Rallye Dakar 2010: Das große Abenteuer über 9.000 Kilometer

Nasser Al-Attiyah

Das neue Jahr wird ereignisreich beginnen. Denn am 1. Januar 2010 fällt der Startschuss zur Rallye Dakar. Wir blicken voraus auf das große Spektakel und zeigen alle Infos zu den 15 Etappen, die die Teilnehmer über 9.030 Kilometer quer durch Südamerika führen. Die Verschiffung der Fahrzeuge von Le Havre aus beginnt bereits am Mittwoch, 25. November.

Welch weitreichende Folgen eine Irrfahrt doch haben kann: 1977 kam der Franzose Thierry Sabine mit seinem Motorrad bei der Rallye Abidjan-Nizza  in der Wüste Lybiens vom richtigen Pfad ab, verirrte sich und wurde erst nach mehreren Tagen unter der sengenden Sonne gerettet. Zuhause in Frankreich war Sabine immernoch tief beeindruckt von der Landschaft, durch die er sich tagelang gekämpft hatte. Diese wollte er möglichst vielen Menschen nahe bringen. Die Idee zur Rallye Dakar war geboren.

Der Vater der Rallye Dakar stirbt 1986 bei einem Hubschrauberabsturz

Dies ist nun 32 Jahre her. Die Realisierung seiner Vision gelang Sabine erstaunlich schnell. Bereits am 26. Dezember 1978 startete die erste Rallye Paris-Dakar am Place du Trocadéro. 170 Wagemutige stürzten sich in das Abenteuer und nahmen die Herausforderung an: 10.000 Kilometer durch zumeist unwegsames Gelände. Von Anfang an waren sowohl Autos als auch Motorräder und Trucks am Start. Später kamen auch Quads hinzu.

Das Jahr 1986 war ein schwarzes für die Dakar. Der Vater der Rallye, Thierry Sabine, und die gesamte Besatzung seines Hubschraubers kamen am 14. Januar beim Absturz des Helikopters aufgrund eines Sandsturms ums Leben. Das Lebensmotto des wagemutigen Franzosen lautete zeitlebens: "If life gets boring, risk it!" - "Wenn das Leben langweilig wird, dann riskiere es!" Diesem Motto haben Motorsportfans die Geburt der Dakar zu verdanken - Sabine hingegen riskierte letztendlich einmal zu viel.

Die dunkle Seite der Dakar zeigte sich im Verlaufe ihrer Geschichte leider viel zu häufig. Mehr als 50 Menschen ließen seit 1978 ihr Leben. Dabei handelte es nicht nur um Fahrer, sondern auch um Journalisten oder Unbeteiligte, die am Streckenrand Opfer der härtesten Rallye der Welt wurden.

Ursprünglich verband die Route der "Dakar" die französische mit der senegalesischen Hauptstadt. Alsbald variierte die Streckenführung jedoch. Start und Ziel waren nicht mehr ausschließlich in Paris und Dakar angesiedelt. Im Jahr 1992 endete die berühmteste Marathonrallye der Welt in der südafrikanischen Metropole Kapstadt. 1996 fiel der Startschuss erstmals nicht in Paris, sondern in Granada. Bis zum Jahr 2009 fand die Rallye jedoch ausnahmslos auf dem afrikanischen Kontinent statt.

2009: Debüt der Dakar in Südamerika

Dies änderte sich, nachdem die Organisatoren die Dakar 2008 wegen massiver Terrordrohungen gegen die Rallyeteilnehmer zum ersten Mal in ihrer Geschichte hatte absagen müssen. Als Konsequenz wich man 2009 nach Südamerika aus. Dort empfing die Teilnehmer auf ihrer Tour durch Argentinien und Chile ein begeistertes Publikum entlang der Rallyeroute. Start und Ziel war in Buenos Aires, zwischenzeitlich machte der Rallyetross in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso Station, um anschließend die anspruchsvolle Atacama-Wüste unter die Räder zu nehmen.

Auch die kommende Auflage der "Dakar" wird wieder auf dem südamerikanischen Kontinent ausgetragen. Etienne Lavigne, der Direktor der Rallye, schließt eine Rückkehr zu den Wurzeln in Afrika für 2011 jedoch nicht aus. Auch einen jährlichen Wechsel zwischen Südamerika und Afrika hält er für möglich.

