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Porsche der große Favorit

Bekanntes Konzept als Vorteil?

Porsche 919 Hybrid - Technik-Check - WEC / Le Mans 2016 Foto: Porsche 30 Bilder

Toyota und Audi holten für 2016 zum Technik-Rundumschlag aus. Doch auch Porsche legte die Hände nicht in den Schoß. „Wir haben 80 bis 90 Prozent des Autos überarbeitet“, sagt Teamchef Andreas Seidl. Der Vorjahressieger ist der große Favorit auf den Gesamtsieg in Le Mans.

17.06.2016 Andreas Haupt Powered by

2015 feierte Porsche seinen 17. Sieg in Le Mans. Ein Jahr später steht der Sportwagenbauer nach dem Qualifying erneut ganz vorn. Die zwei eingesetzten Porsche 919 Hybrid besetzen die erste Startreihe. Es ist das 15. Mal in der Geschichte des 24h-Rennens, das zwei Porsche das Rennen zum Start anführen werden. Am Sonntag will Porsche um 15 Uhr die Doppelpole in einen weiteren Le Mans-Triumph umsetzen. Es wäre der 18. für die Truppe aus Weissach.

Porsche noch mit Luft nach oben

Wenn man im Fahrerlager nach dem Favoriten für den Klassiker zweimal um die Uhr fragt, fällt praktisch immer der Name Porsche. Obwohl Audi und Toyota mit komplett umgekrempelten Fahrzeugen angreifen. Allerdings streckte sich auch Porsche über den Winter. „80 bis 90 Prozent unseres Autos haben wir überarbeitet. Im Prinzip alles bis auf das Monocoque“, erklärt Teamchef Andreas Seidl. „elbst wenn die Regeln stabil sind, lernst du immer dazu. Wir fahren ja erst das dritte Jahr in der WEC.“

Was genau hat Porsche gemacht? „Der Motor ist leichter, die interne Reibung verbessert. Auch am Elektromotor haben wir Gewicht gespart und ihn effizienter gemacht. Die Aufhängung vorn ist neu, die Aerodynamik anders“, erzählt Seidl. Die Ingenieure trieben dem über 1.000 PS starken Renner seine Schwächen aus. „Wir waren gegen Seitenwind anfällig.“ Ein Lob gibt es für Reifenpartner Michelin. „Sie haben einen tollen Job gemacht und zur Verbesserung beigetragen.“ Wie viel man den schwarzen Walzen im Rennen zutrauen kann, wird sich laut Seidl aber erst noch zeigen. „Niemand hat durch die verregneten Trainings viele Erfahrungswerte. Wir werden es im Rennen herausfinden. Wie im letzten Jahr. Da haben wir mit Dreifach-Stints begonnen, und haben in der Nacht auf vier Stints mit einem Satz gewechselt.“

Ein besonderes Augenmerk legten die Ingenieure auf die Windschlüpfrigkeit des 919 Hybrid. Weil die Regelhüter die Motorleistung 2016 um acht Prozent kappten, „ist die aerodynamische Effizienz noch wichtiger geworden“. Mit fünf langen Geraden ist Le Mans ein Highspeedkurs. Daher braucht es ein Auto, das möglichst wenig Angriffsfläche für Wind bietet. Das treibt einerseits die Topspeeds in die Höhe, andererseits lindert es den Spritverbrauch. Neel Jani prügelte seinen 919 Hybrid mit der Startnummer zwei im ersten Qualifying in 3:19.733 Minuten zur Pole. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 245,6 km/h. „Klar hätten wir schneller gekonnt. Sicher eine Sekunde. Der Verkehr war im letzten Sektor aber nicht ideal und der Grip nicht auf dem besten Level“, erklärt Seidl. Porsche ist gewarnt: Auch die Konkurrenz hätte ein flotteres Tempo anschlagen können. Wenn denn die Bedingungen mitgespielt hätten.

„Le Mans muss einen gewinnen lassen“

Porsche hat seinen 919 Hybrid für den 24h-Marathon auf mehr Anpressdruck getrimmt. „Wir fahren mit mehr Abtrieb als unsere Gegner. Man sieht es an den Topspeeds. Da fehlt uns ein bisschen. Wir denken, dass das für uns die richtige Herangehensweise ist“, meint Seidl. Wenn es wirklich regnen sollte, könnte der Mehr-Abtrieb zum Joker werden.

„Unsere Vorhersage geht von Regen am Start aus. In der Nacht soll es trocken bleiben. Und am Sonntag in der Früh wieder regnen“, berichtet Porsche-LMP1-Chef Fritz Enzinger. Wechselnde Bedingungen würden die Strategie bedeutend erschweren. „Wenn du am Anfang zu viel Tempo rausnimmst und auf Sicherheit fährst, kann es sein, dass du diesen Rückstand nie wieder aufholst“, zeigt Enzinger die Tücken auf.

„Le Mans muss einen gewinnen lassen. Dieser Spruch hat sich in der Vergangenheit immer bewahrheitet“, sagt der Österreicher. Enzinger nennt ein Beispiel. „Wenn du an der falschen Stelle ein Teil einfängst, und dir einen Plattfuß einhandelst, musst du 13 Kilometer damit zurückhumpeln. Das holst du nicht mehr auf.“

Porsche mit 60 Mitarbeitern in Le Mans

Porsche kämpfte 2016 mit Batterieproblemen. Der Grund: Bei der Fertigung schlichen sich Fehler ein. „Die Zuverlässigkeit steht an erster Stelle“, weiß Seidl. Deshalb rüstet Porsche für Le Mans und die restlichen WEC-Läufe auf das bekannte Zellenpaket aus dem Vorjahr zurück.

Im Team glaubt man, dass nun alle Zuverlässigkeitsprobleme aussortiert sind. Beim letzten Langstreckentest in Aragon (Spanien) lief der Porsche 919 Hybrid laut Enzinger über 8.200 Kilometer wie ein Uhrwerk. Insgesamt strampelte der Rennwagen in vier Langstreckentests gut 45.000 Kilometer ab, um für Le Mans gewappnet zu sein.

Das Gefühl des Gejagten gefällt Enzinger besser, als das des Jägers. „Der Druck gewinnen zu müssen, ist raus durch unseren Sieg 2015.“ Der Österreicher sieht sein Team nicht nur bei der Geschwindigkeit und der Zuverlässigkeit gut aufgestellt. Sondern auch bei den Reifenwechseln und beim Auftanken. „Wir gewinnen eine Sekunde pro Stopp. Bei 30 Stopps kommt da schon eine halbe Minute zusammen. Die müssen die anderen erst aufholen.“

Rund 265 Mitarbeiter, davon sind etwas 60 in Le Mans, arbeiten am 18. Gesamterfolg. Enzinger beschreibt das unglaubliche Gefühl eines Le Mans-Sieges. „Als ich im letzten Jahr ins Hotel kam und auf meinem Bett lag, überkam mich ein Gefühl der inneren Zufriedenheit.“ Der Chef selbst macht in den 24 Stunden übrigens kein Auge zu.

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