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Porsche GT-Rennsport / Le Mans

WM-GT-Programm als Opfer des Abgas-Skandals?

Porsche 911 RSR - WEC Austin 2015 Foto: xpb

Das GT-Programm von Porsche in der Sportwagen-WM (WEC) steht vor dem Aus. Einer der Gründe: der VW-Abgas-Skandal, der den Konzern zum Sparen zwingt.

17.11.2015 sport auto Powered by

Die Zukunft des Porsche-GTE-Programms steht unter Druck, das ist seit längerer Zeit bekannt und hat vornehmlich zwei Gründe: erstens die Erfolgsquote des Porsche 911 RSR nach GT-LM-Reglement und zweitens den VW-Abgasskandal. Im Bereich der Sportwagen-WM (WEC) verlor Porsche seit der Saison 2013 alle GT-World-Cup-Titel gegen Ferrari, als Highlight steht nur ein Klassensieg beim 24h-Rennen in Le Mans 2013 zu Buche. Die Bilanz im zweiten Einsatzgebiet der 911 RSR, der United SportsCar Championship (USC) in Amerika, war bis Ende 2014 ebenfalls dürftig: ein Herstellertitel im Jahr 2014.

Porsche erhöhte Druck auf FIA und ACO

Ausgerechnet jetzt, Ende 2015, als erstmals nennenswerte Erfolge zu verzeichnen sind, weil Porsche in den USA alle drei GT-Titel holen konnte und vor dem Finale der Sportwagen-WM in Bahrain Mitte November gute Chancen hat, den Fahrertitel und möglicherweise auch die Hersteller-Meisterschaft einzufahren, steht das WEC-Programm vor dem Aus. Dafür sind logischerweise nicht die sportlichen Erfolge verantwortlich, sondern als externer Faktor der VW-Abgas-Skandal: Der Konzern muss gehörig sparen, und offenbar ist das WM-GT-Programm von Porsche das erste prominente Opfer.

Das GT-Programm von Porsche in der Sportwagen-WM, das auf einen zweistelligen Millionenbetrag taxiert wird, soll Ende 2015 beendet werden. Beim siebten Sportwagen-WM-Lauf in Shanghai verdichteten sich diese Gerüchte zur Gewissheit. Für Porsche war die vorzeitige Enthüllung in Shanghai aus politischen Gründen ziemlich peinlich, denn die Schwaben hatten nach dem Debakel in Le Mans den Druck auf ACO und FIA massiv erhöht, die Fahrzeugeinstufungen in der GT-LM-Klasse neu zu sortieren - sprich, Aston Martin einzubremsen.

Die Fortsetzung des Porsche-GT-Programms - so wurde es ACO und FIA verkauft - hänge daran, ob die Porsche 911 RSR in der zweiten Saisonhälfte wieder konkurrenzfähiger sein würden. Dann kam unerwartet der VW-Abgas-Skandal dazwischen, und jetzt könnte der Eindruck entstehen, Porsche habe FIA und ACO erpresst, nur um zum Ende der Saison ohnehin auszusteigen. Da werden böse Erinnerungen an das Viper-Team in der USC wach, das sich 2014 auf ähnliche Weise zum Titel politisierte - nur um zwei Tage später auszusteigen, was pikanterweise von Porsche-Offiziellen verbal scharf verurteilt wurde.

Maulkorb für alle GT-Teammitglieder

Freilich gebietet es hier die Fairness, anzufügen, dass der VW-Abgas-Skandal dem Thema WM-Ausstieg neue Brisanz verlieh. Bis kurz vor Shanghai hatte man sich noch bemüht, den werksseitigen Ausstieg aus der Sportwagen-WM für 2016 dadurch zu kaschieren, dass man ein GTE-Pro-Auto über das private Kundenteam Proton Competition nennt, doch auch diese Pläne scheiterten. Nach Shanghai verhängte die Porsche-Presseabteilung einen Maulkorb für alle GT-Teammitglieder.

Die zweite große Frage zum Thema Porsche und GT-Sport lautet: Was machen die Schwaben 2017 in der GT-LM-Klasse? Die Gegner bauen bereits für 2016 neue Autos, Porsche muss 2017 nachziehen und stand bei der Entscheidung vor grundsätzlichen Fragen: Will man weiter dem Heckmotorkonzept treu bleiben, obwohl klar zu erkennen ist, dass man gegenüber Mittel- und Frontmittelmotor-Autos immer mehr in Nachteil gerät? Und will man am kleinvolumigen Sauger festhalten, obwohl die versammelte Konkurrenz auf Turbotriebwerke setzt?

Offenbar sind die Entscheidungen nun gefallen: Porsche will weiter mit dem 911 im GT-Sport nach Le-Mans-Reglement antreten und hat bei der FIA zahlreiche Waiver (technische Sondergenehmigungen) beantragt. Offenbar sollen die Waiver dazu dienen, den Motor weiter in Richtung Fahrzeugmitte zu rücken und so eine bessere Gewichtsverteilung zu erzielen. Würde man beispielsweise die Motor-Getriebe-Anordnung im Porsche 911 umdrehen, käme dabei eine Art Heckmittelmotor-Fahrzeug heraus. Doch dazu müssten FIA und ACO zahlreiche Änderungen im Chassisbereich absegnen, und angeblich ist das bereits geschehen, denn Porsche müsste den neuen GT-LM-Renner ja bereits beim GT-Einstufungstest in Ladoux im September 2016 fix und fertig haben. Eine Ungewissheit bleibt freilich auch hier: die Auswirkungen des VW-Abgasskandals.

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