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Porsche Rennsport Reunion

2.000 röhrende Motoren in Laguna Seca

Porsche Rennsport Reunion, Rennszene Foto: Wes Duenkel 11 Bilder

Die Porsche Rennsport Reunion in Kalifornien ist mit rund 2.000 Renn- und Sportwagen das größte Porsche-Markentreffen der Welt. Dazu kommen rund 60 namhafte Rennfahrer der Marke, die dem Treffen den Charakter einer gigantischen Familienparty verleihen.

13.12.2015 Dirk Johae Powered by

Die fünfte Porsche Rennsport Reunion steht zunächst unter keinem guten Stern: Statt nostalgiegetränkter Feierlaune lenken die News-Ticker das Interesse auf die Ereignisse um den VW-Abgasskandal und die Auswirkungen auf den Porsche-Vorstand.

Porsches Forschungs- und Entwicklungschef Wolfgang Hatz zum Beispiel wollte eigentlich nach Laguna Seca reisen, um mit dem Werksteam bei der Porsche Rennsport Reunion den 17. Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu zelebrieren. Doch die neuen Vorfälle machten einen Strich durch seinen Reiseplan.

Die Fans feiern die Rennerfolge der Marke Porsche

Der motorsportbegeisterte 56-Jährige fehlt bei der Präsentation des aktuellen Siegerautos 919 und des GT-Renners 911 RSR mit den Le-Mans-Gesamtsiegern Earl Bamber und Nick Tandy sowie ihren beim letzten WEC-Lauf in Austin erfolgreichen Teamkollegen Brendon Hartley und Mark Webber. Der Ex-Formel-1-Fahrer aus Australien ringt, emotional belastet, um Worte: "Wir wissen ja selbst nicht genau, was passiert ist, aber ich glaube, dass das Fehlen von Wolfgang Hatz keinen Einfluss auf den Einsatz unserer Autos haben wird."

Damit haben sich die Personalien im Porsche-Vorstand in Laguna Seca erledigt: Dank der Gnade großer Rennerfolge von Porsche wird zünftig gefeiert. Rund 320 historische Rennwagen der Stuttgarter kommen in sechs Rennläufen zum Einsatz, und über 1.000 Autos der Marke versammeln die Mitglieder des Porsche Club of America, mit 150 000 Anhängern größter Markenclub der Welt, auf ihrem Areal.

Die Party kann beginnen

Der Porsche-America-Chef Detlef von Platen will sich die Feierlaune angesichts der Bad News aus Good old Germany nicht vermiesen lassen: "Das ist hier doch ein Paradies", meint er mit Blick auf die große Fülle hochkarätiger Rennwagen von Porsche.

"Eine solche Veranstaltung wäre in Europa wahrscheinlich gar nicht möglich, weil man nur hier so viele Autos zusammenbekommt", sagt Werksfahrer Jörg Bergmeister. Der Langenfelder bestreitet viele Rennen in den USA.

Dave Engelman, der alle Rennsport Reunions erlebt hat, pflichtet Bergmeister bei: "Für die Reunion braucht man eben eine solch große Basis an Clubmitgliedern und Sammlern, und die gibt es nur bei uns hier in den USA."

Laguna Seca - eine der berühmtesten Rennstrecken der Welt

Schon die erste Reunion-Premiere 2001 in Lime Rock war ein großer Erfolg, sodass auf der kleinen Rennstrecke der Platz nicht reichte. Die nächsten beiden Veranstaltungen fanden deshalb in Daytona statt. Doch der Strecke fehlt mit ihren großen Tribünen das Flair, deshalb wechselte die Rennsport Reunion nach Kalifornien auf die Strecke, die dank der Lage in den Bergen über der Küstenstadt und der Kurvenpassage Corkscrew zu den bekanntesten der Welt gehört.

Die 1957 eröffnete Berg-und-Tal-Bahn zählte zu den Schauplätzen der spektakulären Can-Am-Serie: "Bis zu 30 Rennwagen mit bis zu 1.100 PS: Da hat hier die Erde gebebt", erinnert sich Klaus Bischof, der damals als Rennmechaniker im Werksteam arbeitete.