Die genaue Route der Rallye Dakar 2010 bieten wir Ihnen als kostenlosen Download an.

Vorjahressieger de Villiers und Stéphane Peterhansel zählen 2010 zu den Favoriten

Am 1. Januar 2010 startet die 31. Auflage des Marathon-Klassikers in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Hier wird am 17. Januar 2010 nach über 9.000 Kilometern dann auch der Sieger der 31. Rallye Dakar gekürt. Nach seinem Sieg in diesem Jahr reist VW-Pilot Giniel de Villiers als Titelverteidiger nach Buenos Aires. VW wird 2010 mit sechs werksunterstützten VW Touareg (Tracktest des Race-Touareg) an den Start gehen. Mit dabei ist auch die Rallyelegende Carlos Sainz. Darüber hinaus nimmt Stéphane Peterhansel die Dakar 2010 in Angriff. Mit seinem X-Raid-BMW will er seine Erfolge aus den Jahren 2004, 2005 und 2007 wiederholen. Zuvor war der Franzose bereits auf zwei Rädern überaus erfolgreich: In den Jahren 1991, 1992, 1993, 1995, 1997 und 1998 rollte er mit seinem Bike als Erster über die Zielrampe. Bis heute ist Peterhansel mit seinen insgesamt neun Siegen der erfolgreichste Teilnehmer der Rallye Dakar.

Der bis dato erfolgreichste Fahrer auf vier Rädern ist übrigens der Finne Ari Vatanen, der kürzlich in der Abstimmung zur Wahl des FIA-Präsidenten Jean Todt unterlag. Ihm gelang das Kunststück, die Dakar in den Jahren 1987, 1989, 1990 und 1991 gleich vier mal zu gewinnen.

Um die Chancengleichheit zwischen Diesel- und Benzinern zu gewährleisten, haben die Organisatoren der Rallye Dakar das Reglement für 2010 dezent angepasst. Alle Fahrzeuge mit Benzinmotor und mehr als zwei Ventilen pro Zylinder dürfen den sogenannten Air-Restriktor von bislang 32 auf nun 34 Millimeter vergrößern. Dadurch wird der Motor mit mehr Luft versorgt, was den Verbrennungsprozess optimiert und letztlich die Leistung steigert.

32 Jahre ist sie nun her, die Irrfahrt eines gewissen Thierry Sabine - die Geburtsstunde der Rallye Dakar. Und immernoch kämpfen Jahr für Jahr unzählige Teilnehmer mit sich, dem Material und den Naturgewalten. Welch weitreichende Folgen eine Irrfahrt doch haben kann.

Übrigens: In unserem Video zeigen wir Ihnen die skurrilsten Teilnehmerfahrzeuge der Dakar. Weitere beeindruckende Videos aus über 30 Jahren Dakar-Geschichte finden Sie auf unserer Schwesterseite www.motor-klassik.de.

Rallye Dakar 2010 - Das sind die Etappen
Datum Startort Zielort Länge der Wertungsprüfung Gesamtstrecke inkl. Verbindungsetappe
01.01.2010 Buenos Aires Colon 0 km 317 km
02.01.2010 Colon Cordoba 251 km 684 km
03.01.2010 Cordoba La Rioja 355 km 687 km
04.01.2010 La Rioja Fiambala 182 km 441 km
05.01.2010 Fiambala Copiaco 203 km 629 km
06.01.2010 Copiapo Antofagasta 483 km 670 km
07.01.2010 Antofagasta Iquique 418 km 598 km
08.01.2010 Iquique Antofagasta 600 km 641 km
09.01.2010 Ruhetag
10.01.2010 Antofagasta Copiapo 472 km 568 km
11.01.2010 Copiapo La Serena 338 km 547 km
12.01.2010 La Serena Santiago 238 km 586 km
13.01.2010 Santiago San Juan 220 km 434 km
14.01.2010 San Juan San Rafael 476 km 796 km
15.01.2010 San Rafael Santa Rosa 368 km 725 km
16.01.2010 Santa Rosa Buenos Aires 206 km 707 km
Insgesamt Buenos Aires Buenos Aires 4.810 km 9.030 km
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Manuel Dohr

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