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Porsche RS Spyder

Geld-Fieber

Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

In der amerikanischen Le Mans-Serie hat der Porsche RS Spyder mit sieben Klassensiegen und einem Gesamtsieg einen tollen Einstand gefeiert. Wir fuhren den 1,2-Millionen-Euro-Renner.

19.12.2006

Mit Lucas Luhr, frisch gekürter Champion in der LMP2-Klasse, geht es auf dem Porsche-Versuchsgelände in Weissach in die erste Runde in einem Porsche GT3. Dann darf ich ans Volant. Luhr verdrückt sich, und Porsche-Werkspilot Marc Lieb muss auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Das Auto schiebt, untersteuert, übersteuert. Liebs trockener Kommentar am Ende der Inspektionsrunde: "Ich bin ein schlechter Beifahrer."

Kein Wunder. Eine wirklich ernsthafte Auslaufzone gibt es nur in der ersten Rechts. Ansonsten ist der so genannte CanAm-Kurs ultraschnell, eine Mutstrecke, speziell in einem pfeilschnellen Sportwagen.

Der Achtzylinder lässt sich völlig undramatisch quasi mit Leerlaufdrehzahl anfahren. Für ein so schrill brüllendes Renntier geht es erstaunlich zivil voran. Auch der Fahrer ist angenehm platziert: tief, mit leicht angewinkelten Beinen. Und sehr nah am ovalen Lenkrad.

480 PS reißen den Renner nach vorn

Die erste Rechts hat noch viel Spielraum nach außen, zumindest am Eingang. Innen gibt es als Streckenbegrenzung Metallplatten. "Die sollte man meiden, sonst neigt unser Auto zum Übersteuern", warnt Lieb. Ein wichtiger Hinweis, denn am Kurvenausgang lauert eine Links - und eine solide Leitplanke direkt am Streckenrand. Danach geht es in eine Rechts-Senke, die an den ersten Pflanzgartensprung am Nürburgring erinnert. Aus dem zweiten Gang kommend wird voll durch den folgenden Linksbogen hochbeschleunigt. Die 480 PS reißen den gerade mal 775 Kilogramm schweren Sportler vehement nach vorn.

Dann geht es links über eine blinde Kuppe. Der gelbe Blitz wird leicht - und möchte sofort in die folgende Rechtskurve gezwungen werden. Erneut unheimlich schnell - und es wird weiterbeschleunigt. In der nächsten Rechts springt der Porsche über die hohen Curbs. Man ist eigentlich immer zu spät beim Einlenken. Landen sollte man mit der linken
Seite an den Pylonen, die die Ideallinie markieren. Denn danach folgen schon wieder die hohen Leitplanken an der linken Flanke.

Der gelbe Renner klebt förmlich auf der Piste - Ground-Effekt sei Dank. Trotzdem wandert der Porsche voll beschleunigt weit nach außen wieder in Richtung Leitplanke. Die folgende, etwa 800 Meter lange Gerade ist eigentlich ein langgezogener Linksbogen, der aber voll geht. Am Ende blitzen im sechsten Gang die Schaltlampen auf. Mit der Übersetzung für Laguna Seca sind dies knapp 260 km/h. Selbst tief im gelben Wagen spürt man die Geschwindigkeit. Der Fahrtwind rüttelt am Helm, und man bemerkt einen Zug im Nacken. Aber nur ganz kurz, denn dann geht es auch schon voll in die Eisen - die im Sportwagen aus Carbon sind. Das Gefühl signalisiert: viel zu spät. Aber die Bremse vollbringt eine wahre Meisterleistung.

Der große Coup in Mid-Ohio

Vorn arbeiten innenbelüftete Carbonscheiben mit 38 Zentimeter, hinten mit 35 Zentimeter Durchmesser. Der RS Spyder gilt in der ALMS als der beste Bremser im Feld. Da sticht er sogar die Audi-Sportwagen aus der großen LMP1-Klasse aus. Neben sieben Klassensiegen gelang dem RS Spyder in Mid Ohio sogar der ganz große Coup: ein Gesamtsieg gegen die weitaus stärkere Konkurrenz aus der LMP1-Klasse.

2006 wurden die RS Spyder in Amerika vom Roger-Penske-Team eingesetzt. 2007 sollen die 1,2 Millionen Euro teuren Spyder auch an Privatteams verkauft werden. Diese erhalten nicht nur ein völlig problemloses, sondern auch ein standfestes Renngerät.

Die Carbonscheiben und Bremsbeläge halten trotz Spitzenverzögerung 9.000 Kilometer, das sind rund zwei 24-Stunden-Distanzen in Le Mans. Dafür muss der 3,4-Liter-V8 bereits nach 6.000 Kilometern zu einer tiefgreifenden Inspektion. Der Sauger dreht im Gegenzug spielerisch und pfeilschnell bis 11.000 Touren.

Der Leistungsunterschied zur großen Klasse liegt bei rund 170 PS - und dieser Unterschied soll zumindest in Le Mans künftig noch größer werden. Man hat einen kleineren Air-Restriktor für die LMP2-Rennautos vorgeschrieben. Dagegen will Porsche vorgehen. Denn nur als Sieganwärter ist der kleine Spyder für Privatteams attraktiv. Und nur dann stimmt auch der Slogan aus der Porsche-Werbung: "Der goldene Käfig ist ein offener."

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