Porsche 917K - stärkster Rennwagen aller Zeiten

Heute wird dieser 1.100 PS starke und rund zwei Millionen Euro teure Rennwagen vom australischen Sammler Peter Harburg gesteuert, der den Turbo-917 äußerst vorsichtig bewegt: Gegen die 917K, alle ehemalige Autos des J.-W.-Rennstalls, hat er keine Chance.

Harburgs Fahrweise kann die Freude der rund 50.000 Zuschauer an seinem Auto nicht schmälern. Allerdings ist der in den Farben Blau, Rot und Gelb lackierte Rennwagen nicht Donohues überlegenes Einsatzauto, sondern das von Porsche für einen US-Händler 1979 gebaute Exemplar.

Jedoch ist auch das legendäre Meisterauto in Laguna Seca zu sehen: Es gehört zur Ausstellung von rund 60 Rennwagen im Fahrerlager, darunter in der Mehrzahl – passend zum Motto der Rennsport Reunion - Autos mit Le-Mans-Historie. Das Porsche-Museum zeigt in einer Ausstellung zusätzlich insgesamt zwölf Autos und setzt zudem einen Porsche 962C im Rennen ein.

"Dieses Auto haben wir bis 1991 für die ganze Entwicklungsarbeit des 962 auch mit dem PDK-Getriebe genutzt, es ist der letzte Stand der Technik und eine Referenz für die Exemplare dieser Baureihe", erklärt Bischof.

Rollendes Museum

In Laguna Seca startet Werksfahrer Patrick Long mit dem Chassis 962-009, hat aber gegen die jüngeren RS Spyder keine Chance. Trotzdem ist Long mit dem 962 sehr zufrieden: "Das Auto ist einfach perfekt", schwärmt der 34-jährige US-Fahrer, der dreimal ALMS-GT-Meister war.

Das Rennen machen die Porsche Spyder RS unter sich aus: Cooper MacNeil aus Il linois bestimmt im ehemals werksunterstütz ten Auto von 2006 vor Gunnar Jeannette im Ex-Wagen eines Privatteams schon im Training das Tempo. Doch die Rennergebnisse sind aus guter Tradition bei der Rennsport Reunion eher Schall und Rauch.

Dies drückt sich auch in den teilweise merkwürdigen Zusammenstellungen der Starterfelder aus: So muss Michael Knebel im kleinen Elva Mk 7-Porsche von 1963 zusammen mit den wesentlich leistungsstärkeren Porsche 917 und 908 ausrücken.

Doch Knebel nimmt es locker: "Das macht nichts, ich muss eben öfter in den Spiegel schauen." Für den deutschen Porsche- Spezialisten ist es viel wichtiger, den Rennsportwagen mit dem Königswellen- Vierzylinder in den USA zu zeigen.

"Das Auto ist hier viel bekannter als bei uns in Europa", berichtet er. 1963 gewannen Bill Wuesthoff und Augie Pabst mit diesem Elva ein Langstreckenrennen in Road America. Seit 1982 befindet sich der gelbe Renner mit Kunststoffkarosserie im Besitz von Knebels Familie.

Feuerfester Einsatz

Wie Michael Knebel nutzt auch Jürgen Barth die Reunion zum Rennen fahren, vor und nach den Autogrammstunden mit vielen Fahrerlegenden schlüpft der Le-Mans-Sieger von 1977 jeweils wieder in seinen feuerfesten Renn-Overall. Auf die lang ersehnten Signaturstunden warten die Porsche-Fans übrigens in endlosen Schlangen.

"Das ist ein bisserl stressig", sagt er, legt aber gleich ein zufriedenes Lächeln auf. Barth steuert wie in den 70er-Jahren GT-Modelle der 911-Familie, darunter auch den orange farbenen RSR in Jägermeister-Lackierung. Das Kölner Kremer-Team hatte das Auto aufgebaut und in der Deutschen Rennsportmeisterschaft eingesetzt.

Der kernig-rauchige Sechszylinder klingt einfach bombastisch in den Ohren der Fans, wie ein unvergesslicher Evergreen, den man auch nach über 30 Jahren noch gerne mitsummt. Dazu färbt die heiße Sonne Kaliforniens die sandig-braunen Hügel rings um den legendären Kurs in paradiesisches Gold.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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