraining eine Chance auf die Pole haben, wenn die Piloten eine halbwegs freie Runde finden. Im Rennen erwarten Porsche-Ingenieure, dass Toyota die Pace setzt, und sich dahinter Porsche und Audi einreihen.

Zuverlässigkeit:

Die Zuverlässigkeit ist die Achilles-Verse von Porsche, und das wird auch nicht geleugnet: "Uns fehlen eine oder zwei Entwicklungsschleifen, um die Zuverlässigkeit solide darzustellen", so Teamchef Andreas Seidl. Zwar erwartet man keine Genickbrecher mehr wie Motorschäden, aber gleichzeitig geht man davon aus, dass man ohne kleinere Reparaturen vermutlich nicht über die Distanz kommen wird. "Aber auch unsere Gegner müssen ja erst einmal ohne Probleme über die Distanz kommen", hofft Seidl.

Reifenverschleiß:

Der Reifenverschleiß ist die zweite Achilles-Verse von Porsche: weil das hochkomplexe Hub-Wank-Fahrwerk, bei dem Dämpfer und Stabilisatoren hydraulisch in Wirkverbindung stehen, noch nicht komplett entschlüsselt und feingetunt werden konnte, macht die Abstimmung auf Dreifach- oder Vierfach-Stints, wie sie die Konkurrenz von Toyota und Audi fahren wird, Mühe. "Ich hoffe, wir können regelmäßig Dreifach-Stints schaffen", so ein Werksfahrer. "Aber das ist noch nicht sicher."

Fazit zum Porsche 919 Hybrid

Porsche hat Podiumschancen, wenn Toyota in Probleme laufen sollte, aber es scheint fast ausgeschlossen, dass die Schwaben aus eigener Kraft siegen können. Dazu dürfte Audi speedmäßig nicht weit von Porsche weg sein. Anders herum formuliert: Im Porsche-Lager hofft man, dass wenigstens ein Auto durch- und ankommt, und man nicht mit einem Doppelausfall aus Le Mans abreisen muss.

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